München - Tyron Zeuge will seinen Weltmeister-Titel gegen einen Briten verteidigen. Der Schützling von Jürgen Brähmer verfolgt in seiner Karriere ehrgeizige Ziele.

von Andreas Pfeffer , Ingo Rohrbach

Nur etwas mehr als drei Minuten stand Tyron Zeuge bei seiner letzten Titelverteidigung Ende März in Hamburg im Ring. Dann schickte der aktuell einzige deutsche Box-Weltmeister den Nigerianer Isaac Ekpo auf die Bretter und feierte seinen 22. Sieg im 23. Profikampf.

Am Samstag wird sich der 26-Jährige auf einen etwas längeren Arbeitstag einstellen müssen. Im Rahmen der großen Box-Gala in Offenburg (ab 20 Uhr LIVE im Free-TV auf SPORT1) trifft der WBA-Weltmeister im Supermittelgewicht auf den Briten Rocky Fielding. 

Der 30 Jahre alte gebürtige Liverpooler musste in seiner Karriere erst einmal den Ring als Verlierer verlassen. Dem stehen 26 Siege, davon 14 durch K.o., gegenüber. 

"Ich glaube schon, dass er zu den stärksten Gegnern zählt, die Tyron bisher geboxt hat", warnte Trainer Jürgen Brähmer vor dem Duell mit einem der aktuell besten britischen Boxer bei SPORT1. "Er ist ein unbequemer Gegner, der Reichweiten-Vorteile haben wird", beschreibt er Fieldings Vorzüge.

Das Wiegen am Freitag um 16 Uhr im LIVESTREAM auf SPORT1.de

Zeuge: "So stark ist er gar nicht"

Zeuge selbst geht mit einer Portion Gelassenheit und großem Selbstvertrauen in die freiwillige Titelverteidigung. "So stark ist der doch gar nicht", antwortete der deutsche Hoffnungsträger mit einem Lächeln im Gesicht auf die Frage, warum er gegen einen so starken Gegner antritt: "Ich will ja an die Spitze, will alles erreichen. Da kann man sich nicht vor jedem Gegner verstecken."

SPORT1 zeigt dieses Jahr 20 Kampfabende live im Free-TV, unter anderem mit Arthur Abraham, Tyron Zeuge und Vincent Feigenbutz

An der Spitze, sprich Weltmeister, ist Zeuge ohnehin schon. Doch damit will sich der Linksausleger nicht zufrieden geben. Er will mehr und hat ehrgeizige Ziele. "Jeder der boxt, will alles erreichen. Man will auch in Erinnerung bleiben, ein ganz Großer werden. Mehrere Titel zu halten, das ist wahrscheinlich der Traum eines jeden Boxers", beschreibt der gebürtige Berliner, der den Super-GAU, dass Deutschland erstmals seit 2004 keinen Weltmeister stellt, verhindern will.

Wunschgegner: Abraham

Einen Wunschgegner in der Zukunft hat Zeuge auch parat - Arthur Abraham, der zweifache WBO-Weltmeister im Mittelgewicht, dessen Karriere sich aber dem Ende nähert. "Das wäre auch ein spannendes Duell für Deutschland. Das würde viele Fans anziehen", glaubt Zeuge.

Doch das ist Zukunftsmusik, zuerst steht für das Erfolgsgespann Zeuge/Brähmer der Fight gegen Fielding als nächste Etappe auf der großen Box-Bühne im Fokus. 

Diese betrat Zeuge endgültig 2016, als er sich nach einem Sieg gegen den Italiener Giovanni de Carolis den WBA-Titel im Supermittelgewicht sicherte und damit nach Graciano Rocchigiani der zweitjüngste deutsche Weltmeister im Profiboxen wurde.

Ein Jahr zuvor hatte Ex-Weltmeister Brähmer den damals 23-Jährigen unter seine Fittiche genommen. Seitdem geht es mit Zeuge bergauf.

Brähmer führt Zeuge zur Spitze

In der Zusammenarbeit mit Zeuge ist Coach Brähmer vor allem eines wichtig: Zeuge muss sich wie ein Erwachsener verhalten. "Ich habe ihm gesagt, dass er das, was eigentlich in ihm steckt, abrufen muss. Er hat noch so viel Potenzial. Ruft er es ab, ist er für kaum einen anderen auf der Welt zu schlagen", erklärte Brähmer.

Ein weiterer wichtiger Eckpfeiler in der gemeinsamen Arbeit ist die Ernährung. Gerade mit dieser nahm es Zeuge in der Vergangenheit nicht so genau, und aß weiter, obwohl er schon satt war. Nach einer Ernährungsumstellung ist er fitter denn je, und geht bestens vorbereitet in den Kampf am Samstag. "Wir haben noch eine Schippe draufgelegt. Ich bin sehr zufrieden – und Jürgen auch", sagt Zeuge.

Seinem 23. Sieg sollte also nichts im Wege stehen. Mit Aktionen über den zweiten Angriff und der - so Zeuge - "Umsetzung dessen, was wir im Training geübt haben", will er den Briten in Verlegenheit bringen. 

Die Frage nach dem Sieger stellt sich für Zeuge ohnehin nicht: "Sieg für mich – weil ich es will."