Tyson Fury besiegte Otto Wallin nach Punkten
Tyson Fury besiegte Otto Wallin nach Punkten © Getty Images
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München - Tyson Fury hat gegen Otto Wallin mehr Probleme als erwartet - sein Vater findet, er sei nicht bereit für Deontay Wilder. Zu Recht? Fragen und Antworten.

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Auf dem Papier war der Kampf kein Kracher, aber Tyson Fury hat es mal wieder geschafft, für eine spektakuläre Box-Nacht zu sorgen - freiwillig und unfreiwillig.

Vor dem Fight gegen den ungeschlagenen, aber wenig profilierten Schweden Otto Wallin lieferte der 31 Jahre alte Brite seine gewohnt skurrilen Showeinlagen (Wrestler-Maske beim Wiegen, Mexiko-Outfit beim Einmarsch). Im Ring hatte der Klitschko-Bezwinger mehr Mühe als erwartet und mit den Folgen einer heftig blutenden Platzwunde zu kämpfen, die im Krankenhaus genäht werden musste.

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Wie ist Furys Leistung bei dem einstimmigen Punktsieg einzuordnen - und wie geht es nun weiter mit Fury in der zwischen Deontay Wilder, Andy Ruiz und Anthony Joshua gerade hart umkämpften Schwergewichts-Szene? SPORT1 gibt die Antworten.

- Warum tat sich Tyson Fury gegen Otto Wallin so schwer?

Um Furys Performance gegen Wallin ist in seinem persönlichen Umfeld ein Streit entbrannt: Vater John Fury - der in den USA Einreiseverbot wegen seiner kriminellen Vorgeschichte hat -, warf seinem Sohn vor, "schwach wie ein Kätzchen" aufgetreten zu sein und riet ihm sein Trainerteam auszutauschen, das ihm sonst "seine Karriere kosten" würde,

Furys nur 26 Jahre junger Coach Ben Davison, der als Schlüsselfigur hinter dem verblüffenden Wiederaufstieg Furys nach dessen heftigem persönlichen Absturz gilt, hat die Kritik freundlich, aber bestimmt zurückgewiesen: "Wäre Fury ein Kätzchen, hätte er keine zwölf Runden so boxen können."

Tatsächlich ist das Urteil von John Fury zu emotional gefärbt: Dass Fury Wallin nicht so dominierte wie davor Tom Schwarz, lag schlicht daran, dass der schwedische Rechtsausleger überzeugender auftrat und ihn vor mehr Probleme stellte - und auch widerständig blieb, als sich Fury in der Mitte des Kampfes auf Wallin und den Umgang mit seinem Cut eingestellt hatte. Es dürfte nicht Wallins letzter "Big Fight" in den USA gewesen sein.

- Welche Folgen hatte Furys Cut?

Die Wunde wurde noch in der Kampfnacht mit 47 Stichen genäht, was Fury aber nicht die Laune verdarb: "Ich bin danach noch ins Casino, habe 5000 Dollar gewonnen, ein paar Bier getrunken und trinke jetzt noch ein paar Bier", teilte er den Journalisten beim Abflug aus Las Vegas mit.

Ganz folgenlos wird Furys Verletzung nicht bleiben: Die zuständige Athletik-Kommission von Nevada wird eine medizinische Schutzsperre gegen ihn verhängen, die mindestens zwei Monate andauern könnte, womöglich auch länger.

Furys nächster Kampf soll für den Februar 2020 anvisiert sein, an sich genug Zeit, um vollständig auszuheilen.

- Was bezweckte Fury mit seinen Mexiko-Anspielungen?

Beim öffentlichen Training und beim Wiegen trat Fury mit den traditionell mexikanischen Wrestler-Masken auf, zum Ring kam er zu Mariachi-Musik mit Sombrero und Poncho, auch seine Handschuhe hatten die Nationalfarben.

Warum er das tat, obwohl er als Brite in den USA gegen einen Schweden kämpfte? Nach eigenen Angaben war es eine Respektsbezeugung vor dem mexikanischen Unabhängigkeitstag an diesem Montag: "Ist es nicht toll, dass ein totaler Außenseiter so viel Liebe, Leidenschaft und Respekt für das mexikanische Volk zeigt?"

Andere Beweggründe sind unausgesprochen, aber offensichtlich: Vollblut-Showman Fury betreibt "Markenbildung" bei der großen spanischsprachigen Fan-Community - nachdem er sich bereits bei seinem Amerika-Debüt gegen Schwarz im Uncle-Sam-Outfit inszeniert hat.

Einen Kampf gegen Sensations-Weltmeister Andy Ruiz, mit dem er sich auch schon öffentliche Sticheleien geliefert hat, dürfte er auch schon im Hinterkopf haben.

- Wann gibt es den Rückkampf zwischen Tyson Fury und Deontay Wilder?

Nach Angaben beider Kämpfer ist ein WM-Kampf am 22. Februar 2020 in Las Vegas vertraglich vereinbart - wenn Wilder seinen WBC-Titel am 23. November gegen den Kubaner Luis Ortiz verteidigt.

Wilder stiftete vor Furys Kampf allerdings Verwirrung, indem er Fury aufforderte, den Kampf sausen zu lassen und erklärte, lieber gegen den Sieger des Ruiz-Joshua-Rückkampfs am 7. Dezember in Saudi-Arabien antreten zu wollen - und ihm zugleich unterstellte, dem Rückmatch sowieso ausweichen zu wollen. Fury hat das von sich gewiesen und tatsächlich dürfte es sich hier um reinen "Trash Talk" Wilders handeln.

Zwar hat der Brite Kritik auf sich gezogen, weil er dem Rückkampf gegen Wilder die Kämpfe gegen Schwarz und Wallin vorzog - was aus seiner Sicht jedoch Sinn ergab: Zum einen sicherte er sich damit zwei größere Zahltage seines TV-Partners ESPN (am Sonntag soll Fury 13,5 Millionen Dollar eingestrichen haben) und die Möglichkeit, sich auf der US-Bühne zu etablieren.

Zum anderen hieß es aus Furys Lager, dass die Kämpfe und die damit verbundenen Trainingslager wertvoll waren, um nach dem Remis-Coup gegen Wilder den sportlichen Fokus des launischen Briten intakt zu halten.

Auf eine weitere Verzögerung des Rückkampfs scheint Fury es nun aber nicht anlegen. Und auch wenn im von Winkelzügen geprägten Box-Business nichts auszuschließen ist: Die Zeit für Fury - Wilder II scheint reif.