Der erste Kampf um einen WM-Titel im Boxen fand ohne Handschuhe statt
Im 19. Jahrhundert war Boxen noch ein sehr anarchischer Sport © Imago
Lesedauer: 2 Minuten

Im Jahr 1860 fand vor prominenten Zeitgenossen der erste WM-Kampf in der Geschichte des Boxsports statt. Beide Teilnehmer hatten danach kein langes Leben.

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Es ereignete sich an einem Dienstagmorgen, in der südenglischen Provinz. Genauer gesagt auf einem freien Acker am Rande eines kleinen Nests namens Farnborough.

Man schrieb den 17. April 1860, Königin Victoria herrschte über Großbritannien. An jenem Morgen standen sich in einem Ring unter freiem Himmel der 25 Jahre Amerikaner John Carmel Heenan und der neun Jahre ältere Engländer Tom Sayers gegenüber - zum ersten WM-Kampf der Box-Geschichte.

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Es mag zwar einfachste Provinz gewesen sein, doch unter den zahlreichen Zuschauern, die auch aus dem 50 km nördlich gelegenen London gekommen waren, befand sich zahlreiche Prominenz.

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So fand der britische Premierminister Henry John Temple ebenso den Weg nach Farnborough wie der Prinz of Wales, der 1901 als Edward VII. den Thron bestieg, und Schriftsteller Charles Dickens.

Was sie sahen, war ein archaiches Schauspiel. Beide Boxer traten mit bloßen Fäusten an, was eigentlich illegal war. Doch wer kümmerte sich an diesem Morgen um derart Belangloses?

Erster WM-Boxkampf: Wenig Regeln, aber ein harter Fight!

Um 7.29 Uhr begann der eigentlich ungleiche Kampf. Sayers, der "Knirps aus Brighton", war nur 1,74 m groß und wog knapp 75 kg. Heenan dagegen war 16 Zentimeter größer und war fast 100 kg schwer. (SERVICE: Alles aus der Welt des Boxens)

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Doch zu einem schnellen Ende kam es nicht, es entwickelte sich ein erbarmungsloser Fight. Eine Rundenbegrenzung gab es nicht. Wer ausgezählt wurde, hatte verloren. Ende offen.

Mit zunehmender Kampfdauer sahen beide extrem mitgenommen aus, sie bluteten und waren mit ihren Kräften fast am Ende.

Abbruch nach 43 Runden

Schließlich schrieb man die Pause zur 43. Runde, als der Kampf ungewollt sein Ende nahm. Die Polizei hatte Wind bekommen vom bunten Treiben auf dem Feld. Sie stürmte den Ring, doch Heenan und Sayers konnten im wilden Durcheinander entkommen.

Der Kampf wurde später als ein Unentschieden gewertet, beide Faustkämpfer erhielten ein "Schmerzensgeld" von 200 Pfund als Börse. Sie traten nie wieder an.

Alt wurden sie auch nicht. Beide verstarben bereits mit 39 Jahren. Doch dieses wichtige Kapitel der Box-Geschichte hat sie unsterblich gemacht.