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München - 2015 steht die Profikarriere von Édouard Mendy vor dem Ende. Ein Jahr lang ist der Torhüter ohne Verein. Fünf Jahre später wechselt er zum FC Chelsea.

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Es ist die Geschichte eines Fußballers, der früh lernen musste, mit Rückschlägen umzugehen. Eines mittlerweile 28-Jährigen, der nie aufgab. Eines Senegalesen, der immer stärker zurückkam. 

Es ist die Geschichte von Édouard Mendy, dem neuen Torwart des FC Chelsea. 

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Profikarriere von Mendy startet mit zwei Abstiegen

Édouard Mendy startete seine Profikarriere im Jahr 2011 beim Drittligisten AS Cherbourg, nahe seiner Heimatstadt Le Havre im Norden Frankreichs. Als Torwart Nummer drei verpflichtet, kam der Senegalese in seiner ersten Profisaison in fünf Spielen zum Einsatz, dabei machte der damals 19-Jährige auf sich aufmerksam und kletterte nach und nach in der Torhüter-Rangordnung nach oben.

Doch auch das Jungtalent konnte in seiner dritten Saison beim Klub aus der Normandie den Abstieg nicht verhindern. Was Mendy damals noch nicht wusste: es sollte der erste von vielen Rückschlägen in seiner Karriere werden.

Zwar wurde der mittlerweile 28-Jährige anschließend zum Stammkeeper ernannt, konnte jedoch auch den zweiten Abstieg in Folge nicht verhindern. Folglich wurde sein Vertrag bei Cherbourg aufgelöst. Mit 23 Jahren stand der Torwart plötzlich ohne Verein da.

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Mendy meldet sich arbeitslos

In den Folgemonaten wartete Mendy auf den Anruf eines Beraters, der ihm einen Wechsel nach England versprochen hatte. Der Anruf blieb jedoch aus. Da Mendy fest mit einem Wechsel auf die Insel gerechnet hatte, hatte er sämtliche Angebote aus Frankreich ausgeschlagen. Folglich stand er zum Saisonstart ohne Klub da.

Ohne Vertrag kehrte er in seine Heimatstadt Le Havre zurück, wo er sich arbeitslos meldete. "Er versuchte in Form zu bleiben: er ging alleine Joggen, ging ins Fitnessstudio und trainierte mit ein paar Klubs aus der Region. Er gab niemals auf", sagte sein ehemaliger Mitspieler Ted Lavie der britischen BBC.

Ex-Teamkollege beschert zweite Chance

Lavie bescherte dem Torwart - Mendy war mittlerweile ein Jahr vereinslos - eine zweite Chance. "Ich sprach mit einem meiner Freunde, Dominique Bernatowicz, verantwortlich für die Torhüter in der Akademie von Marseille. Er suchte noch nach einem Torwart", erzählte Lavie. "Ich sagte ihm, dass ich früher mit einem sehr guten, großen, intelligenten Typen gespielt hatte, der sich noch in vielen Bereichen verbessern kann. Ich fügte an, dass er versuchte, einen neue Gelegenheit zu finden", so Lavie weiter.

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Daraufhin kontaktierte Bernatowicz Mendy und bot ihm ein Probetraining an. Mendy ergriff die Chance, überzeugte Bernatowicz und sicherte sich einen Amateurvertrag bis Saisonende. Als Torwart Nummer vier kam Mendy, wie auch schon zu Beginn seiner Zeit in Cherbourg, jedoch kaum auf Spielzeit. Stand der Senegalese doch Mal auf dem Platz, dann war es für die zweite Mannschaft.

Trotzdem erhielt das Talent nach dem Ende seines Amateurvertrages einen Profikontrakt über zwei Jahre. Mendys Freund Lavie hatte jedoch andere Pläne für den Torwart. "Ich habe nicht für ihn entschieden, aber ich sah es für ihn als nutzlos an, als zweiter oder dritter Torwart bei Marseille zu bleiben", sagte Lavie, der sich nach Interessenten für den Senegalesen umhörte und in Zweitligist Stade Reims fündig wurde.

Mendy soll beim FC Chelsea Kepa herausfordern

In der Saison 2017/18 stieg der 1,96 Meter-Riese dann zum Stammtorwart auf. Auch dank ihm - Reims kassierte nur 19 Tore in 38 Spielen - stieg der Klub in die Ligue 1 auf. Im französischen Oberhaus knüpfte Mendy nahtlos an seine starken Leistungen aus der Vorsaison an, blieb in 14 Spielen ohne Gegentor. Anschließend wechselte er für 7,6 Millionen Euro zum Ligakonkurrenten Stade Rennes. 

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2018 folgte dann das Debüt für die Nationalmannschaft des Senegal, für die Mendy beim Africa Cup 2019 in Ägypten das Tor hütete. Dort verletzte er sich jedoch in der Gruppenphase an der Hand und musste mit ansehen, wie seine Mannschaft im Finale Algerien unterlag. Es war der bislang letzte Rückschlag in seiner Karriere.

Nun folgte also der 25-Millionen-Euro-Wechsel zum FC Chelsea, dem Verein, dem Mendy schon seit Kindheitstagen die Daumen drückt. "Ich bin von klein auf ein Chelsea-Fan gewesen. Ich liebe diesen Klub", sagte der Senegalese, der ab sofort den teuersten Torwart der Welt, Kepa Arrizabalaga, herausfordern soll. Der Spanier steht in London in der Kritik und hatte seinen Platz in der vergangenen Saison bereits an Routinier Willy Caballero verloren.

Gute Voraussetzungen für Mendy also, sein Märchen als Nummer eins der Blues fortzuschreiben.