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Leeds und München - Robin Koch entscheidet sich im Sommer für Leeds. Beim Premier-League-Aufsteiger ist er Stammspieler. Bei SPORT1 spricht er über die Beweggründe seines Wechsels.

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Es war ein überraschender Wechsel von Robin Koch, der allerdings bestens durchdacht war.

Der 24-Jährige hat den SC Freiburg nach drei erfolgreichen Jahren verlassen und sich Premier-League-Aufsteiger Leeds United angeschlossen.

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Im Team der argentinischen Trainer-Legende Marcelo Bielsa konnte sich der dreimalige Nationalspieler auf Anhieb einen Stammplatz erkämpfen.

Leeds ist kein gewöhnlicher Aufsteiger: Die Ziele sind ambitioniert und Koch, der bei den Engländern einen Vertrag bis 2024 unterschrieben hat, soll dabei helfen, diese zu verwirklichen.

Während des  SPORT1-Interviews zeigt sich der Defensiv-Allrounder bestens gelaunt und nimmt sich viel Zeit. Passend zu seinem neuen Verein, der ihn mit ungewöhnlichen Methoden von einem Wechsel überzeugt hat und ihn schon lange beobachtet hatte.

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Koch: "Meine ersten Minuten hätten besser laufen können"

SPORT1: Herr Koch, nach ihren ersten vier Minuten im Trikot von Leeds United hat Sie ein Schuss von Mohamed Salah am Arm getroffen. Es folgten ein Handelfmeter und die Führung von Liverpool. Was ging Ihnen durch den Kopf?

Robin Koch: Ich habe mir schon gedacht: 'Okay, meine ersten Minuten hätten besser laufen können.' Es ist halt so passiert. Salah hat mich angeschossen. Der Ball springt an den Arm. Da kannst du als Spieler oft nicht viel machen. Ich habe dann einfach fokussiert weitergemacht und mein Spiel konzentriert durchgezogen.  

SPORT1: Bleiben wir bei Ihren Gedanken. Was dachten Sie, als Sie erstmals vom Interesse von Leeds United erfuhren? 

Koch: Das Interesse von Leeds kam früh. Ich muss ehrlicherweise sagen, dass ich damals nicht sofort gesagt habe: 'Wow, das mache ich sofort.' Zum damaligen Zeitpunkt spielte der Verein noch in der Championship und es war nicht sicher, dass sie in die Premier League aufsteigen werden. Mit der Zeit wurde das Interesse aber immer stärker und ich habe mich mit dem Klub immer mehr beschäftigt.

Leeds-Coach Bielsa schickte Koch PowerPoint-Präsentation

SPORT1: Was passierte dann?

Koch: Ich habe meinem Berater irgendwann gesagt, dass ich mir einen Wechsel nach Leeds trotz mehrerer Anfragen anderer Vereine tatsächlich sehr gut vorstellen kann. Je intensiver ich mich mit dem Klub beschäftigt habe, desto mehr hat es für mich gepasst. Leeds ist kein normaler Aufsteiger. Der Klub hat richtig was vor in den nächsten Jahren. 

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SPORT1: Wie genau hat Leeds Sie geködert?

Koch: Leeds hat mir eine Art PowerPoint-Präsentation geschickt. Darin konnte ich genau sehen, wie mich Trainer Marcelo Bielsa und die Scouts analysiert haben und wie ich zum Spielstil von Leeds passe. Beispielsweise in Form der Spieleröffnung. Mir wurden Videosequenzen zugespielt, in welchen Spielsituationen von Leeds parallel zu denen von mir in Freiburg aus der letzten Saison geschnitten wurden. So etwas habe ich wirklich noch nie bekommen. Ich hatte das Gefühl, dass ich noch nie so genau analysiert wurde, zumal ich nicht mal ein Spieler des Vereins war. Das hat mich echt beeindruckt und war ein ausschlaggebender Punkt für meine Entscheidung.

Koch: "Spiele lieber mit Risiko Fußball"

SPORT1: Ein Spiel Ihres neuen Klubs soll sie besonders beeindruckt haben.

