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Nach einem halben Jahr Vorlaufzeit hat Ante Rebic beim AC Mailand seine größten Skeptiker überzeugt. Dass der Ex-Frankfurter durchstartete, liegt auch an einem Superstar.

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Als Ante Rebic Eintracht Frankfurt im vergangenen Sommer Richtung Mailand verließ, wollte der kroatische Vize-Weltmeister beweisen, dass er als Fußballer auch in Italien funktioniert.

Dort hatte man ihn als talentierten, aber glücklosen Angreifer in Erinnerung, nachdem er in jungen Jahren im Trikot des AC Florenz und Hellas Verona keine Bäume ausgerissen hatte. 

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18 Einsätze und zwei Tore lautete die wenig ermunternde Bilanz, als er sich vor der aktuellen Spielzeit dazu entschloss, einen zweiten Anlauf zu starten, dieses Mal als Profi des AC Mailand. 

Dann aber musste der 26-Jährige ein halbes lang Jahr auf den Durchbruch warten und benötigte die komplette Hinrunde als Vorlaufzeit. In 17 Spielen, bei denen der Stürmer acht Mal nicht im Kader stand und allenfalls sporadisch zum Einsatz kam, erzielte er keinen einzigen Treffer für sein neues Team.

"Als Marco Giampaolo zu Saisonbeginn noch Milan-Trainer war, lief es überhaupt nicht",  erklärt Alessandra Bocci, Milan-Expertin der Gazzetta dello Sport, bei SPORT1. "Rebic wurde früh ins kalte Wasser geschmissen und lieferte nicht. Er musste sich erst wieder an den italienischen Fußball gewöhnen."

Shitstorm nach Kabinen-Bildern

Für Fans und Medien schien da längst klar: Rebic wird es auch im zweiten Anlauf in Italien nicht packen - zumal er Ende November auch noch einen Shitstorm in den Sozialen Medien über sich ergehen lassen musste.

Als der TV-Sender Sky Italia kurz vor dem Anpfiff des Ligaspiels gegen Napoli ein Live-Bild aus der Milan-Kabine übertrug, wie Rebic mit zwei Teamkollegen scheinbar gelangweilt mit ihren Handys herumspielte, war das Urteil gefällt: Torlos, lustlos und ohne Zukunft - zumindest im Milan-Trikot.

Doch dann brach das neue Jahr an, und Rebic schoss sich den Frust von der Seele. Die Wende brachte ein 3:2-Sieg gegen Udine am 11. Januar, bei dem der frühere Frankfurter "Büffel" einen Doppelpack erzielte.

Seitdem ist der Knoten geplatzt - und Rebic liefert am laufenden Band. Bei Milans 2:0-Sieg gegen den AS Rom am Sonntag war es wieder einmal Rebic, der die Gastgeber in der 76. Minute auf die Siegerstraße brachte.

Ibras Ankunft beflügelt Rebic

"Er ist zu einem wichtigen Bezugspunkt unseres Spiels geworden", lobte ihn Milan-Trainer Stefano Pioli nach dem Erfolg gegen die Roma. Nicht zuletzt dank der acht Treffer, die Rebic in der Rückrunde erzielte, sind die Mailänder im Kampf um die Europa League noch gut im Rennen.

Die Torquote kann sich durchaus sehen lassen: Mittlerweile trifft Rebic im Schnitt alle 100 Minuten, womit er in der Rückrunde einen ähnlichen Lauf hat wie etwas Juves Superstar Cristiano Ronaldo.

Für den Leistungsschub des Stürmers wird vor allem die Ankunft von Zlatan Ibrahimovic im Winter verantwortlich gemacht. Dank der Präsenz des schwedischen Oldies habe Rebic im Milan-Team seine Rolle gefunden, mutmaßt auch Bocci. 

"Es sieht wirklich so aus, als ob ihm die Ankunft von Ibrahimovic geholfen habe", sagt die Milan-Expertin. Die nackten Zahlen scheinen das zu belegen, schließlich traf Rebic bis zur Saison-Unterbrechung kein einziges Mal, wenn sein Sturmpartner nicht auch auf dem Platz stand. 

"Milans Schicksal hängt an Rebic"

"Ich glaube, dass Ibrahimovic vor allem für die jüngeren Milan-Spieler wichtig war, um sich vor allem in Sachen Mentalität zu verbessern - davon hat sicher auch Rebic profitiert", erklärt Bocci, die auch sonst eine positive Entwicklung bei Rebic beobachtet. 

"Jedes Tor wirkt wie Balsam für sein Selbstvertrauen, so dass Pioli immer öfter auf sein früheres Sorgenkind setzte", sagt sie. Da fiel auch seine Rote karte nicht sonderlich ins Gewicht, die er sich gegen Juventus Turin im Pokal-Halbfinale nach einer Kung-Fu-Attacke holte.

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"Milans Schicksal hängt an Rebic", lobte ihn die Gazzetta dello Sport am Sonntag nach dem Sieg gegen Rom - wo übrigens der verletzte Ibrahimovic fehlte und Rebic bewies, dass er auch ohne den Winter-Zugang treffen kann.  

Was im Winter kaum jemand für möglich hielt, ist spätestens jetzt klar: Im zweiten Anlauf hat es der frühere Eintracht-Stürmer auch in der Serie A geschafft. Milan will ihn nun fest verpflichten.