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München - Vor dem Kracher in der Premier League zwischen dem FC Liverpool und Manchester United spricht der frühere Reds-Star Markus Babbel bei SPORT1 über das Duell und die beiden Trainer.

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Im englischen Fußball gibt es keine größere Rivalität als zwischen dem FC Liverpool und Manchester United. Am Sonntag treffen beide Klubs an der Anfield Road aufeinander (Premier League: FC Liverpool - Manchester United am So., ab 17.30 Uhr im LIVETICKER)

Markus Babbel spielte zu seiner Zeit in Liverpool (2000 - 2004) oft gegen die Red Devils. Seinen schwärzesten Final-Moment als Spieler erlebte Babbel als Spieler des FC Bayern 1999 im Champions-League-Endspiel ausgerechnet gegen United. 

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Im SPORT1-Interview spricht der 48-Jährige über den Hit in England. (SERVICE: Ergebnisse und Spielplan der Premier League)

SPORT1: Herr Babbel, ManUnited grüßt seit vergangenem Dienstag wieder von der Tabellenspitze der Premier League. Zuletzt war man dort am 5. Spieltag der Saison 2017/18. Trainer Ole Gunnar Solskjaer war in den vergangenen Monaten öfter ein Kandidat für einen Rausschmiss. Was sagen Sie zu dieser Wende?

Markus Babbel: ManUnited fliegt so völlig unter dem Radar. Man hat ganz klar den FC Liverpool auf dem Schirm, Manchester City, den FC Chelsea mit ihrer Kauf-Offensive. ManUnited war in den zurückliegenden Monaten so ein bisschen außen vor und hat nicht mehr so interessiert. Aber ganz still und heimlich haben sie es jetzt geschafft auf Platz 1 zu klettern. Das freut mich für Ole Gunnar Solskjaer, weil er mir sehr sympathisch ist.

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SPORT1: Was mögen Sie an ihm?

Babbel: Er ist so ein Trainertyp, der mir als Spieler sehr gefallen hätte. Er ist null polemisch, sondern geht die Dinge ganz ruhig und sachlich an. Zum Schluss muss Liverpool natürlich vorne sein, aber für den Moment freut es mich für Solskjaer, dass er etwas raus ist aus der Schusslinie. Die Leute sehen jetzt, dass so etwas einfach seine Zeit brauchte nach der Ära Ferguson. Was haben bei den Red Devils schon für Hochkaräter als Trainer gearbeitet und sie haben es alle nicht geschafft. Du kannst nicht einfach eine Mannschaft auf Knopfdruck zusammenstellen und dann die Liga zusammenreißen. Das funktioniert nicht. Es freut mich einfach, dass Solskjaer mit dem Klub auf einem guten Weg ist. (SERVICE: Tabelle der Premier League)

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SPORT1: Aber Solskjaer hat es nicht wirklich geschafft dem Team nachhaltig eine DNA zu verleihen.

Babbel: Der Klub ist Tabellenführer, also muss er irgendwas richtig gemacht haben. Es fällt mir schwer da noch ein Haar in der Suppe zu suchen. Solskjaer hat es geschafft, dass sein Team die Spiele ab Platz sechs abwärts, in denen sich viele extrem schwer tun, eben gewinnt. Und das ist entscheidend, wenn du Meister werden willst. Du kannst gegen die Reds oder Chelsea verlieren, aber du musst die vermeintlich kleineren Gegner schlagen und das macht ManUnited gerade besser als die anderen da oben. Sie spielen keinen unfassbar attraktiven Fußball, aber sie stehen sehr solide und da sind schon einige richtig gute Fußballer dabei.

"Das fehlt mir noch bei ManUnited"

SPORT1: Wie weit ist ManUnited wirklich? Ist man schon auf Augenhöhe mit Liverpool?

Babbel: Nein. Die Reds sind gefestigter, ebenso ManCity. Weil beide Klubs durch die Erfolge in den vergangenen Jahren eben eine eigene DNA entwickelt haben. Das fehlt mir noch etwas bei ManUnited. Das hat man auch in der Champions League gesehen, als sie - wenn auch in einer schwierigen Gruppe - überraschend nur Dritter wurden. Mit den getätigten Transfers in der Vergangenheit hat man doch mehr erwartet. In der Liga ist man auf einem guten Weg, trotzdem glaube ich nicht, dass sie bis zum Schluss ganz vorne stehen werden, sondern dass es nur eine Momentaufnahme ist. Aber wenn du in England unter die ersten Vier kommst, dann hast du einen guten Job gemacht.

