Jon Jones tritt bei UFC 232 gegen Alexander Gustafsson an
Jon Jones tritt bei UFC 232 gegen Alexander Gustafsson an © Getty Images

München - Einmalig: Der UFC-Megakampf zwischen Jon Jones und Alexander Gustafsson wurde kurzfristig verlegt - wegen einer an Merkwürdigkeiten reichen Doping-Affäre.

von Martin Hoffmann
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Er gilt vielen als bester MMA-Kämpfer seiner Zeit - doch seine Karriere ist überschattet von einer aberwitzig langen Liste an Skandalen.

Und was nun eigentlich als Neustart nach einer Doping-Sperre gedacht war, hebt den Aberwitz stattdessen auf eine Stufe.

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Weil Jon Jones vor seinem Comeback-Fight gegen Alexander Gustafsson erneut positiv auf ein Dopingmittel getestet wurde, ist die Kampfsportnacht UFC 232 kurzfristig von Las Vegas nach Los Angeles verlegt worden.

Ein in der Geschichte der Mixed-Martial-Arts-Liga einzigartiger Vorgang - zu Lasten vieler Fans und auch der anderen Kämpferinnen und Kämpfer.

Jon Jones ist Doping-Wiederholungstäter

Doping-Wiederholungstäter Jones war zuletzt im Juli 2017 der Einnahme des anabolen Steroids Turinabol vor seinem Kampf gegen Daniel Cormier überführt worden. Es brachte ihm die mit Blick auf seine Vorgeschichte recht milde Strafe von 15 Monaten der US-Antidopingagentur USADA ein.

Nach deren Ablauf sollten Jones und Gustafsson nun in der Nacht zum Sonntag um den vakanten Halbschwergewichts-Titel kämpfen. Anfang Dezember fanden sich dann aber erneut Spuren des aus DDR-Zeiten bekannten Steroids in Jones' Blut.

Ein erneuter Betrug? Nein, beteuert Jones, und bekommt dabei auch Rückendeckung: Die Konzentration sei "extrem gering", hielt die USADA in einem Statement fest, es gehe um Pikogramme, Billionstel-Gramme also. Nach eingehender Analyse sei die Agentur zum Schluss gekommen, dass es sich um Restspuren aus der vergangenen Affäre handele, keinen neuen Dopingfall.

UFC 232 von Las Vegas nach Kalifornien verlegt

Folgenschwer war der Fund dennoch: Die in Las Vegas zuständige Athletik-Kommission des Bundesstaats Nevada sah sich in der Kürze der Zeit jedoch nicht in der Lage, die Angelegenheit formell zu prüfen und Jones eine Freigabe für den Kampf zu erteilen. Daher der Umzug nach Kalifornien - dessen Kommission Jones 2017 selbst angehört hat und den Fall daher schneller bearbeiten konnte.

UFC 232 zog deswegen nun kurzfristig von Las Vegas nach Inglewood, einen Vorort von Los Angeles. Neben den Fans mussten auch die anderen UFC-Athletinnen und -Athleten ihre Flüge und Unterkünfte teuer umbuchen, zumeist auf eigene Kosten.

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Und nicht nur dieses Ärgernis beschäftigt Jones' UFC-Kollegen - sondern auch die Frage, ob es sich bei seinem Fall wirklich um die Lappalie handelt, als die die UFC und USADA sie darstellen.

Achtmal negativ, nun wieder positiv

Der für das Thema zuständige UFC-Vize Jeff Novitzky stellt es als Gewissheit dar, dass es sich um "keine erneute Einnahme" von Turinabol handeln könne. Es handele sich wohl um einen so genannten "Pulsing-Effekt". Grob gesagt sollen die Spuren des Medikaments in Jones' Körper also wieder aufgeflackert sein, nachdem sie zuvor für den Test nicht mehr fassbar gewesen wären. Nach Novitzkys Angaben fanden sich auch in Tests am 29. August und dem 18. September bei Jones Turinabol-Reste, andere Tests dagegen fielen negativ aus. Der Öffentlichkeit war das alles bis dahin unbekannt.

"Der Fall zeigt, wie fortgeschritten und sensibel Dopingtests heute sind", sagte Novitzky, der sich einst als staatlicher Aufklärer im Balco-Skandal und der Affäre Lance Armstrong hervorgetan hatte.

UFC-Vize Jeff Novitzky (l., mit Podcaster Joe Rogan) verteidigt Jon Jones
UFC-Vize Jeff Novitzky (l., mit Podcaster Joe Rogan) verteidigt Jon Jones © twitter.com/jeffnovitzkyufc

USADA nimmt Schaden

Wegen des Falls Jones sehen Kritiker inzwischen aber sowohl die Glaubwürdigkeit Novitzkys als auch die der USADA beschädigt.

Schon die 15-Monatssperre im vergangenen Jahr wurde vielfach als unangebracht milde kritisiert. Und auch jetzt bleibt aus Sicht von Kämpferkollegen ein Beigeschmack zurück. "Junge, Jones hat Novitzky zu seiner alten Dame gemacht", ätzte der 39-Jährige: "Das ist der verrückteste Scheiß, den ich je gesehen habe."

Und auch ein anderer wohlbekannter Sportstar breitet die Merkwürdigkeit des Falls Jones nun genüsslich aus.

"Warum diese Doppelstandards für Jones und andere?" fragte besagte Person bei Instagram: "Und was sagen Wissenschaft und Wissenschaftler? Ich glaube, ich kenne die Antwort, aber lassen wir den Starf***ker reden."

Der Name des verwunderten Sportstars: Lance Armstrong.

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