München - Leon Bunn trifft in Norwegen auf den Ungarn Jozsef Racz (Samstag LIVE auf SPORT1). Die deutsche Box-Hoffnung muss dabei gleich mit mehreren Problemen zurecht kommen.

von , Tobias Drews

Echte Champions müssen auch mal auf die Zähne beißen. Widrige Umstände nehmen sie an - und boxen sich durch.

Im vergangenen September spürte Leon Bunn nach seinem Sieg gegen den Polen Thomas Gargula starke Schmerzen in der Hand. Die ernüchternde Diagnose: Bruch des Mittelhandknochens.

Doch eine lange Pause brauchte Bunn nicht. Auf eine Operation konnte verzichtet werden, eine spezielle Manschette wurde angefertigt, ein Gips war deshalb nicht nötig.

Nur wenige Tage später begann der 25-Jährige schon wieder mit dem Training. Mit Hilfe von chinesischen Klangkugeln will Bunn zudem schneller wieder die Beweglichkeit der Hand zurück erlangen.

Sein knapper Kommentar zur Verletzung: "Der Bruch war ärgerlich, aber das kann halt im Boxen passieren."

Bunn in Norwegen gegen Racz

Auch das Zustandekommen seines siebten Profi-Kampfes hätte für ihn komfortabler sein können. Beim internationalen Box-Abend im norwegischen Arendal am Samstag (ab 20 Uhr LIVE im Free-TV und im kostenlosen Stream) trifft er auf den Ungarn Jozsef Racz.

Weniger als zehn Tage vorher erfuhr Bunn von seinem Glück: Er muss für den deutschen Schwergewichtler Albon Pervizaj einspringen, den eine Viruserkrankung erwischt hatte. Auch das ist so etwas, was im Boxen passieren kann. 

Bunn nimmt es, wie es kommt. "Ich bin sowieso in der Vorbereitung, am 17.2. kämpfe ich auch", erklärte er SPORT1: "Ich bin voll im Training und stehe gut im Saft."

SPORT1 zeigt dieses Jahr zwanzig Kampfabende live im Free-TV, unter anderem mit Arthur Abraham, Tyron Zeuge und Vincent Feigenbutz

Gegen Racz hat Bunn einen Ruf zu verteidigen: Den der K.o.-Maschine. Keiner seiner bisherigen sechs Profikämpfe ging über die volle Distanz. So soll es auch am Samstag bleiben.

Bunn giert nach Fights, will so viele Gegner wie möglich vor die Fäuste kriegen. Für ein höheres Ziel: "Es ist gut und wichtig, dass ich viele Kämpfe mache, denn ich will natürlich in der Weltrangliste nach oben kommen. Für mich zählt nur, am Ende an der Spitze zu stehen - die Nummer eins zu sein."

Olympia-Traum geplatzt

Die Nummer eins sein, das war schon vor der Profikarriere Bunns Ziel gewesen. Sein großer Traum als Amateurboxer: Bei Olympia 2016 in Rio für Deutschland kämpfen. Doch der Deutsche Box-Verband (DBV) hatte sich früh auf seinen Konkurrenten Sergej Michel festgelegt, Bunns Olympia-Traum platzte.

Lange Zeit zum Trauern gab er sich jedoch nicht, der Frankfurter wechselte in den Profibereich zum Team Sauerland. Und damit zu Trainer-Ikone Ulli Wegner.

Der 75-Jährige hat erkannt, dass man beim ehrgeizigen Bunn auch mal auf die Bremse treten muss. Mit seinem Schützling hat er aber grundsätzlich Großes vor.

"Man muss seinen Ehrgeiz in die richtigen Bahnen lenken", sagte Wegner im Gespräch mit SPORT1: "Die Zielstellung für die, die hier trainieren muss klar sein: Weltmeister werden."

Wegner gibt dabei eine klare Marschroute vor, seine Ansage ist deutlich: "Ich bin kein Trainer für Freizeit und Erholung. Ich bin ein Trainer für Spitzenleistung."

Ziel: Weltmeister

Bunn hat das Anspruchsdenken seines Coaches schnell verinnerlicht. Er denkt schon jetzt an den großen Titel: "Mein Ziel ist es, Weltmeister zu werden. Auf kurz oder lang. Mal sehen, wo mich mein Weg hinführt - und wie schnell es geht."

Beim Kampf in Norwegen muss Bunn ohne Wegner auskommen, der Chefcoach bleibt in Berlin. Noch so eine Widrigkeit. 

Doch auch davon will sich Bunn nicht nervös machen lassen. In der Ringecke wird er diesmal von Assistenztrainer Georg Bramowski betreut werden. 

"Ich verstehe mich auch super mit Bramowski, er ist auch ein sehr guter Trainer", meint die deutsche Box-Hoffnung: "Deswegen schaukeln wir das schon."