SPORT1: Es gibt in England keine größere Rivalität als die zwischen dem FC Liverpool und Manchester United. Kann man das vergleichen mit den Duellen zwischen Schalke und Dortmund oder wie früher Bayern München gegen 1860?

Babbel: Es gibt eine hohe Rivalität, was auch mit der Ära von Sir Alex Ferguson zu tun hat. Er hat die Reds damals als Feindbild aufgerufen und sagte immer wieder, dass Liverpool hinter seinen Red Devils stehen muss. Er hat das dann auch überragend hinbekommen. Liverpool gegen Everton ist von der Stimmung auch etwas Besonderes, aber der Reds-Fan freut sich natürlich, wenn ManUnited geschlagen werden kann.

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SPORT1: Welche Erinnerungen haben Sie an die Duelle gegen ManUnited?

Babbel: Ich habe oft gegen die Red Devils gespielt, habe nur ein Spiel verloren. Aber das war leider das Champions-League-Finale 1999 mit Bayern. Sonst gab es immer Unentschieden oder wir haben gewonnen. Es waren immer gute Erfahrungen gegen ManUnited bis auf das eine Mal, doch das hat sehr weh getan.

Klopps Kader "muss weiter verbessert werden"

SPORT1: Die Reds schwächelten in dieser Saison schon das eine oder andere Mal. Glauben Sie, dass sich die Erfolgsstory mit Klopp und Liverpool fortsetzen wird oder könnte es jetzt auch bergab gehen?

Babbel: Grundsätzlich glaube ich, dass diese Story weiter geht, aber der Kader muss weiter verbessert werden, bei Transfers sollte man perspektivisch mit offenen Augen agieren und den Kader auf hohem Niveau verstärken gerade im Vergleich zur Transfer-Offensive vom FC Chelsea. Allerdings vorbehaltlich der wirtschaftlichen Möglichkeiten bei Liverpool. Ich glaube nicht, dass man dort ähnlich agieren kann wie Chelsea. Ich bin etwas irritiert, wenn ich sehe, was dort passiert auch angesichts des Financial Fairplay. Die Reds haben nicht die wirtschaftlichen Möglichkeiten wie die Blues. Aber das ist die Voraussetzung, dass man weiter auf dem hohen Niveau mitspielen kann.

SPORT1: Wie viel Brisanz ist im Duell am Sonntag? Es ist ja erst mitten in der Saison.

Babbel: Es ist daher zwar nicht total entscheidend, aber es ist ein extrem wichtiges Spiel. Und es ist kein normales Spiel wie gegen Burnley oder Crystal Palace. Es geht für Liverpool gegen ManUnited, einen der größten Klubs auf der Welt. Die Motivation wird sehr hoch sein. Ich würde es mir wünschen, dass Liverpool ähnlich wie in den Partien zuvor hellwach ist. In den großen Spielen haben sie Topleistungen abgerufen. Da haben sie einen hervorragenden Fußball gespielt. Sie tun sich gerade gegen die etwas kleineren Namen schwer. Aber man darf nicht vergessen, dass die Reds in dieser Runde extremes Verletzungspech haben. Viele wichtige Spieler fallen aus. Der eine oder andere kommt zurück, aber immer wieder musste Jürgen Klopp eine Notelf auf den Rasen schicken. Ich bin sehr gespannt, was am Sonntag passieren wird.

SPORT1: Wie geht es aus?

Babbel: Ich drücke natürlich den Reds die Daumen. Ob es gegen Leicester, Chelsea oder Tottenham war, hat Liverpool immer fantastisch gespielt. Das erhoffe ich mir auch für Sonntag, denn sie werden von der Spielart her ManUnited mit viel mehr Ballbesitz dominieren. Mich würde es überraschen, wenn es ein offenes Spiel wird. Dann ist die Frage, wie gut die Staffelung in der Defensive sein wird. Ich gehe davon aus, dass United versuchen wird ins schnelle Umschaltspiel und ins Konterspiel zu kommen. Da muss Liverpool hellwach sein, weil die Reds da sehr gute Leute in ihren Reihen haben.