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Paradise Island und München - Bruce Buffer ist die Stimme der UFC. Dass er der Halbbruder des Box-Ringsprechers Michael Buffer ist, erfuhr er erst im Erwachsenenalter. Das Interview.

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"It's time!" - Wenn die Zuschauer bei UFC 234 am Sonntag diese Worte von Bruce Buffer hören, wissen Sie: Es ist Zeit für den Hauptkampf des Abends.

Der 61-Jährige ist die Stimme der größten Kampfsportliga der Welt und genießt bei deren Fans Kultstatus.

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Beim Namen Buffer denken viele Boxfreunde aber auch an Michael Buffer. Der Ringsprecher wurde mit seinem Ausspruch "Let's get ready to rumble!" weltberühmt. Er kündigte die größten Boxer wie Mike Tyson, die Klitschko-Brüder oder Henry Maske an. Michael und Bruce Buffer sind Halbbrüder. Das erfuhren die beiden allerdings erst, als sie schon erwachsene Männer waren.

Im exklusiven SPORT1-Interview am Rande eines Pokerturniers auf den Bahamas erzählte UFC-Stimme Bruce Buffer seine unglaubliche Geschichte.

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SPORT1: Mister Buffer, wie sind Sie auf Michael Buffer aufmerksam geworden, der sich später als ihr Halbbruder herausstellte?

Buffer: In den späten Achtzigerjahren, als Mike Tyson wirklich berühmt wurde, war ich immer ein großer Box-Fan gewesen. Ich habe mir jede Woche Boxen angesehen. Und da kommt dieser sehr gut aussehende Mann, James-Bond-artig, charmant und im Smoking. Er sagte "Let's get ready to rumble!" mit dieser großartigen Stimme. Er wurde so beliebt wie viele Boxer - wenn nicht sogar beliebter als manche.

SPORT1: Wie fanden Sie heraus, dass sie mit ihm verwandt sind?

Buffer: Als ich in meinen Zwanzigern war, betrieb ich Telefon-Marketingfirmen. Ich habe noch vor der Zeit des Internets jedes Telefonbuch in den USA gesehen. Und mein Nachname ist überhaupt kein häufiger Nachname. Ich habe ihn nie in irgendeinem Telefonbuch gesehen. Also dachte ich mir: "Wer ist dieser Typ?" Auf einem Roadtrip mit meinem Vater fragte ich ihn: "Dad, hast du irgendeine Ahnung, wer dieser Typ ist?" Er sagte: "Ich glaube, das ist dein Bruder." Ich sagte: "Was redest du da?" Ich war damals 28 Jahre alt. Er antwortete mir: "Ich habe es dir nie erzählt: Ich war während des 2. Weltkriegs schon einmal verheiratet. Neun Monate lang, dann musste ich nach Übersee. Ich kam zurück und ein Sohn wurde geboren." Es stellte sich heraus, dass das Michael war. Als mein Vater schon im fortgeschrittenen Alter war, kontaktierte er ihn und sie trafen sich. Und sie verstanden sich fantastisch! Dann haben wir uns alle getroffen und seitdem hatten wir eine großartige Beziehung.

SPORT1: Wie ging es dann weiter?

Buffer: Vier Jahre nachdem wir uns trafen, fing ich an Michael zu managen. Wir wurden Geschäftspartner und ließen den Satz "Let’s get ready to rumble!" als Marke eintragen. Wir machten dann zum Beispiel Videospiele. Ich wollte Michael auf der ganzen Welt dahin bringen, wo die größten Box-Events stattfanden. Es waren aber auch UFC-Events dabei und ich ließ ihn bei drei der ersten UFC-Events den Ringsprecher machen. Dann konnte er aber dort nicht mehr weitermachen, weil er einen großen Vertrag mit der Wrestling-Liga WCW unterschrieb.

SPORT1: So begann also ihre eigene Karriere als Ringsprecher?

Buffer: Eineinhalb Jahre später im Jahr 1996 war ich Manager eines Kämpfers, der bei einem UFC-Event in Puerto Rico antrat. Ich überzeugte den UFC-Eigentümer, dass er mich meinen Smoking anziehen ließ, um bei den Vorkämpfen den Ringsprecher zu geben. Dann fragten sie mich für das nächste Event an. Dann meldeten sie sich jedoch nicht mehr bis ich in der zweiten Staffel der Comedyserie Friends einen Ringsprecher spielte. Das war damals die größte Show im Fernsehen. Am Set sagte ich dem UFC-Eigentümer: "Ich fühle mich wie ein Mädchen, das zum Abschlussball eingeladen werden will". Ich fragte ihn danach andauernd nach dem Job, flog dafür mehrmals nach New York. Ich sagte: "Ich kann dir helfen, diese Marke aufzubauen, ich habe Medienkontakte. Aber ich muss gemeinsam mit euch wachsen als der Sprecher im Oktagon. Lass uns jetzt einen Deal machen. Wenn nicht, frage ich nie wieder." Danach war ich für die nächsten 20 Jahre der Ringsprecher bei jedem einzelnen UFC-Event. Vor ein paar Jahren musste es dann auch noch einen Ersatzmann geben, weil wir mittlerweile so viele Events haben, dass ich nicht mehr bei jedem anwesend sein kann. Also gibt es jetzt bei circa sechs Shows im Monat einen Ersatzmann, der für mich übernimmt.

"Ich probe überhaupt nicht"

SPORT1: Die UFC-Fans lieben, wie sie die Fighter vorstellen. Proben Sie ihre Ansagen vor einem Kampfabend?

