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München - Gareth Bale kehrt zurück zu Tottenham. Wird es eine triumphale Rückkehr? Oder ist der Waliser kein Ausnahmespieler mehr und kann den Spurs nicht helfen?

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Euphorie ist etwas, was die Fans von Tottenham Hotspur in letzter Zeit selten verspürt haben dürften. 

Auch in dieser Saison ging es nicht gut los - im ersten Spiel der Premier League unterlagen die Spurs dem FC Everton mit 0:1. Am Sonntag folgte nun ein spektakulärer 5:2-Sieg beim FC Southampton, der den Anhängern schon besser gefallen haben dürfte. Für die Ekstase, die bei ihnen derzeit herrscht, ist allerdings etwas anderes verantwortlich. Und zwar ein Mann mit dem Namen Gareth Bale. 

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Der Superstar kommt für ein Jahr als Leihspieler von Real Madrid zurück zu den Engländern. Und die Fans? Die sind in Jubelstimmung. Bereits am Freitag bei der Ankunft des Angreifers auf dem Trainingsgelände in London empfingen ihn die Anhänger frenetisch.

"Es ist ein besonderer Klub für mich. Seitdem ich gegangen bin, habe ich immer gedacht, ich würde es lieben noch einmal für die Spurs zu spielen", sagte der Rückkehrer am Sonntagabend in einem vom Klub geführten Interview kurz nach der offiziellen Bekanntgabe des Transfers. Sein Lächeln - das in Madrid selten zu sehen war - konnte er nicht verbergen.

Die Welle, die die Bekanntgabe auslöste, war immens. 

Doch bei aller Begeisterung bleibt die Frage: Kann der Waliser die im vergangenen Jahr ins graue Mittelmaß abgerutschte Elf von Coach José Mourinho nach ganz oben führen?

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Zahlreiche Bale-Eklats bei Real

Fakt ist: Bales letzte starke Saison liegt schon länger zurück. 2017/2018 erzielte der Linksfuß in 26 Ligapartien 16 Treffer für Real und kam auch in der Champions League zu drei Toren in sieben Einsätzen. Und was für welchen? Man erinnere sich nur an den phänomenalen Fallrückzieher im Königsklassen-Finale 2018 gegen den FC Liverpool.

Danach? Maximal durchschnittliche Zahlen. Acht Ligatore waren es 2018/2019 noch, in der vergangenen Spielzeit waren es dann sogar nur noch zwei Tore in 16 Partien. 

Auch die regelmäßige Spielpraxis fehlt dem viermaligen Champions-League-Sieger mit den Königlichen. In der vergangenen Saison stand Bale gerade einmal 1260 Minuten auf dem Platz. Nach Ende des Corona-Lockdowns kam der 31-Jährige nur auf 48 Einsatzminuten in zwölf Partien. 

Stattdessen fiel der Waliser zunehmend mit Eklats und Provokationen auf. 

Er verweigerte seine Einwechslung, saß lachend auf der Bank, während seine Kollegen verloren, drehte als Ersatzspieler eine Zeitung gelangweilt zu einem Fernglas zusammen und hielt während einer Partie seines Klubs ein Nickerchen auf der Tribüne. 

Sein Berater beschimpfte Real-Coach Zinedine Zidane als "Schande". Zudem kündigte der Star laut mehreren Medien in der Real-Kabine 2019 an: "Ich habe noch drei Jahre Vertrag. Wenn sie wollen, dass ich gehe, müssen sie mir 17 Millionen Euro pro Saison zahlen. Sonst bleibe ich hier und spiele halt Golf." 

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Es drängt sich also die Frage auf, wo Bale bei den Engländern nach diesen Eklats - und der geringen Spielzeit - seinen Platz findet. Mourinho forderte jüngst: "Ich will, ich brauche einen Stürmer." Bale ist aber kein klassischer Stürmer, und ohnehin steht mit Harry Kane bereits ein Weltklasse-Torjäger parat. Außen hat Mourinho mit Steven Bergwijn, Heung-Min Son, Lucas Moura und Erik Lamela aber bereits starke Spieler. Ist der neue Mann sportlich überflüssig?

Nein! Trotz der Zweifel gibt es sehr viele Gründe, weshalb die Rückkehr zu Tottenham eine triumphale wird. 

