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Rúben Dias macht die langjährige Achillesferse von Manchester City vergessen. Der Portugiese verdichtet die Defensive meisterlich und zieht Vergleiche mit dem Größten an.

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Als Manchester City am 10. November 2019 eine 1:3-Pleite beim FC Liverpool kassierte, da hatte City-Coach Pep Guardiola wohl schon geahnt, dass es nicht zur Titelverteidigung reichen würde. 

Damals war es bereits die dritte Niederlage im 12. Ligaspiel gewesen und die Reds hatten die Gäste klar im Griff gehabt. In der Folge holte Liverpool souverän die Meisterschaft - doch nun hat sich das Blatt wieder gewendet. 

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Am 7. Februar 2021 revanchierten sich die Skyblues mit einem 4:1-Sieg und machten damit einen riesigen Schritt in Richtung Meisterschaft - und erneute Wachablösung. 

Für City war es der erste Sieg seit 18 Jahren in Anfield. Zum ersten Mal seit 1937 erzielte der Klub aus dem rund 50 Kilometer entfernten Manchester vier oder mehr Tore beim FC Liverpool. Derzeit steht das Team mit zehn Punkten Vorsprung vor dem Lokalrivalen Manchester United.

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Die Meisterschaft scheint Guardiola und Co. kaum mehr zu nehmen sein. Eine überraschende Entwicklung, wenn man einige Monate zurückblickt. 

Sogar Guardiolas Abschied schien möglich

Nach der enttäuschenden Saison 2019/20 wurde bei City alles hinterfragt - sogar ein Abschied von Guardiola schien denkbar. 

Wohl auch wegen den unsicheren Zeiten inmitten der Corona-Pandemie passierte personell nicht sonderlich viel. Nathan Aké stellte den teuersten Transfer dar. Der Innenverteidiger kam für rund 45 Millionen Euro, um die löchrige Defensive zu verstärken. Zunächst ohne Effekt. 

Denn schon im ersten Heimspiel neuen Spielzeit kassierte City eine empfindliche Niederlage. Mit 2:5 ging Guardiola mit seinem Team im heimischen Etihad Stadium gegen Leicester City unter - für den Spanier eine der höchsten Niederlagen seiner Trainer-Karriere. 

Einmal mehr schien klar, dass der große Konkurrent aus Liverpool mit dieser Defensive wohl kaum vom Thron gestoßen werden kann. 

Fans und Experten war gleichermaßen klar: Was City am dringendsten brauchte, ist ein Nachfolger des schmerzlich vermissten Vincent Kompany, der den Klub im Sommer 2019 nach elf Jahren verlassen hatte. Oder um aktueller zu denken: City brauchte einen himmelblauen Virgil van Dijk. 

Und der kam dann auch. 

Guardiola ist von Dias hin und weg

Nur wenige Tage nach dem Debakel gegen die Foxes verpflichtete der Klub aus Manchester einen neuen Abwehrchef. Rúben Dias kam für stolze 68 Millionen Euro von Benfica Lissabon. 

Knapp fünf Monate später wirkt es so, als sei der Portugiese tatsächlich jeden einzelnen Euro wert gewesen. 

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Denn mit ihm hat es City endlich geschafft, die Achillesferse im eigenen Spiel beseitigen. Nur 15 Gegentore haben die Citizens in 24 Premier-League-Spielen kassiert. Wenn man die fünf Gegentore gegen Leicester abzieht, dann sind es sogar nur deren zehn in 23 Partien. 

"Glückwunsch an Txiki (Begiristain, Sportdirektor von City - Anm. d. Red.) und den Klub", hatte Guardiola Mitte Januar bei einer Pressekonferenz gesagt: "Dafür, dass er diesen Spieler hierher geholt hat."

Wen er damit meinte, war offensichtlich - seinen neuen Abwehrchef, bei dem Guardiola mit dem Schwärmen gar nicht mehr aufhören wollte: "Ruben lebt Fußball – 24 Stunden am Tag. Er gibt uns etwas Besonderes." 

Letzteres ist unbestritten. So sicher war die Defensive der Citizens mindestens seit den Hochzeiten von Kompany nicht mehr - vielleicht sogar noch nie. 

Der van-Dijk-Effekt

Kein Wunder, dass die Fans Dias bereits als legitimen Nachfolger von Kompany akzeptiert haben, obwohl der 23-Jährige noch nicht einmal ein halbes Jahr in Manchester ist. Guardiola sieht das nicht anders. 

"Vincent war einzigartig. Aber Dias ist erst 23 Jahre alt. Rúben ist der Typ Anführer, ein Typ, der nach kurzer Zeit das Spiel anführen wird. Er wird über Jahre hinweg großartig sein", prophezeite der 50-Jährige seinem Schützling. 

Seine Führungsstärke zeigt sich auch darin, wie Dias mit seinem Innenverteidiger-Kollegen John Stones harmoniert. "Es ist eine Freude mit ihm zusammenzuspielen", sagte der englische Verteidiger jüngst. 

Rúben Dias (L) und John Stones sind das neue Traum-Duo in der Innenverteidigung von City
Rúben Dias (L) und John Stones sind das neue Traum-Duo in der Innenverteidigung von City © Imago

Auch in der Heimat wird der portugiesische Nationalspieler gefeiert. Als der Verteidiger zwei Tore in einem Spiel für Portugal erzielte, titelte die portugiesische Sportzeitung A Bola im November "Es gibt glückliche Dias-Tage" - im Portugiesischen "Há Dias felizes". 

In England vergleichen Dias viele mit dem derzeit vielleicht besten Innenverteidiger der Welt: Liverpools van Dijk. 

Der Niederländer ist derzeit verletzt und fehlt den Reds schmerzlich. Es war auf der Insel nicht nur einmal davon zu lesen, dass nun City einen van-Dijk-Effekt habe - und Liverpool eben nicht mehr. 

Das könnte der Hauptgrund dafür sein, warum am Saisonende wohl wieder City auf dem englischen Fußball-Thron sitzen wird.