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München - Die Saison neigt sich dem Ende zu - das gilt auch für die Premier League. Höchste Zeit, um sich die Bilanz der Neuzugänge anzusehen: Wer ist top, wer flopt?

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Während der Corona-Pandemie sind die Klubs, die ansonsten ganz große Summen in neue Spieler stecken, vorsichtig geworden. Das gilt sogar für die finanzstarke Premier League. 

Da ist es umso wichtiger, dass die Transfers, die getätigt werden, auch einschlagen. Funktioniert hat das allerdings längst nicht bei allen Neuzugängen der englischen Top-Klubs. (Der SPORT1-Transferticker)

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Doch welche Neuzugänge gehören zu den Gewinnern und welche fielen als Flops auf? SPORT1 macht den Transfer-Check in der Premier League.

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Gemischte Gefühle bei Arsenal

Der FC Arsenal hielt sich nicht an die allgemeine Zurückhaltung und überwies im Oktober 2020 satte 50 Millionen Euro nach Madrid. Dafür kam Thomas Partey von Atlético zu den Gunners, der eine Problemzone im defensiven Mittelfeld ausfüllen sollte.

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Diese Aufgabe konnte der Ghanaer aber selten erfüllen. Partey hatte über die Saison mit gleich drei Verletzungen zu kämpfen und überzeugte nur selten vollends, wenn er auf dem Rasen stehen konnte. 

Auch die brasilianischen Neuzugänge Gabriel und Willian haben bei Arsenal nicht eingeschlagen. Willian erzielte noch kein einziges Tor für die Nordlondoner, die wohl im Mittelfeld der Premier League landen werden. (Service: TABELLE der Premier League

Überzeugt hat dagegen Leihspieler Martin Odegaard. Der Norweger, der von Real Madrid geliehen wurde, erzielte in neun Premier-League-Spielen ein Tor und ließ manchmal das enorme Potenzial aufblitzen, das dem 22-Jährigen nachgesagt wird.

Das Problem: Ein dauerhaftes Engagement Odegaards bei den Gunners gilt als unwahrscheinlich, Real-Trainer Zinédine Zidane soll weiter vom Potenzial des Norwegers überzeugt sein. Eine Verlängerung der Leihe scheint aber nicht ausgeschlossen zu sein.

Was brachte die Shopping-Tour von Chelsea?

Im Westen von London herrschen derzeit andere Gefühle, denn der FC Chelsea befindet sich seit der Ankunft des deutschen Coaches Thomas Tuchel im Höhenflug. 

Tuchel traf an der Stamford Bridge auf einige Landsmänner. Mit Antonio Rüdiger stand schon über die Saison hinaus ein deutscher Nationalspieler im Aufgebot der Blues, im vergangenen Sommer kamen dann Timo Werner und Kai Havertz hinzu. 

Auch Hakim Ziyech, Ben Chilwell, Thiago Silva und Edouard Mendy holte Chelsea auf seiner Shoppingtour. Kostenpunkt: Knapp 250 Millionen Euro. 

Torwart Mendy hat bislang wohl die konstantesten Leistungen gebracht. Ansonsten ist die Bilanz der Neuzugänge durchwachsen. Allen voran Werner konnte sein Potenzial noch nicht ansatzweise abrufen, für Havertz gilt das zu großen Teilen. 

Bei der Qualität der Spieler sind sie bei Chelsea allerdings zuversichtlich, dass sich das noch ändert. Es handelt sich um Investitionen in die Zukunft. 

Uniteds Königstransfer enttäuscht

Ein Tor in 31 Pflichtspielen lautet die magere Bilanz von Donny van de Beek seit seinem Wechsel zu Manchester United. Rund 40 Millionen Euro hat der Niederländer, der von Ajax Amsterdam kam, den englischen Traditionsklub gekostet. Der Mittelfeldspieler kommt mittlerweile kaum noch zum Zug. Eine enttäuschende Entwicklung. 

Die Bilanz des erfahrene Stürmers Edinson Cavani ist ebenfalls durchwachsen. Der Uruguayer traf eigentlich überall, wo er in seiner Karriere auf Torjagd ging. Vielleicht nirgends tat sich der 34-Jährige so schwer wie in Manchester. Acht Tore in 31 Pflichtspielen sind seine Bilanz. Ein wirklicher Faktor ist Cavani in wichtigen Spielen selten. Das liegt auch daran, dass er immer wieder mit kleineren Verletzungen zu kämpfen hat.

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Neuzugang Alex Telles ist zudem nicht mehr als der Ersatz von Luke Shaw. Der brasilianische Linksverteidiger, für 15 Millionen Euro vom FC Porto gekommen, absolvierte zwar 23 Pflichtspiele für die Red Devils, davon allerdings nur sieben in der Premier League. Dort ist am wiedererstarkten Shaw kein Vorbeikommen.

Guardiola findet sein fehlendes Puzzleteil

Bei Manchester City läuft in dieser Saison alles nach Plan. Das liegt auch daran, dass vielleicht zum ersten Mal überhaupt alle Mannschaftsteile auf Topniveau agieren. Vor allem die Abwehr hat zuletzt enorm zugelegt.