Koch: Stimmt. Ich habe mir das Pokal-Spiel von Leeds gegen Arsenal im Januar angeschaut. Leeds hatte mehr Ballbesitz und war mindestens gleichwertig, obwohl sie 0:1 verloren haben. Auf diese Art und Weise gegen einen großen Verein zu spielen war schon stark. Mir fällt auch in der Bundesliga kein Aufsteiger ein, der so mutig spielt wie wir.

SPORT1: Passt Ihr Charakter zum Spielstil Ihres neuen Arbeitgebers?

Koch: Ja. Ich bin ein mutiger und offensiver Mensch. Deshalb habe ich mich auch darin bestätigt gefühlt, den Schritt ins Ausland zu gehen und mich in einer neuen Liga zu beweisen. Neue Sprache, neues Land, allein sein: Das ist eine Herausforderung, die ich mag. Meine Zeit in Freiburg war aber unglaublich. Ich habe dort viele Freunde gefunden und blicke sehr gerne auf die drei Jahre zurück. Für mich war es aber an der Zeit, etwas Neues zu machen. Ich will es mir in der Premier League selbst beweisen.

SPORT1: Ihre Physis sticht heraus. Passt zur Premier League, oder?

Koch: Für die englische Liga muss man robust sein. Ich habe jetzt schon in den ersten drei Spielen einen Unterschied zur Bundesliga gemerkt. Intensität und Power im Spiel sind ganz anders. Zu mir passt aber vor allem das Fußballerische, auf das hier in Leeds sehr viel Wert gelegt wird. Bei uns geht es darum, das Spiel zu machen. Als Innenverteidiger bin ich hier der erste, der das Spiel einleitet und nicht einfach die Bälle lang schlägt und dann verteidigt. So offensiv zu spielen, ist eine meiner Stärken.

SPORT1: Der offensive Stil führte in den ersten Ligaspielen zu sieben Gegentoren.

Koch: Klar, er birgt Risiken. Wir haben 3:4 und 4:3 gespielt. Für die Zuschauer ist das gut, für unsere Nerven nicht. Aber es macht Spaß. Ich spiele lieber mit Risiko Fußball, statt jeden Ball lang zu schlagen. Wir werden unseren Spielstil über die Saison hinweg sicherlich weiterentwickeln. Im letzten Spiel haben wir hinten die Null gehalten. Wir werden einen guten Mittelweg finden.

Bielsa war ein Grund für Wechsel

SPORT1: Pep Guardiola bewundert Marcelo Bielsa (Premier League: Leeds United - Manchester City, Samstag ab 18.30 Uhr im LIVETICKER). Was ist Ihr Trainer für ein Typ?

Koch: Er ist sehr akribisch. Er hat ein unglaubliches Fußball-Wissen und das überträgt sich auf die Mannschaft. Er war einer der Gründe, warum ich hierhin gewechselt bin.

SPORT1: Wie wird kommuniziert?

Koch: Der Trainer spricht Spanisch. Seine Co-Trainer sprechen Englisch und übersetzen ihn für uns. Die Fußball-Sprache ist zum Glück sehr einfach. Wenn man nicht alles direkt versteht, erklärt sich der Rest zumeist auf dem Platz. Ich bin jetzt seit drei Wochen in England. Das ist schon etwas anderes als das klassische Schulenglisch. Ich werde mich aber schnell daran gewöhnen.

SPORT1: Die Leeds-Fans sollen fanatisch sein. 

Koch: Ja, ich habe schon in der Leeds-Dokumentation 'Take Us Home' und in den Instagram-Stories von meinem Mitspieler Mateusz Klich, den ich noch aus meiner Zeit in Kaiserslautern kenne, gesehen, dass die Fans eine ganz besondere Bindung zum Verein haben. Es kommt vor, dass sie vor dem Eingang meines Hotels stehen. Als ich nach meiner Unterschrift aus dem Stadion kam, standen dort auch 50 Fans, die auf mich gewartet haben. Nach meinen bisherigen Erfahrungen freue ich mich bereits unglaublich auf das erste Spiel mit Zuschauern im Stadion und die Atmosphäre.

SPORT1: England-Legende Rio Ferdinand wechselte 2002 für rund 45 Millionen Euro von Leeds zu Manchester United und war seinerzeit ein Rekordtransfer. Träumen Sie von einem ähnlichen Schritt?

