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München - Robin Gosens fiel einst in Dortmund durch. Heute wirbelt der Deutsche mit Atalanta die Serie A durcheinander. Sein Werdegang ist kurios - sein Ziel die Bundesliga.

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Er ist dieser Deutsche, der "noch in anderen Ligen rumgurkt", wie er selbst sagt: Robin Gosens.

Der 24 Jahre alte Linksverteidiger schickt sich an, mit Atalanta Bergamo den Status quo im italienischen Fußball dauerhaft durcheinander zu wirbeln.

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Nach einem 3:0 gegen Rekordpokalsieger Juventus Turin stehen die Lombarden im Halbfinale der Coppa Italia. In der Serie A ist Atalanta in die Phalanx der Topklubs gestoßen und spielt um die Qualifikation zur Champions League. (Tabelle der Serie A)

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Gosens klopft an die Tür zur Königsklasse - fast schon ein Wunder, wenn man sich den außergewöhnlichen Werdegang des "Spätberufenen" anschaut.

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Gosens: Probetraining beim BVB "ein übelstes Fiasko"

Gosens war schon 18, als er noch auf Amateurebene spielte. "Ich habe mit Freunden beim VfL Rhede in der Niederrhein-Liga gekickt", erzählt der gebürtige Emmericher im SPORT1-Interview.

Wie "wahrscheinlich alle Jungs" träumte er vom Profifußball, aber "wenn man 18 ist und immer noch bei einem 'Dorfverein' spielt, muss man auch realistisch sein".

Doch dann: Borussia Dortmund lud ihn zum Vorspielen ein - die große Chance, selbst für den Schalke-Fan ("Eigentlich schlägt mein Herz blau-weiß.").

"Aber das Probetraining beim BVB war ein übelstes Fiasko", erinnert sich Gosens. "Ich war einfach nicht gut genug, die anderen Jungs waren drei-, viermal besser und ich hatte dort zu diesem Zeitpunkt nichts zu suchen."

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In diesem Moment war der Traum vom Profifußball ausgeträumt. Mit den Worten "Passt auf, Jungs, ich bin hier doch ganz gut aufgehoben" kehrte er zum Landesliga-Team zurück und peilte eine Karriere als Polizist an.

"Ein recht geiles Spiel"

Dass er heute doch kein Gesetzeshüter ist, verdankt er einem Scout von Vitesse Arnheim, der im Sommer 2012 "ein recht geiles Spiel" von Gosens sah, wie er es selbst beschreibt: "Nach dem Spiel kam der Scout zu mir und sagte, dass er eigentlich wegen eines anderen Spielers da war." An diesem Tag war es aber ein Linksfuß Jahrgang 1994, der Eindruck hinterließ.

Gosens durfte zur U23 von Vitesse - nach Absprache mit den Eltern. Der niederländische Vater war "sowieso" für den Schritt, die deutsche Mutter "war vorsichtiger und wollte, dass ich mein Abi mache".

Gosens gelang beides, Abitur und der Weg in den Fußballberuf.

Peter Bosz schult Gosens um

Bei Vitesse holte ihn der damalige Trainer Peter Bosz zu den Profis. Der heutige Coach von Bayer Leverkusen sei "ein sehr kommunikativer Trainer mit klarer Philosophie, sehr angriffsfreudig". Das sehe man aktuell auch bei der Werkself, findet Gosens.

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Bosz schulte den zentralen Mittelfeldspieler zum Linksverteidiger um. Als solcher gelang ihm der Durchbruch. Leihe zum Zweitligisten FC Dordrecht, Wechsel zu Heracles Almelo und 2017 dann: Serie A.

Von der Landesliga in eine der Top-5-Ligen Europas innerhalb von fünf Jahren.

Zu Beginn dieser Saison, seiner zweiten, und in der ganzen Hinrunde war Gosens Stammspieler in Bergamo (1 Tor/2 Assists). Doch seit an Weihnachten mal ein Konkurrent ran durfte und der Deutsche eine Blessur hatte, ist er außen vor.

"Bank ist nie ein schönes Gefühl. Es ist schon eine schwierige Phase", sagt Gosens, ergänzt aber: "Ich freue mich, dass wir aktuell so geil drauf sind." Sein Konkurrent habe seine Sache gut gemacht.

Der etwas andere Fußballprofi

Der 24-Jährige hat einen auffallend anderen Blickwinkel aufs Fußballgeschäft. "Ich gönne allen alles von ganzen Herzen", sagt er. "Ob das jetzt positiv oder negativ ist, müssen andere beurteilen." Dazu passt, dass Gosens auf der Weihnachtsfeier als fairster Spieler 2018 ausgezeichnet wurde.

Der Emmericher war in keiner Nachwuchsakademie eines Profiklubs, sondern hat "seine ganze Jugend eigentlich nur mit Freunden gespielt und hatte nie dieses Konkurrenzdenken".

"Ohne den Gedanken, immer besser sein zu müssen als ein anderer Spieler, ist es vielleicht entspannter. Jedenfalls kann ich für mich sagen, dass ich mein Leben als Profi sehr genieße", betont Gosens, der nebenbei Psychologie studiert - weil ihn der Fußball alleine geistig nicht ausfülle.

Robin Gosens: "Mein Traum, Bundesliga zu spielen"

Das heißt natürlich nicht, dass er keine Ziele hätte.

Zum einen mit Atalanta. "Die Fans lechzen nach einem Titel", merkt Gosens seit dem Pokal-Viertelfinale, in dem Duvan Zapata ("Ein internationaler Topstürmer") Juve mit zwei Toren fast im Alleingang aus dem Wettbewerb schoss.

Zum anderen für die eigene Karriere. Zunächst will Gosens zurück in die Startelf - irgendwann aber auch nach Deutschland: "Ich habe bislang immer im Ausland gespielt, nie in meinem Vaterland, deshalb ist es mein Traum, Bundesliga zu spielen."

Dort ist sein Lieblingsspieler aus Jugendtagen im Einsatz. "Mein Vorbild war immer David Alaba", verrät Gosens. "Von ihm wollte ich immer viel abschauen."

Inzwischen ist er selbst Linksverteidiger in einer Top-Liga, misst sich mit Stars wie Cristiano Ronaldo ("Unglaublich krasse Aura") und empfiehlt sich für höhere Aufgaben - zum Beispiel das DFB-Team?

"Ich finde es krass: Ich bin seit fünf Jahren Profi und auf einmal kommt diese Frage. Das ist ein wenig surreal", sagt Gosens. Aber sollte er wieder Stammspieler werden, bei einem Europacup-Anwärter in der Serie A, "dann glaube ich schon, dass die Nationalmannschaft kein unrealistisches Ziel für mich ist".