München und Offenburg - Nach einer K.o.-Pleite gegen Rocky Fielding ist Tyron Zeuge seinen WM-Titel los. Wie geht es mit dem 26-Jährigen weiter? SPORT1 beleuchtet seine Optionen.

von , Tobias Drews

Am Samstagabend erlebte Tyron Zeuge den wohl bittersten Tag seiner Karriere. Nach einem Technischen K.o. in der fünften Runde musste er seinen Weltmeister-Titel an den Briten Rocky Fielding abgeben.

Für Zeuge selbst ist der verlorene WM-Gürtel ein großer Rückschritt. Da auch die Stimmung zwischen seinem Trainer und dem Sauerland-Boxstall von Konflikten geprägt ist, dürften die nächsten Monate für den 26-Jährigen nicht einfach werden.

Wie geht es für den Ex-Weltmeister weiter? Macht ein Rückkampf Sinn oder geht er einen ganz anderen Weg? SPORT1 analysiert Zeuges Optionen.

Was ist mit dem Sauerland-Vertrag?

Die wohl alles entscheidende Frage im Fall Zeuge ist bisher noch ungeklärt. Noch bis 2019 läuft sein Vertrag bei Sauerland, im Mai hatte der 26-Jährige jedoch seine Kündigung eingereicht. Ob diese rechtswirksam ist, muss wohl die Justiz entscheiden.

SPORT1 zeigt dieses Jahr 20 Kampfabende live im Free-TV, unter anderem mit Arthur Abraham, Tyron Zeuge und Vincent Feigenbutz.

Trainer Jürgen Brähmer hat seine Zusammenarbeit mit dem ehemals größten europäischen Boxstall ohnehin längst aufgekündigt.

Erst wenn feststeht, ob Zeuge weiterhin bei Sauerland bleibt, sich eventuell einen neuen Boxstall sucht, oder in Eigenregie selbst promotet, können weitere Entscheidungen fallen.

Grundsätzlich ist der Vertrag zwischen Sauerland und Zeuge bindend. Möglicherweise kann auch die Rückkehr von Wilfried Sauerland die Lage beruhigen. Im Gegensatz zu seinen Söhnen, die bisher verantwortlich waren, gilt Sauerland Senior als deutlich versöhnlicher.

"Mit Herrn Brähmer kann es nicht weitergehen, das ist ja klar. Aber Tyron muss sich das genau überlegen. Er ist ein guter Junge und muss das selbst entscheiden", hält Sauerland Zeuge in der Bild weiterhin die Türe offen.

Sollte die Vertragskündigung rechtlich durchsetzbar sein, könnte sich Zeuge - mit oder ohne Brähmers Hilfe - selbst vermarkten. Auch ein Wechsel zu einem anderen Boxstall wäre denkbar, allerdings sind solche, die genügend finanzielle Mittel in der Hinterhand haben, rar gesät.

Wie wahrscheinlich ist ein Rückkampf gegen Fielding?

Eng mit dieser Thematik verflochten ist die Frage nach der sportlichen Zukunft. Das wohl wichtigste Ziel in Zeuges Karriere ist die Rückeroberung eines WM-Titels. Am schnellsten ließe sich dieses Vorhaben mit einem Rückkampf gegen Fielding umsetzen.

Trotz einer fehlenden Rückkampfklausel könnte der Sauerland-Boxstall einen entsprechenden Fight möglich machen. Die Verbindungen zum englischen Box-Promoter Eddie Hearn sind seit Jahren gut.

Auch Brähmer hält von der Idee eines Rückkampfes viel. "Wenn Sauerland in der Lage ist, einen Rückkampf zustande zu bringen, dann soll er das tun. Ich stehe dem nicht entgegen", so der 39-Jährige.

Einen Rückkampf könnte Zeuge auch in Eigenregie aufziehen, allerdings müsste er Fielding genügend finanzielle Anreize bieten.

Sportlich hätte Zeuge in einem Rückkampf alle Chancen. Das Talent des 26-Jährigen ist unstrittig. Auch am Samstag lag der in Berlin lebende Boxer während der ersten Runden vorne.

Das Problem: Verliert er auch den Rückkampf, bringt er sich selbst in eine noch schlechtere Position.

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Kämpft Zeuge um EM-Titel?

Die zweite Möglichkeit für Zeuge wäre ein Fight um einen Europameistertitel. Die Erfolgschancen wären gut, außerdem könnte er sich Selbstvertrauen für einen späteren WM-Fight holen. In Deutschland stünde mit Robin Krasniqi ein Europameister bereit.

Allerdings wurde bereits Zeuges Coach Brähmer als Pflichtherausforderer für Krasniqi bestimmt. Ein Kampf Zeuge vs. Krasniqi ist dennoch nicht ausgeschlossen.

Das Problem an Zeuges derzeitiger Situation: Er kann meist nur reagieren, nicht agieren. Als Weltmeister kann man sich seinen nächsten Gegner aussuchen, ohne Titel muss Zeuge die Entscheidungen der anderen Boxer abwarten.

Möglich wäre auch ein Kampf gegen den Weltmeister eines anderen Verbandes. Solche könnten Zeuge als "leichte Beute" ansehen, weil der Deutsche derzeit nicht exorbitant viel Geld verlangen kann. Außerdem könnte man annehmen, dass der 26-Jährige derzeit nicht in der Topverfassung seines Lebens ist.

Noch ist Zeuge nicht am Ende seiner Entwicklung angekommen. Wenn er topfit ist, kann er im Supermittelgewicht viele Gegner schlagen.

Ein von Brähmer und Zeuge angestrebter Kampf gegen Arthur Abraham oder Vincent Feigenbutz ist nach der Niederlage am Samstag erst einmal kein Thema mehr.

Wechselt er die Gewichtsklasse?

Immer wieder stand auch ein Wechsel in eine niedrigere Gewichtsklasse im Raum. Theoretisch ist dies denkbar, dafür müsste der Zeuge aber einige Kilos abnehmen. Da er ohnehin eher zu mehr Gewicht neigt, ist auch dies wohl keine Option. Außerdem warten auch in den niedrigeren Gewichtsklassen keine leichteren Gegner.