Tottenhams Fans verehren den Superstar

Bei den Fans ist Bale nach wie vor sehr beliebt. Das war am Freitag bereits klar zu sehen. Sie haben den Werdegang des verlorenen Sohnes, der von 2007 bis 2013 für die Londoner spielte, genau verfolgt und stets auf eine Wiederkehr gehofft. Nun wäre er der sofortige Publikumsliebling.

Und Bale? "Ich bin hungrig, ich bin motiviert und kann es kaum erwarten bei diesem besonderen Klub und vor diesen besonderen Fans zu starten", kündigte er an. Eskapaden sind also von Bale bei seinem Herzensverein nicht zu erwarten. Stattdessen wohl eher grenzenlose Motivation.

Zudem ist Coach Mourinho ein großer Fan des pfeilschnellen Offensivmannes. Der Portugiese hatte kürzlich erklärt, schon zu seiner Zeit bei Real Interesse an Bale gehabt zu haben. "Das ist kein Geheimnis, und Gareth weiß das." Die beiden sollen laut mehreren Medienberichten bereits lange vor der Wechselverkündung gesprochen haben. Mourinho würde das System mit Sicherheit für Bale so anpassen, dass für den Neuzugang der perfekte Platz geschaffen wird. 

Auch, wenn Bale kein Stürmer ist, strahlt er trotzdem eine enorme Torgefahr aus. Er netzte 2012/13 unter Coach André Villas-Boas in 33 Ligaspielen satte 21 Mal ein und gab neun Vorlagen. Eine herausragende Bilanz für einen Flügelspieler.

Neue Wunderoffensive mit Bale, Kane und Son?

Bale kann für Mourinho auf beiden Flügeln oder als hängende Spitze für Furore sorgen. Die Flexibilität ist sein Plus. Mit Kane, Son und Bergwijn hätte er - egal wo er offensiv spielt - starke Nebenleute.

Vor allem Son ist derzeit in bestechender Form, erzielte bei Southampton vier Tore - es könnte eine neue Wirbelsturm-Offensive entstehen. Mit Son und Kane könnten die Spurs wohl jedem Gegner gefährlich werden. 

Allerdings muss Tottenham womöglich auch einen herben Verlust hinnehmen. Alli soll laut dem Telegraph kurz vor einem Wechsel zu Paris Saint-Germain stehen, am Sonntag stand er nicht im Kader der Spurs. Mourinho sagte auf die Frage, ob er verletzt sei, bei BT Sport vielsagend: "Nein, wir haben einen großen Kader, der nur schwer zu managen ist."

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Bale wird also wohl noch dringender gebraucht, als zunächst gedacht. 

Dass der ehemalige Rekordtransfer immer noch ein außergewöhnlicher Spieler ist, zeigten in den vergangenen beiden Jahren übrigens seine Auftritte bei der Nationalmannschaft. Dort überzeugte er in einem mittelmäßigen Team quasi in jedem Spiel. "Ich bin erst 31 Jahre alt und habe das Gefühl, dass ich in herausragender Form bin und noch viel geben kann", sagte Bale vor einigen Wochen bei Sky Sports

Das Tempo, den Abschluss und die Dribbelstärke gibt es in dieser Kombination weiterhin nur sehr selten und können jede Mannschaft weiterbringen - vor allem in der Premier League! Schnelle Angriffe und viele Abschlüsse zeichnen die Liga aus. Es sind Bales große Stärken. 

Real übernimmt Teil des Bale-Gehalts

Und auch finanziell ist das Risiko für die Spurs gering. Der Waliser kommt als Leihspieler. Real Madrid zahlt laut mehreren Medienberichten sogar noch rund die Hälfte des 30-Millionen-Jahresgehalts. Klappt es mit Bale nicht, verlässt er die Spurs also spätestens im nächsten Sommer wieder und hat dann maximal 15 Millionen Euro gekostet.

Hinzu kommt, dass Bale das Titel-Gen aus Madrid mitbringt. 15 Pokale hat der Offensivmann in Spanien gesammelt. "Ich weiß jetzt, wie man Pokale gewinnt und in Drucksituationen richtig reagiert. Diese Mentalität will ich hier einbringen", kündigte er an. Bei Tottenham würde er schon zur Legende werden, wenn er das Team nach zwölf Jahren wieder zu einem Titel führen würde.