Für den Kampf gegen Isaac Ekpo (Sa., 18.15 Uhr LIVE auf SPORT1) hat Tyron Zeuge sein Leben umgekrempelt - um einziger deutscher Weltmeister zu bleiben.

von

Tyron Zeuge kann die Frage nicht mehr hören. Schließlich wird sie ihm im Grunde immer gestellt. Klar: Sie liegt ja auch auf der Hand.

Für Zeuge allerdings nicht. Auch vor seinem Kampf am Samstag (ab 18.15 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) gegen Isaac Ekpo ist es für ihn "komplett Furz", dass er der einzige deutsche Weltmeister, der "letzte Zeuge" ist. Eine Bürde? Quatsch. "Ich boxe für mich. Da hilft mir keiner im Ring, keiner fängt die Schläge für mich ab oder schlägt für mich", sagte der WBA-Champion im Supermittelgewicht im Interview mit SPORT1.

Zeuge (22 Kämpfe, 21 Siege, 1 Remis) hilft sich vor seiner vierten Titelverteidigung lieber selbst. Dafür hat er einiges umgestellt, ist fleißiger geworden. Sowohl im Training, als auch in der Freizeit. Der 25-Jährige hat für den Erfolg seinen Lebensstil verändert. Ja, Currywurst und ein Bierchen dürfen es immer noch sein. Sollen es auch sein, das lässt sich der Genussmensch Zeuge nicht nehmen. Die Frage für den Boxer Zeuge ist dann nur, wann er beim Essen zuschlägt und wann eben nicht.

Auch mal die Sau rauslassen

"Bei zwei, drei Kämpfen im Jahr muss jeder einen Tag finden, an dem er die Sau rauslässt. Aber ich achte sehr auf die Ernährung", so Zeuge, der früher gerne mal ein wenig unachtsam war. Weiter aß, obwohl er schon satt war. Schmeckte halt.

"Das habe ich alles abgestellt. So kann man mehr Leistung abrufen", sagte er. Und deshalb hatte er auch kein Problem damit, dass ihm sein Trainer Jürgen Brähmer ein paar Hausaufgaben mitgibt, sprich: einen Trainingsplan. Damit Zeuge schon fit ist, wenn Brähmer ihn auf den Kampf gegen Ekpo vorbereitet. Denn das war er nicht immer.

Ekpo nur eine Etappe 

Doch durch das Training vor dem Training ist ein ganz anderer Einstieg möglich, kann man ein ganz anderes Level erreichen. Härter, intensiver, explosiver. Zeuge schwärmt von Brähmer, von dessen Methoden, der ruhigen Art, der Motivation.

Brähmer betont bei SPORT1: "Wir wollen noch weiter, Ekpo darf nur eine Etappe sein, mehr nicht." Es ist ja keine Frage: Das Aufsehen um den letzten deutschen Box-Weltmeister mag ihn nerven, es ist aber auch sein Faustpfand.

Damit Zeuge vs. Ekpo II nicht nur eine überzeugende Titelverteidigung wird, sondern anschließend auch der nächste Schritt kommt, bleibt noch Arbeit für das Erfolgsduo. Brähmer weiß, dass man von Zeuge noch viel erwarten kann.

"Er hat ein enormes Potential, ein richtig gutes Auge. Es gibt nicht viele Boxer in Deutschland, die das Niveau bringen können, das er bringt oder das er bringen kann."

Aus dem Konzept gebracht

Aber: Im Kampf ist Zeuge bisweilen zu angespannt. Im ersten Fight gegen den 35-jährigen Don-King-Boxer aus Nigeria machte ihn der dreckige Stil seines Kontrahenten wütend, brachte ihn aus dem Konzept.

Es ehrt ihn, dass ihm Fairplay wichtig ist. Es ist verständlich, dass er keinen Bock auf diese Spielchen hat, den Fans etwas zeigen und beweisen will. Passieren darf ihm das in einem WM-Kampf trotzdem nicht. "Das wird dieses Mal nicht vorkommen", verspricht Zeuge und kündigt an: "Es wird ein Punktsieg für mich." 

Damit Deutschland zumindest weiterhin einen Box-Weltmeister hat. Auch wenn dann wieder die nervigen Fragen kommen.

Der Kampfabend am 24. März in Hamburg im Überblick:

Schwergewicht (20 Uhr): Albon Pervizaj (GER) vs. Andre Bunga (GER)
Schwergewicht (im Anschluss): Ali Eren Demirezen (TUR) vs. Rad Rashid (GER)
Halbschwergewicht:  Karo Murat (GER) vs. Travis Reeves (USA)
Supermittelgewicht:  Sebastian Formella (GER) vs. Angelo Frank (GER)
Supermittelgewicht (Hauptkampf): Tyron Zeuge (GER) - Isaac Ekpo (NIG)

SPORT1 zeigt dieses Jahr zwanzig Kampfabende live im Free-TV, unter anderem mit Arthur Abraham, Tyron Zeuge und Vincent Feigenbutz.

Weiterlesen