Koch: Natürlich habe ich große sportliche Ambitionen und will irgendwann Titel gewinnen und ganz oben mitspielen. Das ist mein Ziel.

Koch orientiert sich an van Dijk und Ramos

SPORT1: Wenn Sie einen Pokal auswählen müssten, den Sie unbedingt mal in den Händen halten wollen, welcher wäre das?

Koch: Wenn ich mich frei entscheiden könnte: Die Weltmeister-Trophäe.

SPORT1: Was sind die Saisonziele des Vereins?

Koch: Für die meisten von uns ist es das erste Jahr in der Premier League. Wir sind eine echte Wundertüte und gut gestartet. Für uns steht der Spielstil und die Art und Weise im Mittelpunkt. Wir sind eine Mannschaft, die Bock hat, Gas zu geben und offensiv zu spielen. So gehen wir die ganze Saison an.

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SPORT1: Haben Sie fußballerische Vorbilder?

Koch: Für mich sind Virgil van Dijk und Sergio Ramos die besten Innenverteidiger der letzten Jahre. Natürlich schaue ich mir etwas von ihnen ab. Nicht bewusst, denn ich schaue in Spielen nicht explizit auf sie. Aber ich nehme wahr, wie sie verschiedene Situationen lösen und versuche das in mein Spiel zu adaptieren.

SPORT1: Über Trier nach Leeds, Hoffnungsträger in einer fußballfanatischen Stadt und deutscher Nationalspieler. Können Sie Ihre Entwicklung greifen?

Koch: Es ist in der Tat so, dass alles sehr schnell geht. Jeden Tag Training, mindestens ein Spiel pro Woche, dann reist man wieder mit der Nationalmannschaft rum und fliegt zurück zum Verein. Es ist manchmal schwer, das alles zu realisieren. Ich versuche daher auch mal Abstand von dem Ganzen zu gewinnen und wertzuschätzen, wie weit ich es schon geschafft habe. Ich wollte immer Fußballprofi werden und führe jetzt das Leben, von dem ich als Kind geträumt habe.

Koch wohnt noch im Hotel

SPORT1: Wird das private Umfeld bei so einem Aufstieg umso wichtiger?

Koch: Ja, und wenn man so viel unterwegs ist wie ich als Fußballprofi, sind die Momente, die ich mit meinen Freunden und der Familie verbringe, noch intensiver. Ich kann von Glück sprechen, dass eine super Familie und super Freunde hinter mir stehen. Es ist aber schon so, dass ich versuche, den Kreis um mich herum klein zu halten. Meine engsten Freunde kenne ich schon seit Kindertagen. Ich bin froh, dass die Verbindungen bis heute anhalten.

SPORT1: Wo wohnen Sie derzeit?

Koch: Die Wohnungssuche gestaltet sich noch schwierig. Aktuell lebe ich im Hotel. Zum Glück haben schon Freunde vorbeigeschaut. Sie haben mir auch mein Auto nach Leeds gebracht. Das Autofahren war hier anfangs auch nicht leicht, aber man gewöhnt sich dran  (lacht).

SPORT1: Nächste Woche trifft sich die Nationalmannschaft wieder. Sie sind erneut nominiert. Wie war es für Sie, als Sie erstmals im Kreise der DFB-Elf dabei waren?

Koch: Bei meiner ersten Nominierung bin ich als Underdog dazu gestoßen. Das war eine große Ehre für mich. Nach kurzer Zeit habe ich gemerkt, dass ich mit den besten deutschen Spielern mithalten kann. Wenn man das realisiert, steigen auch die eigenen Erwartungen.

SPORT1: Wird es Ihnen einen EM-Schub geben, wenn Sie sich in der Premier League weiterhin behaupten?

Koch: Für meine EM-Chancen ist es nicht ausschlaggebend, ob ich in der Bundesliga oder in der Premier League spiele. Es gibt genügend Nationalspieler, die in anderen Ligen unterwegs sind. Ich muss einfach verletzungsfrei bleiben und meine Leistung bringen. Joachim Löw hat mir auch zum Wechsel gratuliert.  Ich werde in dieser Saison alles dafür tun, dass ich im kommenden Jahr bei der EM dabei bin.