Pep Guardiola war bereits in den vergangenen Jahren bemüht, seine wackelige Defensive zu verstärken, gab viel Geld für Spieler wie John Stones oder Aymeric Laporte aus. Doch mit Rúben Dias scheint Guardiola die Lücke in der Defensive endgültig gestopft zu haben.

Für 68 Millionen Euro kam der Portugiese zu Saisonbeginn von Benfica Lissabon – und er schlug sofort ein. Er verpasste erst zwei Premier-League-Spiele, gab der in der Vergangenheit wackligen Abwehr die nötige Stabilität (24 Gegentore in 33 Ligaspielen).

Auch Nathan Aké sollte die Defensive verstärken, kostete immerhin 45 Millionen Euro. Der Niederländer ist allerdings kaum ein Faktor, fehlte zuletzt lange mit einer Oberschenkelverletzung. Rechtsaußen Ferran Torres (kam vom FC Valencia) ließ gelegentlich sein Potenzial aufblitzen, machte vor allem in der Champions League auf sich aufmerksam.

Liverpools Toptransfer mit Verletzungspech

Der Absturz des FC Liverpool hatte auch viel mit der Personallage zu tun. In der Abwehr hatte der Meister unglaubliches Verletzungspech, musste auf seine drei Top-Verteidiger Virgil van Djik, Joel Matip und Joe Gomez lange verzichten.

Allerdings machten Reds aus transferpolitischer Sicht vor der Saison einen Fehler, der sich rächte. Es wurde kein Ersatz für den abgewanderten Dejan Lovren verpflichtet, stattdessen darauf gesetzt, die Lücke mit dem Nachwuchs stopfen zu können.

Im Winter wurde nachjustiert und Ozan Kabak vom FC Schalke 04 ausgeliehen. Der 21-jährige Türke brachte allerdings bisher auch nicht die erhoffte Qualität in die Reds-Defensive zurück. Und auch Thiago ist noch nicht wirklich angekommen beim Team von Jürgen Klopp. In der Hinrunde fiel der vom FC Bayern München gekommene Spanier lange aus, jetzt ist er zwar fit, hat aber noch Anpassungsprobleme im Liverpool-Spiel.

Stürmer Diogo Jota schlug dagegen voll ein. Der Portugiese sollte das eingesessene Angriffs-Trio aus Mohamed Salah, Sadio Mané und Roberto Firmino entlasten – das gelang. Allerdings setzte ihn eine Knieverletzung über zwei Monate außer Gefecht. Zwölf Tore in 26 Pflichtspielen sind eine gute Bilanz, wenn man bedenkt, dass Jota oft auch von der Bank ins Spiel kam.

Bale kann nicht an alte Zeiten anknüpfen

Der mittlerweile gechasste José Mourinho gab bei Tottenham Hotspur über 100 Millionen Euro für neue Spieler aus. Gareth Bale ist zwar nur von Real Madrid ausgeliehen, dennoch erhofften sich die Fans viel vom Rückkehrer. Doch der Waliser ist nicht der Bale aus seiner Anfangszeit bei den Spurs. Er zeigte durchwachsene Leistungen. Zudem hat er durchblicken lassen, dass er seine Zukunft wieder in Madrid sieht.

Ein Toptransfer ist dagegen mit Pierre-Emile Höjbjerg gelungen. Der Däne, der bis 2016 beim FC Bayern spielte, kam für vergleichsweise schmale 16 Millionen Euro und spielte sich im defensiven Mittelfeld fest.

Auch auf den Außenverteidigerpositionen wurde investiert. Matt Doherty ist auf rechts eher Teilzeitarbeiter. Sergio Reguilon beweist auf links zwar Offensivdrang, offenbart allerdings defensive Schwächen.

Neuzugänge beflügeln Überraschungsteams

Neben den "Big Six" überraschten in der aktuellen Spielzeit vor allem West Ham United und Leicester City. Beide Teams stehen aktuell in den Top vier – auch aufgrund von guten Neuverpflichtungen.

Bei den Hammers erlebt das schon als gescheitert abgestempelte ehemalige Toptalent Jesse Lingard seinen zweiten Frühling. Der 28-Jährige kam erst im Januar auf Leihbasis von ManUnited - und zeigte es seinen Kritikern, neun Tore in zehn Ligaspielen sprechen für sich. Bei den Foxes zeigte der 20 Jahre alte Innenverteidiger Wesley Fofana, warum er 35 Millionen Euro kostete.

West Ham und Leicester zeigten, dass nicht immer die großen Summen nötig sind, um die Mannschaft weiterzubringen. West Ham weist in dieser Saison ein negatives Transfersaldo von "nur" rund neun Millionen Euro auf, Leicester nahm sogar mehr Geld durch Verkäufe ein, als sie auf dem Markt ausgaben. Vor allem in Corona-Zeiten nicht unwichtig.

Bei den großen Klubs zeigte sich dagegen: Viel hilft nicht immer viel. Das gilt auch in Sachen Transferausgaben.