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München - Gut sieben Jahre nach seinem Abschied steht Gareth Bale vor seinem Comeback für Tottenham Hotspur. Wo der Starstürmer genau steht, ist eine spannende Frage.

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Gerade als José Mourinho am Rande einer Trainingseinheit vor TV-Kameras davon sprach wie wichtig es sei, dass Gareth Bale eine "glückliche Saison bei uns" habe, alberte der Rückkehrer im Hintergrund herum.

Wie ein kleiner Junge freute sich der mittlerweile 31-Jährige mit seinem Teamkollegen Matt Doherty, der einen Basketball per Fuß im Korb versenkte.

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"Die Mannschaft ist das Wichtigste und Gareth ist hier, um der Mannschaft zu helfen, gleichzeitig kümmern wir uns auch um ihn", sagte Mourinho bei Sky.

Bale gegen West Ham vor Spurs-Comeback

Ob der Coach seinen Starneuzugang bei Tottenham Hotspur im Derby gegen West Ham United (Premier League: Tottenham Hotspur - West Ham United, Sonntag ab 17.30 Uhr im LIVETICKER) erstmals wieder spielen lassen wird, ließ er indes noch offen. "Daher wird die Entscheidung, die wir treffen, sowohl zum Wohle der Mannschaft als auch zu seinem eigenen Wohl sein."

Dennoch deutet vieles auf Bales ersten Einsatz im Spurs-Trikot seit dem 19. Mai 2013 hin. Nach einem Tor als Abschiedsgeschenk beim 1:0-Sieg gegen den FC Southampton kehrte der Waliser wenige Monate später Tottenham den Rücken und wechselte für die damalige Rekordsumme von 101 Millionen Euro zu Real Madrid.

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Jetzt ist Bale wieder zurück bei den Nordlondonern, für eine Saison auf Leihbasis. Nachdem in Spanien zuletzt mehr über sein Golf-Handicap als über Tore des Angreifers debattiert wurde, stellt sich vor Bales Neuanfang bei seiner alten Liebe die Frage: Wie gut ist Bale wirklich noch und kann er Mourinhos Spurs helfen?

"Wenn man nicht glücklich ist, ist es schwierig auf höchstem Niveau zu spielen", blickte Bale kürzlich auf seine zuletzt unbefriedigende Zeit in Madrid zurück. "Ich fühle mich wieder voller Energie. Das führt normalerweise immer zu guten Leistungen."

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Bale bei Real Madrid unter Zidane außen vor

Seine Zeit bei den Königlichen war geprägt von Verletzungen, in der vergangenen Saison stand er nur zwölf Mal in der Startelf. Das Verhältnis zu Zinédine Zidane galt zunehmend als belastet, in den Planungen des Real-Trainers spielte Bale schon lange keine zentrale Rolle mehr.

Dass Bale nun noch mal neu angreifen will, vermittelten auch die Bilder, die er und die Spurs in den sozialen Medien zuletzt verbreiteten. Bale zeigte sich in den Trainingseinheiten am Ball sehr engagiert, auch sein Torabschluss lies die Präzision vergangener Tage erkennen.

Und trotz seines etwas fortgeschrittenen Alters soll er bei den Sprinttests bei Real Madrid zum Restart der Liga nach der Corona-Pause noch immer zu den Schnellsten gezählt haben.

Aber Bale weiß auch, dass er nicht mehr der Jungspund ist, dessen Stern einst 2006 als 16 Jahre alter Debütant beim FC Southampton in der Championship aufging.

"Wenn man jünger ist, will man einfach nur beeindrucken, die ganze Zeit 100 Prozent geben", erklärte Bale kürzlich bei Sky. "Wenn man älter wird, hat man die Erfahrung, sich selbst zu managen, das Spiel zu managen."

Statistiken belegen Bales Stärken

Inwieweit Bale seine Spielweise an Mourinhos System anpassen kann, wird sich zeigen. In einer offensiven Dreierreihe mit Harry Kane und Heung-Min Son dürften Bales Qualitäten noch immer gut zur Geltung kommen.

Rein statistisch sind Bales Fähigkeiten immer noch überdurchschnittlich. Die Times hat errechnet, dass Bale - abgesehen von der vergangenen Saison - seit 2010 alle 180 Minuten an einem Tor beteiligt war. Seit seinem Wechsel zu Real 2013 steuerte Bale sogar in drei Spielzeiten alle 90 Minuten mindestens ein Tor oder einen Assist bei.

Um daran wieder anzuknüpfen, könnte Bale sein Spiel dahingehend umstellen, dass er sich wie Cristiano Ronaldo mittlerweile aus der kraftraubenden Spielgestaltung weitgehend heraushält und seinen Aktionsradius auf die Gefahrenzone vor dem Tor beschränkt. Inwieweit Mourinho Bale allerdings von zu verrichtender Defensivarbeit befreit, bleibt abzuwarten.

"Ich glaube immer noch, dass ich eine Menge zu bieten habe", betonte Bale zuletzt. "Sonst wäre ich nicht hier" Die erste Kostprobe am Sonntag wird mit Spannung erwartet.