Marcelo Bielsa (r.) ist der neue Trainer von Robin Koch (l.)
Marcelo Bielsa (r.) ist der neue Trainer von Robin Koch (l.) © SPORT1-Grafik: Marc Tirl/Imago/Getty Images
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München - Nach 16 Jahren kehrt Leeds United in die Premier League zurück. Damit der Aufsteiger noch lange erstklassig bleibt, geben die Whites auf dem Transfermarkt richtig Gas.

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RB Leipzig, Lazio Rom und Benfica Lissabon sollen laut übereinstimmenden Medienberichten allesamt an Robin Koch interessiert gewesen sein, doch der deutsche Nationalspieler entschied sich zur Überraschung vieler für Leeds United.

Dabei hätte der 24-Jährige, für den der englische Meister von 1992 knapp 13 Millionen Euro an den SC Freiburg überwies, mit den anderen Interessenten sogar in der Champions League spielen können, stattdessen geht es mit dem Premier-League-Aufsteiger nun gegen den Abstieg.

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Nichtsdestotrotz ist dieser Schritt gar nicht so verkehrt, wie Koch selbst erklärte: "Ich habe mich im Vorfeld natürlich sehr intensiv mit Leeds United beschäftigt und dabei gemerkt, wie groß und traditionsreich der Klub ist. Unglaublich beeindruckt bin ich von der Emotionalität und der Begeisterungsfähigkeit der Fans."

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Und diese sorgen an der Elland Road für "eine der einschüchterndsten Atmosphären im europäischen Fußball", wie Trainer-Legende Sir Alex Ferguson einst lobend über den Erzrivalen sagte.

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Koch will sich unter Bielsa weiterentwickeln

Ein weiteres Argument für einen Transfer zu den Whites ist selbstredend "Magnet" Marcelo Bielsa, der von Pep Guardiola als "bester Trainer der Welt" angesehen wird, den alle nur "Loco", den Verrückten nennen, der ein wahrer Trainer-Fuchs und Taktik-Fanatiker ist.

Der Ex-Wolfsburger Mateusz Klich, der im Mittelfeld von Leeds die Fäden zieht, beschrieb seinen argentinischen Coach im Guardian treffend: "Es ist sehr streng hier, wie beim Militär. Es ist Taktik, Taktik, Taktik. Es ist nicht einfach, denn man braucht Power und Fitness. Aber wir haben nicht gewusst, wie gut wir sein können."

Bayern-Star Javi Martínez ging sogar noch weiter und sagte über seinen Ex-Coach aus Bilbao-Zeiten: "Jeder sollte mindestens einmal in seinem Leben mit ihm zusammenarbeiten." All diese Lobeshymnen haben wohl auch Kochs Entscheidung pro Leeds beeinflusst.

"Ich habe meine Entscheidung sehr bewusst getroffen. Trotz weiterer Angebote von anderen Vereinen war das sportliche Konzept von Leeds für mich einzigartig", so der DFB-Star. "Die sportliche Perspektive, sich unter einem so erfolgreichen Trainer wie Marcelo Bielsa weiterzuentwickeln und mich parallel in der Premier League zu behaupten, war für mich ausschlaggebend."

Ex-Freiburger winkt Stammplatz

Der Schritt auf die Insel mag zwar vielleicht gewagt klingen, doch erst zu einem "kleineren" Klub zu wechseln - mit der Aussicht auf einen Stammplatz in der Innenverteidigung neben Kapitän Liam Cooper - ergibt bei näherer Betrachtung Sinn. Und der Lernprozess unter Bielsa und die Premier League werden Koch bestimmt prägen.

Der Traditionsverein aus West Yorkshire wurde 1919 gegründet, hat eine treue und große Anhängerschaft und der Trophäenschrank ist mit drei englischen Meisterpokalen, einem FA Cup, einem League Cup sowie zwei Community Shields auch gut bestückt.

Als letzter englischer Meister vor Einführung der Premier League musste Leeds 2004 den bitteren Gang in die Zweitklassigkeit antreten, 2007 gar in die dritte Liga, ehe in diesem Sommer nach 16 Jahren Abstinenz die Rückkehr ins Oberhaus gelang.

Damit der Aufsteiger aber nicht gleich wieder in die Zweitklassigkeit abrutscht, wurde auch schon ordentlich Geld in die Hand genommen – rund 70 Millionen Euro!

Leeds geht auf große Shopping Tour

Der ausgeliehene Torwart Illan Meslier wurde für 6,5 Millionen Euro fest verpflichtet, genauso wie Leih-Stürmer Hélder Costa (17,70 Mio. Euro). Neben Koch (13 Mio. Euro) kamen noch die beiden englischen Talente Joe Gelhart (1 Mio. Euro) und Cody Drameh (0,4 Mio. Euro) an die Elland Road. Doch den größten Batzen verschlang der neue Rekord-Transfer Rodrigo, der für 30 Millionen Euro vom FC Valencia in den Norden Englands wechselte.

Die Shopping Tour des Aufsteigers ist aber noch lange nicht beendet: Mit Josko Gvardiol von Dinamo Zagreb soll ein weiterer Innenverteidiger kommen. Der 18-jährige kroatische Nationalspieler soll laut Fabrizio Romano und Sportske Novosti 20 Millionen Euro kosten.

Darüber hinaus sollen die Gespräche mit Rodrigo de Paul von Udinese Calcio weit fortgeschritten sein. Der argentinische Nationalspieler, der auf beiden Flügeln sowie auf der Zehn agieren kann, soll laut italienischen Medienberichten für 35 Millionen Euro nach Leeds kommen.

Zudem verdichten sich die Gerüchte um Lewis Cook vom AFC Bournemouth immer mehr, wie Leeds-Legende Jimmy Floyd Hasselbaink (87 Spiele, 42 Tore) zuletzt bestätigte: "Lewis Cook ist ein wirklich guter Mittelfeldspieler, und ich kann verstehen, warum Leeds ihn zurückhaben will."

Knacken die Whites die 100-Millionen-Euro-Marke?

Der 23-Jährige soll für 17 Millionen Euro zu seinem Jugendklub zurückkehren können. Mit diesen drei weiteren Deals würde die Whites die magische Transfermarke von 100 Millionen Euro um 42 Millionen Euro locker übertreffen und es dem FC Fulham und Aston Villa gleichtun.

Aber Vorsicht, Leeds! Während die Villans in der Saison 2019/20 laut transfermarkt.de 159 Millionen Euro für neue Spieler ausgaben und sich mit Ach und Krach in der Premier League hielten, stiegen die Cottagers 2018/19 trotz Transfer-Ausgaben von 116,5 Millionen Euro wieder in die Championship ab.

Welches Schicksal Leeds in der Saison 2020/21 ereilen wird, steht noch in den Sternen, doch die Stimmung rund um den Aufsteiger ob der hohen Transferausgaben ist im Fan-Lager zwiegespalten.

Daniel Chapman, Mitherausgeber von The Square Ball, eine Fan-Seite von Leeds, sagte in der Yorkshire Evening Post: "Sich darum zu sorgen, zu viel auszugeben, ist ein ehrenwerter Charakterzug in Yorkshire. Aber Leeds hat nicht 16 Jahre von der Premier League geträumt, um sich nur den Souvenirladen anzugucken."

Deswegen heißt das Transfer-Motto beim Premier-League-Aufsteiger offensichtlich auch Klasse, statt Masse, damit Leeds noch lange erstklassig bleibt.