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München - Comeback für die Geschichtsbücher oder Karriere-Kollaps? Der Rückkampf gegen Andy Ruiz ist für Anthony Joshua wegweisend. Für Tyson Fury sind die Folgen klar.

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Floyd Patterson schaffte es, Muhammad Ali und George Foreman ebenso.

Mike Tyson, Evander Holyfield und Lennox Lewis traten danach in ihre Fußstapfen, ebenso Vitali und Wladimir Klitschko. Anthony Joshua an diesem Samstag auch? (Boxen: WM-Fight zwischen Andy Ruiz und Anthony Joshua - ab 21.45 Uhr im LIVETICKER; die Highlights am Sonntag ab 23.15 Uhr im TV auf SPORT1). 

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Einen Vorteil hatte sie ja, die unerwartete und blamable Niederlage gegen Andy Ruiz Jr.: Mit einem Sieg im Rückkampf in Saudi-Arabien könnte der 30 Jahre alte Brite Mitglied in einem illustren Zirkel werden – dem Club der entthronten Schwergewichts-Weltmeister, die es schafften, wieder aufzustehen und sich zurück auf den Thron zu kämpfen.

Was allerdings, wenn er es nicht schafft?

Für Joshua steht viel auf dem Spiel

Es steht einiges auf dem Spiel, wenn Joshua an diesem Samstag zum zweiten Mal nach der Gürtelsammlung der Weltverbände WBA, WBO, IBF und IBO greift, die Ruiz ihm am 1. Juni völlig überraschend abgenommen hat.

"Joshua ist ein Vermächtnis-Typ, einer der in historischen Dimensionen denkt", offenbarte sein Promoter Eddie Hearn im Vorfeld des Fights in einem Gespräch mit der BBC: "Er ist motiviert von der Aussicht, sich zweimaliger Schwergewichts-Weltmeister nennen zu dürfen. Ich glaube wirklich, dass ein Sieg am Samstag ihm den Respekt verschaffen wird, den er insgeheim anstrebt."

Wobei die Frage ist, ob dieses Bewusstsein Joshua eher beflügelt oder belastet. Denn was ihm ebenso bewusst ist: Wenn Joshua ein zweites Mal gegen den nun noch schwerer gewordenen Sensationsmann aus Mexiko verliert, lässt sich sein beschädigter Nimbus womöglich nicht mehr reparieren.

"Es wäre katastrophal, wenn ich verlieren würde", stellte Joshua selbst fest.

Fury: "Zweiter K.o. ruiniert deine Karriere"

"Wenn er zum zweiten Mal in Folge ausgeknockt wird, glaube ich nicht, dass er weiter macht", prophezeite kürzlich auch Landsmann Tyson Fury, der sich selbst gerade aus einer tiefen Karriere- und Lebenskrise herausgekämpft hat: "Er braucht das Geld nicht und ein zweiter K.o. ruiniert deine Karriere."

Und Fury sieht diese Gefahr als durchaus gegeben an. "Ich finde Ruiz zwar nicht allzu gut, aber er hat ihn eben schon besiegt und ausgeknockt, also geht er mit einem mentalen Vorteil ins Match, während Joshua dort schon angegriffen ist", führte Fury im Podcast True Geordie aus: "Boxen spielt sich zu 95 Prozent im Kopf ab."

Dass Joshua – dessen Kampfbörse am Samstag 60 Millionen Dollar dick sein soll – körperlich in Mega-Form ist, im Sparring angeblich einen Gegner nach dem anderen wegdominiert hat: Aus Furys Sicht am Ende womöglich alles ein Muster ohne Wert.

Joshua holt sich Ratschläge von Klitschko ein

Auch der als Grübler bekannte "A.J." weiß um die Bedeutung des Faktors Psyche: Nicht umsonst hat er vielfach betont, dass er alles getan hätte, um die Niederlage aufzuarbeiten.

Unter anderem hat er sich viele Ratschläge seines Ex-Gegners Wladimir Klitschko eingeholt, der nach seinen beiden K.o.-Niederlagen in den WM-Kämpfen gegen Corrie Sanders und Lamon Brewster 2003 und 2004 nicht nur zurückkam – sondern danach erst wirklich zur dominanten Überfigur wurde.

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Man sieht also: Furys düstere Prognose muss nicht eintreten - selbst bei einer weiteren Niederlage gegen Ruiz. Es gibt aber eben auch die warnenden Beispiele der Kampfsport-Stars, die eine zweite große Niederlage nicht verkraftet haben.

Mike Tyson etwa war entzaubert, als er den großen Rückkampf gegen seinen Erzrivalen Holyfield verlor. Und Ronda Rousey, jahrelang dominanter und zugkräftiger Star der MMA-Liga UFC, war nach ihren Niederlage gegen Holly Holm und Amanda Nunes gebrochen und beendete ihre Karriere, obwohl sie im Octagon gewiss weiterhin gutes Geld hätte verdienen können.

Joshua wird gegen Ruiz aber erst einmal alles daran setzen, dass alle Spekulationen um ein mögliche Ende seiner Karriere nach dem Kampf verstummen.