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Manchester - Dass die Premier League Reformen braucht, ist unbestritten. Der Weg dahin darf Liverpool und Co. aber keine uneingeschränkte Macht bescheren, findet England-Experte Hendrik Buchheister.

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Falls es der Plan von Manchester United und des FC Liverpool war, als Retter des englischen Fußballs gefeiert zu werden, dann ist dieser Plan gescheitert, und zwar krachend. 

Die britische Regierung, die Premier League und viele Medien auf der Insel haben das solidarisch anmutende Reform-Paket der beiden Rivalen als das enttarnt, was es ist: nämlich der perfide Versuch, die Corona-Krise und die wirtschaftliche Not vieler Klubs in den unteren Ligen zu nutzen, um sich selbst und den anderen Mitgliedern der so genannten Big Six, also Manchester City, Arsenal, Tottenham Hotspur und Chelsea, fast uneingeschränkte Macht zu sichern.

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Die Vorschläge, öffentlich gemacht am Wochenende durch den Telegraph, sehen vor, dass künftig ein Viertel der Einnahmen der Premier League an die Vereine aus den Spielklassen zwei bis vier geht, außerdem soll es eine einmalige Hilfszahlung von 250 Millionen Pfund an diese Klubs geben.

Kein Wunder, dass Rick Parry, der Chef der für die unteren Ligen verantwortlichen EFL, als Fürsprecher für die Reform auftritt, während es von Manchester United und Liverpool keine offiziellen Verlautbarungen gibt. Auch der Amateurfußball soll gefördert, Fan-Belange sollen künftig stärker berücksichtigt werden.

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Das alles klingt zu schön, um wahr zu sein, und in der Tat wäre der Preis hoch, denn im Gegenzug würde in der Premier League der heilige Grundsatz wegfallen, dass bei wichtigen Entscheidungen die Stimme jedes Vereins gleich viel zählt.

Wenn es nach den Autoren der Reformpläne geht, sollen die großen Klubs künftig mehr oder weniger alleine über neue TV-Verträge, Regeländerungen oder die Besetzung des Vorstandspostens der Premier League entscheiden. Sogar bei Vereinsübernahmen sollen die Big Six ein Veto-Recht haben.

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Zusammen mit der angedachten Verkleinerung der Premier League von 20 auf 18 Klubs, einem geänderten Modus für Auf- und Abstieg und der Abschaffung von Ligapokal und Supercup, dem Community Shield, sind die Vorschläge vor allem das: ein Putsch durch die reiche Elite in der Premier League gegen den Rest der Liga und die Liga selbst, und eine Umstrukturierung des Spielplans nach eigenen Bedürfnissen, um künftig mehr Zeit zu haben für noch mehr Champions-League-Partien und PR-Touren durch den Rest der Welt. 

Natürlich: Es muss dringend ein Rettungsplan für die unteren Ligen her, und der Kalender muss ausgedünnt werden. Doch dass die Big Six dafür endgültig die Macht im englischen Fußball übernehmen, ist die falsche Lösung.

Hendrik Buchheister wurde 1986 in Helmstedt, Niedersachsen geboren und studierte Politik in Hannover. Im Anschluss absolvierte er mehrere Praktika unter anderem bei der Süddeutschen Zeitung und dem Independent in London und schloss ein Volontariat beim Kölner Stadt-Anzeiger mit Schwerpunkt Sport ab. Seit August 2017 berichtet er als freier Journalist aus Manchester vor allem über den Fußball in England.