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München - Mesut Özil steht vor den Trümmern seiner Karriere. Es drängt sich die Frage auf, ob die Laufbahn eines großen Fußballers ein unrühmliches Ende nimmt.

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Es war im Jahr 2009 als sich in Deutschland Fußball-Fans und -Experten einig waren: Das DFB-Team hat wieder eine echte Nummer zehn.

Der VfL Wolfsburg machte sich in diesem Jahr zu seiner ersten und einzigen deutschen Meisterschaft auf, in den deutschen Charts thronte "Das Haus am See" von Peter Fox, und Michael Ballack - Kapitän der deutschen Nationalmannschaft - sagte eben jenen Satz, den auch viele Zeitungen titelten. 

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Die neue Nummer zehn, das war Mesut Özil. Der Spielgestalter hatte im Alter von 20 Jahren in seinen ersten Länderspielen ein ganzes Land verzaubert. Als er in einem Freundschaftsspiel gegen Südafrika im September sein erstes Tor erzielte, waren sich dann alle sicher: Dieser schmächtige Kerl wird einmal ein ganz Großer.

Ein ganz großer Fußballer wurde Özil dann auch, Stammspieler bei der Weltmeistermannschaft von 2014, mittlerweile ist sein Glanz allerdings verblasst. Mit 32 Jahren spielen Fußballer mit seinem Talent oftmals als Kapitän eines Top-Klubs um den Henkelpott, doch Özil steht beim FC Arsenal auf dem Abstellgleis. Eine Karriere mit Höhen und Tiefen droht ein unschönes Ende zu nehmen. 

Özil "eine große Nummer zehn"

Begonnen hat diese Prof-Karriere für den gebürtigen Gelsenkirchener nach Jugendjahren im Trikot von Rot-Weiss Essen beim FC Schalke 04. Jugendtrainer Norbert Elgert wurde zu seinem Mentor, und Özil debütierte mit 17 in der ersten Mannschaft. Im Jahr 2008 war der Mittelfeldspieler zu Werder Bremen weitergezogen um dann - zwei Jahre später - den ganz großen Schritt zu wagen. Für eine Ablösesumme von 18 Millionen Euro wechselte er zu Real Madrid. 

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Auch bei den Königlichen war das Talent Özils unverkennbar, allerdings fiel es ihm trotzdem schwer, sich dauerhaft unverzichtbar zu machen. 

Obwohl Özil in den Jahren 2011, 2012, 2013, 2015 und 2016 zum deutschen Nationalspieler des Jahres gewählt wurde und bei Bundestrainer Joachim Löw gesetzt war, gab es auch kritische Stimmen zu seinen Auftritten im DFB-Team. "Er ist einer unserer besten Spieler, eine große Nummer zehn. Aber er übernimmt nicht viel Verantwortung", sagte beispielsweise Ballack. 

Nach drei Jahren in Madrid verließ Özil die spanische Hauptstadt und schloss sich dem FC Arsenal an. Die Gunners überwiesen stolze 47 Millionen Euro an die Königlichen. Cristiano Ronaldo wütete öffentlich ob des Verlusts seines hoch geschätzten Vorlagengebers. 

Bei Arsenal wurde der Spielmacher schnell zum Fixpunkt und trotzdem sagte Ballack mit einem Blick zurück einmal: "Er hätte sich bei Real Madrid durchbeißen sollen." 

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Möglich ist, dass ihm dann der Niedergang - den er derzeit erlebt - erspart geblieben wäre. Dieser hat aber nicht nur mit seiner Rolle bei den Londonern zu tun. 

Denn seit kurz vor der der WM 2018 ist alles anders. 

Die Erdogan-Affäre verändert alles

Özil ließ sich in einer politisch aufgeladenen Zeit mit dem nicht nur in Deutschland umstrittenen türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan ablichten. 

"Nach dem Foto habe ich mich nicht mehr geschützt, nicht mehr respektiert gefühlt. Ich wurde rassistisch angegangen - sogar von Politikern und bekannten Persönlichkeiten", sollte Özil später The Athletic gestehen. Der DFB verurteilt das Verhalten des Nationalspielers seinerzeit scharf - Özil zeigte sich hingegen wenig einsichtig. 

Mentor Elgert beschrieb Özils Charakter einmal wie folgt: "Ein echter Teamplayer, für den das Wir immer wichtiger war als das Ich." Das war bei der Verleihung des Laureus Awards 2014, den Özil für sein soziales Engagements erhielt.

Beim DFB gibt Elgert nach dem Eklat rund um Erdogan aber nicht mehr jeder recht. Nach der Blamage bei der Weltmeisterschaft in Russland zog Özil dann die Reißleine. Ohne es vorher mit Bundestrainer Joachim Löw abzusprechen, trat der Rio-Weltmeister aus dem DFB-Team zurück - per Twitter. 

Die Liebe vieler deutscher Fans büßte Özil nach den Eklats ein, auch bei Arsenal lief es zu dieser Zeit nicht mehr rund. Der Spielmacher, der oftmals als Kapitän auflief, spielte immer weniger - in der Saison 2019/20 dann kaum mehr. 

Arsenal meldet Özil nicht für Premier League

In der laufenden Spielzeit hat Özil noch keine einzige Minute auf dem Rasen gestanden, und nun folgte der nächste große Knall: Der 32-Jährige ist vom FC Arsenal nicht in den 25-Mann-Kader der Premier League berufen worden. Für die Europa League hat ihn der Klub ebenso wenig gemeldet. 

Özil reagierte am Mittwoch mit einem öffentlichen Brief auf die Ausbootung. Demnach sei er "zutiefst enttäuscht", wolle aber trotzdem nicht aufgeben: "Egal was auch passiert, ich werde weiter für meine Chance kämpfen und meine achte Saison bei Arsenal nicht so beenden. Ich werde weiter gut trainieren und meine Stimme nutzen, um mich gegen Unmenschlichkeit und für Gerechtigkeit einzusetzen."

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Özils Zeit beim FC Arsenal scheint allerdings endgültig abgelaufen zu sein. Der Verein will ihn schon lange loswerden, das Problem ist allerdings das üppige Gehalt des Spielers, der seinen bis Sommer 2021 laufenden Vertrag wohl aussitzen will. 

Vielleicht nimmt Özil den Gunners wenigstens noch ein halbes Jahr des Vertrags ab, indem er im Winter wechselt. Doch wohin? Schlange stehen die Klubs nicht mehr - zu lange ist es her, dass der Mittelfeldstratege mit Leistungen und nicht mit Eklats auf sich aufmerksam gemacht hat.

Daher ist die Gefahr durchaus gegeben, dass Özils Karriere nicht so endet, wie es sich der unbestritten große Fußballer wünscht.