Lesedauer: 3 Minuten

München - Die Kritik von Liverpools Coach Jürgen Klopp an TV-Sendern, Anstoßzeiten und Wechselregeln löst in England Widerspruch aus. Ein TV-Experte wendet sich persönlich an ihn.

Anzeige

Es war nur ein 1:1, ein Unentschieden.

"Schiedlich, friedlich", sind nach einem Remis häufig gehörte Reporter-Phrasen. Doch dieses Unentschieden zwischen Brighton & Hove Albion und dem FC Liverpool passte überhaupt nicht in diese Kategorie. (Spielplan und Ergebnisse der Premier League)

Anzeige

Das wurde spätestens in dem Moment deutlich, als Reds-Coach Jürgen Klopp das Mikrofon des übertragenden Senders BT Sport unter die Nase gehalten bekam.

Sein verbaler Rundumschlag bestimmte am Wochenende die Schlagzeilen in der britischen Presse. Es ging um frühe Anstoßzeiten, die Verletzungsmisere in seiner Mannschaft und die immer noch geltende Regel, dass nur drei statt der in den meisten anderen Wettbewerben üblichen fünf Spieler ausgewechselt werden können.

Klopps Wut blieb freilich nicht unkommentiert. Und längst nicht jeder war mit der Sichtweise des 53-jährigen Deutschen einverstanden.

TV-Experte Sutton kritisiert Klopp

Chris Sutton zum Beispiel. Als Profi war er Teil des erfolgreichen Teams von Celtic Glasgow um Henrik Larsson, das 2003 im Finale des UEFA-Cups stand. Als TV-Experte hat er sich seit einigen Jahren auf der Insel zudem den Ruf eines scharfzüngigen Beobachters der Branche erarbeitet. (Die Tabelle der Premier League)

"Sorry Jürgen – so funktioniert das nicht", schrieb der 47-Jährige, der sich offenbar als Experte von BT Sport auch persönlich angesprochen fühlte, in seiner Kolumne in der Daily Mail: "Dass der Trainer des FC Liverpool BT Sport für die Verletzung von James Milner verantwortlich macht, ist einfach beschämend."

Genauso sei die Tirade wegen der frühen Ansetzung des Spiels am Samstag um 12.30 Uhr für ihn nicht nachzuvollziehen, kritisierte Sutton: "Du kannst nicht das ganze Geld einsacken, deinen Spielern ihre netten Löhne zahlen, einen mit Stars gespickten Kader haben und in der Champions League mitmischen - und dich dann weigern zu spielen."

Dies sei eben nun mal Teil des lukrativen TV-Deals, den auch der FC Liverpool unterschrieben habe, schrieb Sutton weiter. Den Sendern sei es nicht vorzuwerfen, wenn sie den aktuellen Meister in solchen exklusiven Slots zeigen wollen.

Werde Deutschlands Tippkönig! Jetzt zum SPORT1 Tippspiel anmelden

Strittiger Elfmeter gegen Liverpool

Wenn sich Klopp schon aufregen wolle, so der Engländer weiter, könne er sich gerne am spät gegebenen Strafstoß für Brighton abarbeiten.

"Ich hätte kein Problem damit, wenn Klopp sich über den Elfmeterpfiff gegen Andy Robertson aufgeregt hätte. Ich glaube nicht, dass das Foul elfmeterwürdig war", meinte Sutton.

Wobei der Fall Robertson zu einem weiteren Kritikpunkt am Meistercoach führt. Dass der Schotte überhaupt kurz vor Schluss noch auf dem Platz stand, wäre nicht passiert, wenn in der Premier League fünf Wechsel möglich gewesen wären, behauptete Klopp.

Auch interessant
  • Fussball / Bundesliga
    1
    Fussball / Bundesliga
    Die Transfer-Baustellen der Bayern
  • Fussball / Transfermarkt
    2
    Fussball / Transfermarkt
    Transferticker: Wolfsburg-Stürmer sagt Schalke ab
  • Int. Fussball / Championship
    3
    Int. Fussball / Championship
    Der Abstieg von Klopps Musterschüler
  • Fußball / Bundesliga
    4
    Fußball / Bundesliga
    Bittere Story eines BVB-Transfers
  • Boulevard
    5
    Boulevard
    Der Porno-Absturz der Surf-Coffeys

Kritik an Wechsel-Strategie von Klopp

Doch auch diese Meinung führte zu Kritik. Denn der Trainer habe in zwei der bisherigen zehn Saisonspielen nicht einmal das jetzt erlaubte Kontingent von drei Wechseln ausgeschöpft, rechnete die Daily Mail vor.

Außerdem habe er viele Wechsel erst kurz vor Spielende vollzogen, was nahelege, dass er Defizite in der Belastungssteuerung seiner Profis habe.

Klopp selbst sagte dazu: "Wenn du nicht zu viel riskieren willst, musst du mit dem letzten Wechsel bis zur 90. Minute warten. Ansonsten besteht immer die Gefahr, dass man das Spiel nur zu zehnt beendet."

Das wenigstens ist ihm gegen Brighton am Samstagmittag nicht passiert.