Cassius Clay (später Mohamed Ali, hinten) schlug Sonny Liston völlig überraschend
Cassius Clay (später Mohamed Ali, hinten) schlug Sonny Liston völlig überraschend © Getty Images
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Am 25. Februar 1964 erschüttert ein Box-Kampf die Welt. Außenseiter Cassius Clay, besser bekannt als Muhammad Ali, krönt sich im Duell der Beatles-Gegner zum Champion.

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Eine Woche bevor Cassius Clay Weltmeister wurde, traf er mit seiner Rechten die Beatles. Für den Mann, der später als Muhammad Ali zur Box-Ikone aufstieg, stand ein Foto-Shooting mit der Popband auf dem Programm.

Sie trafen sich in einer Trainingshalle in Miami Beach. Der Boxer trommelte auf dem Brustkorb, setzte die Faust an George Harrisons Schläfe an und schrieb so Foto-Geschichte. Clay beeindruckte das Treffen trotzdem wenig. Als er die Halle verließ, bezeichnete er die Beatles als „Weicheier.“

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Auch sein Kontrahent im Kampf um den Schwergewichtstitel redete abfällig über die vier Liverpooler. Sonny Liston hatte sich Ringo Starr für seinen Spott ausgesucht. „Mein Hund spielt besser Schlagzeug als dieser Gnom mit der Riesennase“, sagte der Titelverteidiger.

Somit standen sich am 25. Februar 1964, zwei Boxer mit losem Mundwerk und Beatles-Abneigung gegenüber. Ansonsten unterschieden sich die Kontrahenten deutlich.

Kontakte zur Mafia

In der einen Ecke stand Liston. Ein Mann mit krimineller Vergangenheit. Liston hatte Kontakte zur Mafia. Wegen Raubüberfällen und Diebstählen saß er im Gefängnis. Im Knast begann der Mann aus St. Louis mit dem Boxen, nach der Entlassung machte er Karriere im Ring.

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1962 holte sich Liston gegen Floyd Patterson den WM-Titel durch K.o. in der ersten Runde. Der Rückkampf brachte dasselbe Ergebnis. Wieder erhielt Patterson eine fürchterliche Tracht Prügel.

Liston galt also beim Titelkampf in Miami als klarer Favorit. Sein Gegner Clay hatte zwar 1960 Olympiagold in Rom gewonnen und auch als Profi für Furore gesorgt. Doch dieser Liston schien eine Nummer zu groß.

Jim Murray von der Los Angeles Times unkte, dass der 22-Jährige seinen Gegner nur in einem Buchstabierwettbewerb schlagen könne. Liston war Analphabet. 43 der 46 Journalisten am Ring tippten auf einen K.o.-Sieg.

Provokation beim Wiegen

Der Herausforderer pfiff auf die Meinung der vermeintlichen Experten. Er kündigte an, Liston innerhalb von acht Runden niederzuschlagen. Zum Wiegen erschien Clay dann in einer Jacke mit der Aufschrift „Bärenjagd“. Eine Provokation. Liston hatten den Spitznamen „Schwarzer Bär“, sein Rivale verspottete ihn als „hässlichen Bären“.

Clay ließ seinen flotten Sprüchen aber auch eine starke Leistung folgen. 180 Millionen Menschen weltweit sahen, wie der krasse Außenseiter den Kampf vom ersten Gong an dominierte. Listons erster Schlag verfehlte seinen Gegner deutlich. Clay tänzelte vor dem Weltmeister auf und ab, setzte immer wieder Wirkungstreffer.

Liston wirkte behäbig. Die schlechte Vorbereitung auf den Kampf machte sich bemerkbar. Liston, so hieß es, hatte viele Trainingseinheiten geschwänzt. Stattdessen gönnte er sich Hot Dogs, Bier und Popcorn und trieb sich mit Prostituierten herum. Finanziell leisten konnte sich der Weltmeister dieses Lotterleben angesichts einer Kampfbörse von 2,5 Millionen Dollar. Sein Körper zollte den Lastern jedoch Tribut.

Präparierte Handschuhe bei Liston

Clay nutzte das aus, lag nach der dritten Runde deutlich vorne. Dann kam der Zeitpunkt im Kampf, an dem alles zu kippen drohte. Clay konnte kaum noch sehen. Vermutlich wurden Listons Handschuhe mit einer Substanz präpariert, die in den Augen seines Gegners brannte. Clay flehte seinen Trainer Angelo Dundee an, ihm die Handschuhe aufzuschneiden und den Kampf so zu beenden.

Doch Dundee dachte nicht daran, das Handtuch zu werfen. Eine richtige Entscheidung. Clays Schläge in der sechsten Runde brachen Listons Willen endgültig. Später wurde eine lädierte Schulter als Grund für die Aufgabe angegeben. Die Wahrheit war: Der geschlagene Champ wollte sich nicht weiter demütigen lassen.

Clay brüllte mit weitaufgerissenem Mund seine Freude heraus. Es fielen die legendären Sätze: „I am the Greatest, I shook up the world“. Der Größte, der die Welt erschütterte, feierte seinen Triumph danach leise. Der Bürgerrechtler Malcolm X und der American-Football-Star Jim Brown saßen an der Seite des neuen Weltmeisters, der sich erstmal einen großen Becher Vanilleeis gönnte.

Der zweite Kampf zwischen beiden Boxern endete mit einem schnellen K.o.
Der zweite Kampf zwischen beiden Boxern endete mit einem schnellen K.o. © Getty Images

Nächster Sieg mit dem „Phantom Punch“

Während Clay den Nachtisch in sich hineinschaufelte, wird er vermutlich noch nicht an den Rückkampf gedacht haben. Am 25. Mai 1965 boxten die beiden Schwergewichtler erneut um die Weltmeisterschaft. Dem Titelverteidiger, der nun den Namen Muhammad Ali trug, genügten 105 Sekunden, um Liston auf die Bretter zu schicken. Der legendäre „Phantom Punch“, ein Schlag, der vom Publikum nicht gesehen wurde, brachte ihm den Sieg.

Es war Liston letzter Auftritt auf der großen Bühne. 1970 starb er im Alter von 38 Jahren. Für Ali standen die großen Kämpfe gegen George Foreman und Joe Frazier noch bevor.