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München - Marek Hamsik steht vor einem Wechsel nach China. Bei Neapel ist der Slowake zum Idol geworden. Ein ehemaliger Teamkollege verabschiedet sich emotional.

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Denkt man an den SSC Neapel, hat man zwei Personen im Sinn: Diego Maradona - und Marek Hamsik.

Maradona wechselte 1984 als damals teuerster Transfer der Fußballgeschichte nach Neapel.

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Die argentinische Legende brachte den Erfolg in die Stadt, gewann mit den Azzurri zwei Meisterschaften, die Coppa Italia sowie 1989 den UEFA-Pokal und schoss 115 Tore.

Trotz seines unschönen Endes mit einer Dopingsperre genießt Maradona bis heute Legendenstatus. Auch Hamsik, der Mann mit dem markanten Irokesenschnitt, ist bei Neapel zur Ikone geworden.

Hamsik besser als Maradona

2007 kam der Slowake im Alter von 20 Jahren von Brescia Calcio nach Kampanien. Der Mittelfeldspieler gewann zwei Mal den italienischen Pokal, einmal den Supercup und wurde drei Mal Vizemeister in der Serie A.

Marek Hamsik wechselte 2007 zum SSC Neapel - damals noch mit bravem Look
Marek Hamsik wechselte 2007 zum SSC Neapel - damals noch mit bravem Look © Getty Images

Mit 123 Pflichtspiel-Treffern hat Hamsik sogar häufiger genetzt als Maradona. Sein 520. Spiel für den Klub am Samstag gegen Sampdoria war aber wohl auch sein letztes.

Denn der 31-Jährige steht dicht vor einem Wechsel nach China, wo das Transferfenster noch bis zum 23. Februar geöffnet ist.

Die italienische Gazzetta dello Sport spricht vom "Abschied eines Giganten", Hamsik habe im italienischen Olymp einen Platz neben Maradona.

Hamsik wechselt nach China

Bei Dalian Yifang, wo Bernd Schuster Trainer ist, soll Hamsik einen Dreijahresvertrag unterschreiben, der ihm jährlich etwa neun Millionen Euro einbringt. Neapel würde mit 15 bis 20 Millionen Euro entschädigt werden, da Hamsiks Vertrag noch bis 2020 läuft.

"Der Verein hat großen Respekt vor dem Spieler, er hat mit diesem Klub Geschichte geschrieben. Aber Hamsik will eine neue Erfahrung machen. Wegen des Beitrags, den er Neapel in all diesen Jahren geleistet hat, wollen wir ihm diese Gelegenheit nicht vorenthalten", sagte Neapel-Trainer Carlo Ancelotti.

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Unter dem früheren Bayern-Coach hat Neapels Rekordspieler nicht mehr die prägende Rolle früherer Tage inne.

Unter Ancelotti weniger prägend

Ancelotti setzt seinen Kapitän im defensiven oder zentralen Mittelfeld ein. Bereits neun Mal stand Hamsik in der laufenden Liga-Saison nicht einmal im Kader, nur zwei Mal laut transfermarkt.de davon aus Verletzungsgründen.

In seinen 13 Spielen blieb er wiederum ohne Scorerpunkt. In der Vorsaison war der Rekordspieler noch in jeder Ligapartie zum Einsatz gekommen.

Die ungewohnte Rolle ist neben dem Geld und der neuen Erfahrung vermutlich ebenfalls ein Grund für Hamsiks Abschied.

Cannavaro mit emotionalem Post

"Leider ist der Tag gekommen, den kein neapolitanischer Fan gewollt hätte. Aber leider hat im Leben alles einen Anfang und ein Ende", schrieb Paolo Cannavaro, bis 2014 Hamsiks Mitspieler, bei Instagram.

In seiner Zeit bei Neapel habe Hamsik "etwas Außergewöhnliches" geleistet. Hamsiks Name werde "in den Gassen unserer Stadt für immer nachklingen", meinte der ehemalige SSC-Innenverteidiger.

Hamsik habe Neapel Emotionen und sein letztes Hemd, das er mit ganz viel Liebe getragen habe, gegeben. "Hamsik ist einer von uns. Danke für alles", schloss Cannavaro.

Letzter Einsatz gegen Sampdoria

Er sprach vielen Fans aus der Seele, die in den sozialen Medien ihre Bewunderung und ihr Bedauern bekundeten. Verbitterung war keinesfalls zu spüren.

Und das zurecht: Hamsik war Neapel seit seiner Ankunft loyal. Er widerstand immer wieder den Verlockungen größerer Klubs und wurde nicht nur zum Symbol Neapels, sondern des italienischen Fußballs.

Selbst mehrere Raubüberfälle auf ihn und andere Familienmitglieder konnten den dreifachen Familienvater nicht aus der von Kriminalität geplagten Stadt vertreiben.

Hamsik wie Totti und del Piero

Da sich die Gerüchte um einen Abschied erst nach dem Sampdoria-Spiel verdichteten, bekam Hamsik nicht die Ovationen, die er verdient gehabt hätte.

Er wolle "in Neapel wie Francesco Totti in Rom oder Alessandro del Piero in Turin werden", hatte Hamsik einst gesagt.

Auch wenn er die erhoffte Meisterschaft ("Dann bricht der Vesuv aus") nicht nach Neapel bringen konnte, wird Hamsik ähnlich in Erinnerung bleiben wie Totti, del Piero - und eben Maradona.