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Jürgen Klopp und José Mourinho liefern sich seit vielen Jahren packende Duelle. Beide schätzen einander, streiten aber auch oft. Die Bilanz spricht für Klopp.

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Eine Art Grundlage seiner Beziehung zu José Mourinho legte Jürgen Klopp schon bei seiner Vorstellung beim FC Liverpool vor gut fünf Jahren.

"An mir ist nichts Spezielles. Sie können mich The Normal One nennen", hatte der deutsche Trainer gesagt und dabei eine Spitze gegen Mourinho gesetzt, der als "The Special One" bekannt ist.

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Tatsächlich ist Klopp in vielerlei Hinsicht eine Art Gegenstück zu Mourinho - was die Duelle der beiden seit vielen Jahren so interessant und brisant macht. 

Spitzenspiel an der Anfield Road

Am heutigen Mittwochabend steigt das zwölfte Aufeinandertreffen der beiden Star-Coaches. Klopps FC Liverpool empfängt Mourinhos Tottenham Hotspur. (FC Liverpool - Tottenham Hotspur am Mittwoch ab 21.00 Uhr im LIVETICKER) Zweiter gegen Erster - beide Teams haben 25 Punkte auf dem Konto. (Tabelle der Premier League) 

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Klar, dass vor so einem Duell die üblichen Sticheleien der beiden Trainer nicht fehlen durften. Klopp hatte bei Pressekonferenz vor dem Spiel eine Menge Lob für seinen Kontrahenten übrig: "Er hat eine Ergebnismaschine aus ihnen gemacht." 

Mourinho stellte hingegen Klopps Dauerthema der langen Verletztenliste in Frage. "Jeder Klub kämpft hin und wieder mit Verletzungen", sagte Mourinho. "Liverpool hat eine große Verletzung mit van Dijk." Aber: "Alexander Arnold ist nicht verletzt. Matip wird spielen, glaube ich. Fabinho ist nicht verletzt. Robertson ist nicht verletzt. Henderson ist nicht verletzt. Wijnaldum ist nicht verletzt. Salah ist nicht verletzt. Firmino ist nicht verletzt. Mané ist nicht verletzt."

Er könne auch eine "Liste von zehn Verletzten bei Tottenham", sagte Mourinho. Dabei nannte er neben Erik Lamela und Japhet Tangaga jeweils zwei U-16-, U-21- und U-23-Spieler. Aber Harry Kane, Heung-Min Son und Co. seien allesamt fit. "Also wo sind die ganzen Verletzungen?", fragte der 57-Jährige.

Außerdem beschwerte sich Mourinho, dass sein Team einen Nachteil habe, da Liverpool vor seinen Heimfans spielen darf: "Ich denke nicht, dass es fair ist. Denn das Team, dass mit Heimfans spielen darf, hat eine andere Intensität, eine andere Atmosphäre und das ist ein Vorteil."

Klopp im direkten Duell klar vorne 

Das klang alles schon sehr nach dem alten Mourinho.

"Ich habe mich als Trainer verändert", hatte Mourinho aber seinem Amtsantritt versichert - und das sieht man durchaus. Bei seiner Vorstellung bei den Spurs galt Mourinho noch als "Yesterday's Man", mittlerweile hat er den Klub - den durchaus einiges von den absoluten Top-Klubs des Landes unterschieden hatte - zu einem ernsthaften Anwärter auf die Meisterschaft gemacht. 

"Ich bin nicht überrascht, dass er abgeschrieben wurde. Das ist die Welt, in der wir leben", sagte Klopp vor dem neuerlichen Duell mit Mourinho. "Er hat Comeback-Qualitäten gezeigt, falls es überhaupt ein Comeback war. Sehr beeindruckend, was er da bei Tottenham gemacht hat." 

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Das Interessante ist, dass Mourinho zu seinen Hochzeiten gegen Klopp nicht viel zu lachen hatte. Als Coach von Real Madrid trat der Portugiese vier Mal gegen Klopps Borussia Dortmund an und konnte, bei einem Remis und zwei Niederlagen, nur ein Spiel gewinnen. 

Die restlichen Duelle der beiden fanden auf der Insel statt. Als Coach des FC Chelsea unterlag Mourinho mit 1:3 gegen Klopps Reds, mit Manchester United hat er allerdings eine ausgeglichene Bilanz gegen den Deutschen: ein Sieg, drei Remis, eine Niederlage. Auch mit Tottenham traf Mourinho im Januar schon auf Klopp, Liverpool siegte mit 1:0. 

Das direkte Trainer-Duell liest sich aus Sicht von Klopp also wie folgt: fünf Siege, vier Remis, zwei Niederlagen. 

Klopp vs. Mourinho: Immer wieder Streitereien und Sticheleien

Bei den Aufeinandertreffen kam es nicht selten zu Wortgefechten und Streitereien.

Beide Trainer schätzen einander und daher lobten sie einander in der Vergangenheit auch immer wieder ausgiebig. Sie sind allerdings zu unterschiedlich, um sich nicht auch mal in die Haare zu kriegen. "Mourinho und ich konnten in diesem Moment nicht die gleiche Meinung haben", sagte Klopp im Jahr 2017 nach einem 1:1 zwischen Liverpool und Mourinhos United einmal. Es war nicht das einzige Mal, dass die beiden unterschiedlicher Ansicht waren. 

Alles begann im Jahr 2013 vor dem Halbfinale in der Champions League zwischen dem BVB und Real Madrid. Mourinho hatte damals ein Geheimnis daraus gemacht, ob er im nächsten Jahr noch Real-Trainer seien würde. Klopp nutzte das zur ersten Stichelei gegen Mourinho - denen viele folgen sollten.

Auf die Frage, was er an Trainern schätze, antwortete Klopp grinsend: "Ich wusste als Spieler ganz gerne, ob der Trainer nächstes Jahr noch unser Trainer ist. Der Rest war mir Wurst."

"Klopp redet jeden Tag und ich mache den Mund nicht auf. Ich will es weiter so halten", hatte Mourinho damals entgegnet. Daran gehalten hat er sich allerdings selten. 

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Der Inhalt der größten Streitereien ist kaum überliefert, da diese auf dem Rasen stattfanden. Bei den Duellen sind sich Klopp und Mourinho an der Seitenlinie unzählige Male sehr nahe gekommen - recht laut ist es dabei oftmals auch geworden.

Auch beim bisher letzten Duell kam es zu einer beeindruckenden Szene - allerdings in einem ganz anderen Sinne. Mourinho war während der Partie vor Klopp auf die Knie gesunken und hatte eine flehende Pose eingenommen. Selbst mit einer guten Leistung seines Teams konnte er "The Normal One" damals nicht schlagen. 

Falls es "The Special One" nun gelingt, Revanche zu nehmen, dann wären seine Spurs Topfavorit auf die Meisterschaft. Das hätte dem "Yesterday's Man" bei allen Comeback-Qualitäten wohl nicht einmal Klopp zugetraut.