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José Mourinho feiert mit Tottenham Hotspur einen Sieg gegen seinen Rivalen Pep Guardiola und Manchester City. Mourinho scheint doch kein "yesterday´s man" zu sein.

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Im Moment des großen Triumphes blieb José Mourinho ruhig, ging mit staatsmännischen Schritten Richtung Bank von Manchester City und schüttelte dem geschlagenen Pep Guardiola artig die Hand.

Mit 2:0 hatte Tottenham Hotspur gerade die Citizens geschlagen und war dadurch an die Tabellenspitze gestürmt. (Service: TABELLE der Premier League)

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José Mourinho (L) gibt Pep Guardiola die Hand
José Mourinho (L) gibt Pep Guardiola die Hand © Getty Images

Mourinho hat aus einem Klub - den zuletzt viel von den absoluten Top-Klubs des Landes unterschied - in genau einem Jahr die Hot Spurs gemacht, die tatsächlich ein Wörtchen im Meisterschaftsrennen mitreden. Eine beeindruckende Entwicklung, die ihm vor zwölf Monaten wohl kaum einer zugetraut hätte.

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Mourinho: "Ich habe mich als Trainer verändert"

Denn als der exzentrische Coach in London vorgestellt wurde, wurde eher von einem Marketing-Gag oder gar von einem Akt der Selbstzerstörung des Vereins gesprochen. 

Auf Instagram wurde der 57-Jährige regelrecht sentimental, eine Seite, der er nicht oft offenbart. "Ein Jahr bei THFC. Von einem vollen zu einem leeren Raum, durch viel Arbeit und Emotionen. Glücklich wie am ersten Tag", schrieb er zu seinem Einjährigen beim Klub. 

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"Ich habe mich als Trainer verändert", hatte Mourinho bei seinem Amtsantritt versichert. Elf Monate hatte der Portugiese nach seiner Entlassung bei Manchester United Pause vom Coaching gemacht. Eine Zeit, in der er seine Perspektive zum Fußball geändert hat, wie er selbst sagt.

Tatsächlich wirkt Mourinho ruhiger und weicher - was sich auch auf seinem inzwischen schon legendären Instagram-Account zeigt. Zudem sprechen auch die Spieler der Spurs davon, dass sie es mit einem deutlich zugänglicherem Mann zu tun haben als es sein Ruf vermuten lassen würde. 

In seiner neunten Station als Cheftrainer scheint "The Special One" tatsächlich die eine oder andere Veränderung durchgemacht zu haben. 

Mourinho coacht Guardiola aus

Vor dem Spitzenspiel gegen City war dann aber doch ein wenig von dem altbekannten Mourinho zu sehen. Er warf den Verantwortlichen der Citizens vor, Druck auf den englischen Nationaltrainer Gareth Southgate ausgeübt zu haben, damit dieser den City-Star Raheem Sterling nicht nominiert.

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Davon erhoffe sich Guardiola, dass Sterling bei den Spurs ausgeruht auflaufen könne, behauptete Mourinho und schickte auch noch hinterher, dass die Spieler des spanischen Coaches deutlich zu leicht fallen würden. Guardiola hatte darauf angesprochen nur ein müdes Lächeln übrig und konterte, dass Mourinho mit den Ärzten der englischen Nationalmannschaft sprechen sollte, wenn er nicht zufällig selbst ein Arzt sei.

Das Duell Mourinho gegen Guardiola hatte ein neues Kapitel. Gegen keinen anderen Coach ist Mourinho öfter angetreten als gegen den Spanier, das Duell im Tottenham Hotspur Stadium war bereits das 24. Aufeinandertreffen. 

Die meisten Duelle gab es, als Mourinho noch Real Madrid trainierte und Guardiola den FC Barcelona. Zu dieser Zeit zog er meistens den Kürzeren. Doch mit Tottenham ist ihm im zweiten Spiel gegen Guardioals nun der zweite Sieg gelungen - und zwar auf die klassische Mourinho-Weise.

Nur 34 Prozent Ballbesitz hatten die Spurs gegen City. Sie brachten auch nur drei Torschüsse zu Stande, von denen zwei den Weg hinter die Linie fanden. 

Mourinho coachte Guardiola mit seiner klassischen Strategie "Park the Bus" aus. Tottenham zog sich weit zurück, überließ den Skyblues den Ball und setzte dann einige schnelle Konter, von denen sie zwei eiskalt ausnutzten. 

Son und Kane als Hoffnungsträger

Nach dem Sieg gegen City träumen viele Spurs-Fans davon, dass ihr Klub endlich aus dem Schatten der zuletzt großen Klubs wie Manchester City, des FC Liverpool oder des Stadtrivalen FC Chelsea treten kann. 

Diese Hoffnung gründen sie neben Mourinho auch auf die beiden Superstars: Harry Kane und Heung-Min Son. 

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Kane zeigte sich in den ersten neun Spieltagen der Premier League gewohnt treffsicher und traf sieben Mal. Beeindruckend ist, dass ihm in der Offensive von einem Mitspieler sogar noch der Rang abgelaufen wird. 

Son erzielte in den neun Spielen neun Tore und führt damit die Torjägerliste der Liga an. Der Südkoreaner traf auch gegen City zum 1:0 - "Super Son" ist derzeit das Gesicht des Aufschwungs der Hot Spurs. Der südkoreanische Flügelflitzer ist längst Publikumsliebling bei den Fans, und so mancher bezeichnet Son sogar schon als besten Außenstürmer der Liga. 

Heung-min Son hat sich bei Tottenham zum Publikumsliebling und Superstar aufgeschwungen
Heung-min Son hat sich bei Tottenham zum Publikumsliebling und Superstar aufgeschwungen © Getty Images

Und dann ist da ja auch noch Rückkehrer Gareth Bale, der zwar sportlich noch nicht die große Rolle spielt, allerdings auch für eine Menge Euphorie im Norden von London gesorgt hat. Vielleicht wird er auch noch auf dem Rasen wichtig.

Die gute Nachricht auf dem Platz ist aber schon jetzt, dass sich die Leistungsträger wie Kane und Son ideal in das defensive System eingefügt haben. Im komplett offenen Meisterschaftsrennen scheint in dieser Spielzeit dadurch tatsächlich für Tottenham einiges möglich. 

Ist Mourinho also doch nicht "yesterday’s man", wie sie in England gerne sagen - also ein Mann aus der Vergangenheit. Diesen Eindruck könnte der Portugiese mehr als nur unterstreichen, falls ihm mit den Hot Spurs das eigentlich Undenkbare gelingen würde: der Titel in der Premier League.