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München - Neue Aussagen eines Bauern zu einem Doping-Befund 2015 belasten Tyson Fury erneut. Es geht um eine aufgewärmte Geschichte zu einem unkastrierten Wildschwein.

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Es geht um Doping, einen Bauern und ein unkastriertes Wildschwein: 

Eine zweijährige Dopingsperre hat Tyson Fury bereits hinter sich. Wenige Wochen nach seinem Sieg über Deontay Wilder holt ihn die damalige Skandalgeschichte plötzlich wieder ein - und das in Form einer Story, die einer Schmierenkomödie gleichkommt.

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Wegen Vertuschungsvorwürfen könnten dem Boxer schlimmstenfalls sogar eine achtjährige Sperre drohen.

Doch der Reihe nach: Die britische Anti-Doping-Behörde UKAD untersucht nun offiziell die Vorwürfe, die der Landwirt Martin Carefoot vergangene Woche in der Daily Mail geäußert hat. Carefoot behauptet, jemand aus dem Team Fury habe ihm 25.000 Pfund angeboten, um den 32-Jährigen und dessen Cousin Hughie (ebenfalls Boxprofi) nach einem positiven Dopingtest zu entlasten.

Der Landwirt hatte im damaligen Prozess ausgesagt, er habe den Sportlern regelmäßig Fleisch geliefert, darunter auch unkastrierter Eber, in dem das verbotene Steroid Nandrolon enthalten gewesen sei. Auf diese Substanz war sowohl Fury als auch Cousin Hughes 2015 positiv getestet worden. 

Briefe belasten Fury

Alles Lügen, behauptete Carefoot im Nachhinein. Am Sonntag veröffentlichte die Daily Mail daher weitere Details in der Angelegenheit. Die Zeitung will in den Besitz von Emails und Briefen zwischen dem Team Fury und dem Bauern aus Lancashire gekommen sein - datiert von vor der Dopingsperre.

Darunter soll sich auch ein Brief befinden, den Carefoot im November 2016 an das Team schrieb. Darin steht, der Landwirt habe den Furys regelmäßig unkastriertes Wildschwein geliefert - ein Fakt, der ein Beweismittel für Furys Unschuld sein sollte und die Erklärung für die "ungewollte Steroid-Spritze". 

Nun aber behauptete Carefoot, weder stimme der Inhalt des Briefes, noch habe vor dessen Übersendung überhaupt Kontakt zwischen ihm und dem Box-Team bestanden. Auch das handschriftliche Schriftstück will er erst auf Bitte eines Freundes angefertigt haben. 

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Der Farmer nannte Namen: So seien Furys Onkel Peter und ein lokaler Geschäftsmann namens Ashif Patel in den Fall verwickelt. Patel weise auch eine Verbindung zu Furys Rechtsbeistand auf. 

Carefoots Brief geriet in die Hände von Fury-Anwalt Henry Goldschmid.

Beweisfotos gefälscht?

Per Email setzte dieser sich mit Martin Carefoot in Verbindung, um die Zeugenaussage zu formulieren, die Fury entlasten sollte. Der Aussage legte Anwalt Goldschmid Beweisfotos von der Wildschweinzucht Carefoots bei.

Fotos, die laut dem Farmer gar nicht auf seiner Farm entstanden seien, sondern in einem nahe gelegten Park. Auch sollte er auf Fotos möglichst genau darstellen, dass es sich bei abgepacktem Fleisch um Wildschwein und nicht normales Schwein handle.

Einen eindeutigen Beweis, dass Carefoot auf seiner Farm wirklich Wildschweine hielt, erbrachten Furys Anwälte trotz aller Bemühungen nicht. 

Anti-Doping-Behörde rollt den Fall neu auf

Ob Carefoots Aussagen allerdings ausreichen, Tyson Fury als Doping-Vertuscher zu verurteilen, bleibt zu bezweifeln. Die Dokumente, die am Sonntag an die Öffentlichkeit gingen, zeigen allenfalls, wie ein Landwirt und ein Anwalt versuchten, den großen Box-Star zu entlasten - was damals ohnehin schon vergeblich war. Fury und sein Cousin mussten 2017 die Sperre akzeptieren. 

Weder die angebliche 25.000-Pfund-Lüge noch vermeintliche andere Vertuschungen können aus den bislang bekannten Dokumenten entnommen werden. Fest steht aber: Die UKAD werden Tyson Fury mal wieder unter die Lupe nehmen und die Doping-Geschichte um die Wildschweine neu aufrollen. 

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Bislang reagierte das Team Fury gelassen auf die Aussagen des 70-Jährigen Landwirts. Promoter Frank Warren behauptete vergangene Woche, der Farmer habe im Oktober vergangenen Jahres mit ihm Kontakt aufgenommen.

"Als ich ihn anrief, bat er um Geld. Ich sagte ihm, er solle verschwinden und sich mit der UKAD in Verbindung setzen. Er beschloss, nicht mit der UKAD zu sprechen, sondern mit einer Zeitung."

Auch WBC-Chef Sulaiman nahm Fury in Schutz und zweifelte an Carefoots Glaubwürdigkeit.