München - Marco Huck ist zurück auf der Boxbühne und startet seinen Neuanfang im Schwergewicht. Vor dem Kampf gegen Yakup Saglam spricht er im SPORT1-Interview.

von Ingo Rohrbach , Ann-Kristin Wottge

Marco Huck hat wieder Lust auf Boxen:

Neun Monate nach seinem letzten Kampf steigt der 13-malige Cruisergewichts-Weltmeister am kommenden Samstag (ab 20 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im Stream) wieder in den Ring - und feiert dabei gleich ein doppeltes Comeback

Denn erstmals seit seinem einmaligen Ausflug ins Schwergewicht im Februar 2012 kämpft er wieder in der populärsten Gewichtsklasse des Boxens. Im Hauptkampf der "Schwergewichts-Nacht" im Rahmen der Petko's FIGHT NIGHT in Kooperation mit Team Sauerland in München bekommt es "Käpt’n Huck" mit K.o.-König Yakup Saglam zu tun.

Im SPORT1-Interview spricht der deutsche Boxer über seine Ziele, seine Vorbereitung und die Stärken seines Gegners. Außerdem äußert er sich zur umstrittenen Niederlage gegen Alexander Povetkin, dem er vor gut sechs Jahren unterlag. Ebenso erklärt Huck, warum er Respekt vor Manuel Charr hat. 

SPORT1: Herr Huck, was motiviert Sie noch?

Marco Huck: Die Liebe zu dieser Sportart und jetzt die neue Herausforderung, der neue Lebensabschnitt in meiner beruflichen Karriere, im Schwergewicht wieder boxen zu können. Das freut mich sehr, das gibt mir viel Motivation und viel Kraft.

SPORT1: Ist Schwergewicht eher Ihre Gewichtsklasse?

Huck: Ob es meine Gewichtsklasse ist, wird sich jetzt zeigen, aber ich fühle mich auf jeden Fall sehr wohl in dieser Gewichtsklasse und mit diesem Gewicht.

SPORT1: Wie lief die Vorbereitung auf Yakup Saglam bisher?

Huck: Die Vorbereitung war diesmal ein bissen anders als sonst. Ich habe sehr viel Athletik gemacht, war sehr wenig laufen, habe viel Neues ausprobiert - unter anderem mit einer Weste, die 18 Kilo wiegt, habe ich viel gemacht. Ich fühle mich einfach wohl und freue mich, dass der Kampf jetzt kommt.

SPORT1: Welche Stärken hat Saglam?

Huck: Ich schätze jeden Gegner, ihn schätze ich natürlich auch. Viele haben geschrieben, dass es gefährlich ist, gegen ihn zu boxen, weil er so ein Puncher ist. Aber für das, was ich mir vorgenommen habe, ist er nicht mein Maßstab.

SPORT1: Welche Erinnerungen haben Sie an den Kampf gegen Alexander Povetkin?

Huck: Das war ein Kampf auf Biegen und Brechen, den ich dominiert habe, in dem ich gezeigt habe, dass ich dort auch mitspielen kann - gegen die Besten. Er war damals ja auch Weltmeister - und Povetkin gilt bis heute als einer stärksten Schwergewichtler, die es momentan gibt. Ich habe ihn damals geschlagen, das hat die ganze Welt gesehen. Leider wurde ich um den Sieg beraubt. Und wenn es nach meinem damaligen Trainer Ulli Wegner und mir gegangen wäre, wären wir direkt im Schwergewicht geblieben. Aber da gab es andere "Gründe", die das nicht zugelassen haben. Deswegen bin ich dann wieder ins Cruisergewicht zurück. Dort habe ich weiterhin gute Kämpfe bestritten, aber war nicht immer mit vollem Herzen dabei.

SPORT1 zeigt dieses Jahr 20 Kampfabende live im Free-TV, unter anderem mit Arthur Abraham, Tyron Zeuge und Vincent Feigenbutz.

SPORT1: Sie sagen, Sie wären des Sieges beraubt worden. Können Sie das genauer erklären?

Huck: Da war sehr viel Sportpolitik mit im Spiel. Viele, die in der Materie drin sind, werden schon wissen warum. Ich darf mich da nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber die Leute sollen wissen, dass ich beschissen wurde.

SPORT1: Welche Erinnerungen haben Sie an den Kampf gegen Victor Emilio Ramirez, als Sie das erste Mal im Cruisergewicht den Titel holten?

Marco Huck äußert sich exklusiv im SPORT1-Interview © SPORT1

Huck: Das war echt ein Hammerkampf damals in Halle/Westfalen. Ich bin Weltmeister geworden, ein Traum ist in Erfüllung gegangen. Was heißt ein Traum? Ich habe mir das vorgenommen! Ich bin nicht so ein Träumer, der auf den Mond oder Mars will. Ich bin ein realistischer Träumer, was ich mir vornehme, das wird zum größten Teil auch wahr. Der Kampf gegen Ramirez war einfach sehr, sehr hart. "Bulle von Argentinien" wurde er genannt und er hat mich angegriffen wie ein richtiger Bulle. Aber ich habe mich zu wehren gewusst, sehr hart gekämpft, gepunktet, den Kampf dominiert und gewonnen. Das war ein großartiges Erlebnis und ein unbeschreibliches Gefühl, was mich mein Leben lang prägen wird.

SPORT1: Wie war die Zeit als Champion? Sie haben immerhin 13 Mal den Titel verteidigt.

Huck: Das hat vor mir nur Johnny Nelson geschafft. Das ist natürlich eine Geschichte! Das muss mir erst einmal einer nachmachen. Es war wie auf dem Fließband: immer wieder das Gleiche. Meine kürzeste Vorbereitung waren nur vier Wochen auf einen WM-Kampf. Das war gegen Brian Minto. Da war ich in New York und habe die Gegend ein bisschen unsicher gemacht und auf einmal bekomme ich einen Anruf von meinem damaligen Promoter: "Willst du im Mai boxen?" Ich so: "Ja klar." Das war am 2. oder 3. April. Ich bin dann zurück, direkt in den Sparring und habe den Kampf gewonnen - und ihn quasi im Ring vernichtet.

SPORT1: Was ist Ihr langfristiges Ziel im Schwergewicht?

Huck: Mein Ziel ist die Weltspitze. Ich bin keiner von diesen Sportlern, die nach dem Olympischen Motto "Dabei sein ist alles" leben. Wenn ich mir etwas vornehme, dann will ich auch der Beste sein.

SPORT1: Gegen wen würden Sie gerne als nächstes kämpfen? Anthony Joshua, Deontay Wilder, Manuel Charr?

Huck: Jeder, der einen Titel hat, ist interessant für mich. Was Charr geschafft hat, verdient meinen Respekt. Der Junge hat Geschichte geschrieben. Mit Bauchschuss, zwei neuen Hüften (auf Charr wurde in einer Döner-Bude ein Attentatsversuch verübt, Anm. d. Red.). Großer Respekt, Hochachtung. Jeder andere hätte sich aufgegeben, aber er hat einfach weitergemacht und gezeigt, dass ein Wille Berge versetzen kann.