Buffer: Nein, ich probe überhaupt nicht. Ich mag das nicht. Als Ringsprecher möchte ich da rausgehen und organische Ansagen machen, wie ich das nenne. Es gibt eine Probe-Stimme und eine Kampf-Stimme. Ich stehe bei meinen Ansagen nie still, bewege mich viel, bin sehr physisch, sehr leidenschaftlich. Und ich versuche, diesen leidenschaftlichen Moment einzufangen. Das einzige was ich tue, bevor ich rausgehe: Ich stelle sicher, dass ich mir den Namen jedes Kämpfers korrekt aufgeschrieben habe.

Bruce Buffer in Action: So leidenschaftlich macht er seine Ansagen
Bruce Buffer in Action: So leidenschaftlich macht er seine Ansagen © dpa Picture Alliance

SPORT1: Was ist der schwierigste Name für einen Ringsprecher?

Buffer: Einsilbige Namen sind die schwierigsten. So wie Mike Swick. Was soll man da betonen? Gib mir lieber Khabib Nurmagomedov. Damit kann man so viel besser arbeiten.

SPORT1: Was war der größte Kampf, bei dem Sie jeweils im Oktagon standen?

Buffer: Das ist sehr schwierig für mich zu beantworten. Ich habe über 4000 Kämpfe angesagt, ich weiß gar nicht genau wie viele. Hunderte UFC-Events. Und ich habe so viele großartige Kämpfe gesehen. Das ist das Schöne an der UFC: Jedes Mal wenn ich denke, das ist der großartigste Kampf den ich je gesehen habe, findet zwei Monate später der nächste großartige Kampf statt.

SPORT1: Haben Sie einen Lieblingskämpfer?

Buffer: Brian Ortega ist einer meiner liebsten Kämpfer. Aus zwei Gründen: Er ist ein exzellentes Vorbild. Er hat eine tolle Geschichte. Hatte nichts und erreichte Großes. Er ist sehr bescheiden. Jetzt beginnt er, eine Menge Geld zu machen, hat aber gleiche eine Wohltätigkeitsorganisation gegründet für unterprivilegierte Kinder. Das mag ich bei Kämpfern: Es geht nicht nur darum, was du im Oktagon tust, sondern auch wie du dich außerhalb verhältst. Als Ringsprecher gebe ich aber jedem Fighter die bestmögliche Vorstellung, die ich ihm geben kann.

"McGregor hat dieses gewisse Etwas"

SPORT1: Die UFC hat in Sachen Aufmerksamkeit einen großen Schritt nach vorne gemacht als Conor McGregor die Bühne betrat. Warum ist er so besonders?

Buffer: Conor hat auch einfach eine großartige Geschichte: Er lebte von 180 Euro irischer Sozialhilfe. Jetzt hat er im Oktagon Millionen von Dollar verdient. Er ist sehr populär wegen seiner Persönlichkeit. Er hat wie Ronda Rousey dieses gewisse Etwas. Er ist nicht nur ein großartiger Kämpfer, sondern auch ein toller Promoter und manchmal auch ein bisschen verrückt. Er ist sehr speziell und hat so die Welt erobert. Viele Menschen wollen ihn kämpfen sehen, viele wollen ihn auch verlieren sehen. Also sieht sich jeder die Show an! Conor generiert einfach sehr viel Aufmerksamkeit.

SPORT1: Welchen Kampf würden Sie persönlich 2019 gerne in der UFC sehen?

Buffer: Auf jeden Fall will ich nochmal Conor McGregor und Khabib Nurmagomedov gegeneinander kämpfen sehen. Ich würde auch gerne nochmal McGregor gegen Nate Diaz sehen. Ich bin nicht der, der die Kämpfe macht, aber als Superfight würde ich gerne Georges St-Pierre gegen Anderson Silva sehen. Jon Jones will ich immer sehen, wenn er kämpft. Und Daniel Cormier gegen Brock Lesnar, ich hoffe das kommt zustande!

SPORT1-Reporter Sebastian Mittag (l.) sprach auf den Bahamas mit Bruce Buffer
SPORT1-Reporter Sebastian Mittag (l.) sprach auf den Bahamas mit Bruce Buffer © SPORT1

SPORT1: Wie denken Sie wird sich die UFC in den nächsten Jahren entwickeln?

Buffer: Die UFC ist die am schnellsten wachsende Kampfsportmarke der Welt. Mixed Martial Arts ist der am schnellsten wachsende Sport der Welt. Man wird in den kommenden Jahren eine wachsende internationale Beliebtheit erleben. So zum Beispiel in Deutschland. Die Leute dort erzählen mir, dass die UFC auch dort immer beliebter wird. Und ich weiß, wie sehr die Deutschen das Boxen lieben aus meiner Zeit als ich Michaels Manager war und dort die Termine für ihn machte. Deutschland liebt Kampfsport, da gibt es keine Frage.

SPORT1: Ihr Bruder hatte Verbindungen zum Wrestling, Brock Lesnar ist WWE-Star, Ronda Rousey neuerdings auch. Könnten Sie sich auch vorstellen einmal für WWE zu arbeiten?

Buffer: Das könnte ich mir vorstellen. Ich sehe mich nicht als der neue Haupt-Ringsprecher bei WWE - denn ich bin der UFC-Ringsprecher und das liebe ich. Aber als einmalige Sache, etwa bei einem Event, wo ich Rondas Match ankündigen dürfte - das wäre ein Privileg! Ich würde gar nicht alle Matches an diesem Abend ankündigen, sondern nur den Main Event - und dann das Dach wegblasen!