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München - Der FC Chelsea gibt in diesem Sommer mehr Geld als jeder andere Klub aus. Das Team von Frank Lampard plant die Attacke auf die europäische Spitze,

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Stillstand aufgrund der Coronakrise? Von wegen.

Während auf dem Transfermarkt aufgrund der globalen Pandemie in diesem Sommer eher Zurückhaltung herrscht, bläst der FC Chelsea zum Großangriff. Mit Kai Havertz, der für 80 Millionen Euro plus möglicher Boni von Bayer Leverkusen verpflichtet wurde, tätigte das Team von Frank Lampard den bisher teuersten Transfer dieses Sommers.

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Von einem "neuen Michael Ballack" schwärmen die englischen Medien. Doch der 21-Jährige ist nur die Speerspitze einer Transferattacke, die in diesen Zeiten ihres Gleichen sucht – und im Vorfeld angekündigt wurde. "Man merkt, dass uns aufgrund der Transfersperre etwas fehlt, während andere Vereine investiert und sich verbessert haben", hatte Lampard bereits nach dem Ausscheiden im Champions-League-Viertelfinale gegen den späteren Sieger FC Bayern München erklärt.

Chelsea investiert über 200 Millionen Euro

Havertz ist der bislang letzte von sechs hochkarätigen Neuzugängen. Zuvor wurden mit Timo Werner (RB Leipzig, 53 Millionen Euro) und Hakim Ziyech (Ajax Amsterdam, 40 Millionen) zwei Angreifer verpflichtet, mit Malang Sarr (OGC Nizza, ablösefrei, soll direkt wieder verliehen werden), Routinier Thiago Silva (Paris Saint-Germain, ablösefrei) und Ben Chilwell (Leicester City, 50 Millionen) lotste Lampard drei Defensivspieler an die Stamford Bridge.

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Gesamtvolumen der bisherigen Ausgaben: 223 Millionen Euro. Damit sind die Blues bisher der mit Abstand spendabelste Klub dieses Sommers. In Zeiten von Corona werden da natürlich Zweifel laut. Wie können die Blues um Eigner Roman Abramovich so viel Geld ausgeben, während die meisten der europäischen Topklubs den Gürtel enger schnallen müssen?

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Als eine Antwort dient ein Blick in die jüngere Vergangenheit. Lampard übernahm seinen alten Klub im vergangenen Sommer unter denkbar schwierigen Voraussetzungen. Er verlor mit Eden Hazard seinen absoluten Starspieler, der Belgier wechselte für eine dreistellige Millionensumme zu Real Madrid. Diese kann laut eines Berichts der belgischen Zeitung Het Laatste Nieuws, die sich auf eine Veröffentlichung der FIFA bezieht, auf bis zu 160 Millionen Euro ansteigen.

Lampard trotzt Transfersperre

Doch aufgrund einer verhängten Transfersperre durfte Lampard keinen Ersatz verpflichten. Den Deal des Ex-Dortmunders Christian Pulisic hatten die Blues schon im Winter eingefädelt.

Ansonsten musste Lampard mit dem Vorlieb nehmen, was der Chelsea-Kader hergab. Und er machte aus der Not eine Tugend. Er bediente sich aus der berüchtigten "Leih-Armee" der Blues und formte aus Spielern wie Mason Mount, den er aus seiner Zeit bei Derby County noch kannte, Tammy Abraham und Reece James eine junge, schlagkräftige Truppe.

Viel hatten Experten der neu zusammengewürfelten Mannschaft nicht zugetraut. Lampard strafte sie Lügen. Vor allem in der Hinrunde der abgelaufenen Premier-League-Saison zeigten die Blues erfrischenden Offensivfußball. Doch zum Ende der Saison ging Lampards jungen Wilden die Puste aus. Dennoch klappte es mit der Champions-League-Qualifikation. Fast hätte es sogar zu einem Titel gereicht, doch im FA-Cup-Finale verloren die Blues gegen den FC Arsenal.

Dass Chelsea allerdings zur europäischen Spitze noch ein gutes Stück fehlt, zeigte nicht zuletzt das Messen mit den Bayern, bei dem man letztlich chancenlos war.

"Es hat mir klargemacht, dass dies das nächste Level ist, auf das ich kommen muss. Und ich bin entschlossen, hart zu arbeiten und dieses Niveau zu erreichen", erklärte Shooting-Star Mount selbstkritisch bei Sportbible.

Dieses nächste Level wird bei den Blues nun in Angriff genommen. Die aktuelle Transferoffensive dürfte noch nicht beendet sein. Zumindest ein neuer Torwart soll noch kommen, nachdem Kepa Arrizabalaga, seines Zeichens teuerster Keeper der Welt, in seinen zwei Jahren an der Stamford Bridge nicht überzeugen konnte.

Temporeiche Offensive als Prunkstück

Doch auch ohne einen neuen Keeper besticht der aktuelle Chelsea-Kader durch eine Breite, die im europäischen Spitzenfußball ihresgleichen sucht. Ohne Sarr zählen aktuell 38 Spieler zum Kader des Champions-League-Siegers von 2012. Möglicherweise wird dieser bis zum Saisonstart am 14. September noch etwas schlanker, doch durch die aufgrund der Coronakrise zusammengepresste Saison kann eine qualitative Breite ein wichtiger Trumpf sein.

Mit Thiago Silva hat man die mit 54 Gegentoren in der abgelaufenen Saison wacklige Defensive um Antonio Rüdiger um einen Routinier verstärkt. Sarr ist eine Investition in die Zukunft, Linksverteidiger Chilwell fester Bestandteil der Three Lions.

Doch das neue Prunkstück Chelseas ist die temporeiche Offensive. Mit Werner, dem besten deutschen Stürmer, holte Lampard das Gegenstück zu den körperlich robusteren Abraham und Olivier Giroud.

Ziyech, der mit Ajax Amsterdam vor einem Jahr bis ins CL-Halbfinale vordrang, besticht durch eine überragende Technik und Ballbehandlung. Der Marokkaner kommt in der Regel über die Flügel, kann aber auch hinter den Spitzen einsetzt werden.

Chelsea bald mehr als Geheimfavorit?

Doch dieser Platz dürfte für Havertz reserviert sein. Egal ob Lampard im 4-3-3 oder im 4-2-3-1 spielen lässt, Havertz soll im Mittelfeld die Fäden ziehen und damit Mount Konkurrenz machen. Mit Werner und Abraham ist nun auch eine Doppelspitze bei den Blues möglich. Der frühere BVB-Stürmer Michi Batshuayi soll dagegen erneut verliehen werden.

Mit den drei hochkarätigen Neuzugängen hebt Lampard die junge Offensive nach den Abgängen von Willian und Pedro auf ein neues Level. Eine mögliche Angriffsreihe um Werner, Havertz, Ziyech und Christian Pulisic dürfte die Fans des sechsmaligen Champions vom ersten Meistertitel seit 2017 träumen lassen. Zumal Lampard mit Callum Hudson-Odoi noch ein weiteres Talent in der Hinterhand hat.

Vor allem aber ist diese Chelsea-Truppe eines: entwicklungsfähig. Dass Lampard Spieler weiterentwickeln kann, hat er bereits bewiesen. Jetzt ist er gefragt, das riesige Potenzial, aus der Mannschaft herauszukitzeln.

Gelingt ihm das, könnte der FC Chelsea mittelfristig mehr als ein Geheimfavorit auf nationale und internationale Titel sein.