Rúben Neves, Joao Moutinho und Pedro Neto (v.l.) zählen zu den Protagonisten des Wolves-Aufschwungs
Rúben Neves, Joao Moutinho und Pedro Neto (v.l.) zählen zu den Protagonisten des Wolves-Aufschwungs © Getty Images
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München - Die Wolverhampton Wanderers haben in drei Jahren einen bemerkenswerten Aufschwung hingelegt. Die Protagonisten des Erfolgs haben eines gemeinsam: Sie sind Portugiesen.

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Die englische Stadt Wolverhampton wäre für die meisten sonnenverwöhnten Portugiesen wohl einer der letzten Orte, an denen sie freiwillig Urlaub machen würden. 

"Relativ trist", beschrieb der Deutsch-Ghanaer Phil Ofosu-Ayeh die Stadt im Gespräch mit SPOX. Er hatte ab dem Sommer 2017 ein Jahr im Herzen Englands verbracht.

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Die Sommer sind in den West Midlands kurz und oftmals verregnet, die Winter hingegen lang und - man ahnt es - ebenfalls verregnet. Bekannt ist Wolverhampton in England vor allem für Betriebe, die sich mit Ingenieurswissenschaften beschäftigen. Mit rund 250.000 Einwohnern ist sie die dreizehntgrößte Stadt des Landes.

Seit dem Sommer 2017 verschlug es trotz dieser Vorzeichen eine ganze Reihe an Portugiesen nach Wolverhampton. Sie alle sind aber nicht gekommen, um Urlaub zu machen.

Sie machten den städtischen Klub in kurzer Zeit zu dem, was er heute ist. Ein Aspirant auf die Qualifikation für die Champions League. (Premier League: Wolverhampton Wanderers - FC Arsenal ab 18.30 Uhr im LIVETICKER)

Alles beginnt mit Jorge Mendes

Der märchenhafte Aufschwung begann mit Jorge Mendes. Der Portugiese ist hauptberuflich Spielerberater, zu seinen Klienten zählen unter anderem Cristiano Ronaldo und José Mourinho. 

Mendes berät allerdings auch Großkonzerne, die in das lukrative Fußball-Geschäft einsteigen wollen. Das tat er auch im Sommer 2016. Das Ergebnis: Der chinesische Multikonzern Fosun übernahm die Wolverhampton Wanderers für rund 60 Millionen Euro.

Seither zahlten die Wolves stolze 290 Millionen Euro allein an Ablösesummen für Neuzugänge. In den vergangenen beiden Jahren wurde jeweils die 100-Millionen-Marke geknackt.

Jorge Mendes (l.) mit Cristiano Ronaldo, dessen Mutter Maria Dolores dos Santos und dessen Sohn Cristiano Ronaldo JR
Jorge Mendes (l.) mit Cristiano Ronaldo, dessen Mutter Maria Dolores dos Santos und dessen Sohn Cristiano Ronaldo JR © Getty Images

Als Fosun vor vier Jahren einstieg, spielte der Klub noch in der zweiten Liga. Als sich der damalige Trainer Paul Lambert - der als Spieler auch für Borussia Dortmund kickte - von der Übernahme wenig begeistert zeigte, war der Weg für den Protagonisten des Märchens frei. 

Am 31. Mai 2017 wurde Nuno Espí­rito Santo in Wolverhampton als neuer Coach vorgestellt. Zuvor hatte der Portugiese unter anderem den FC Porto und den FC Valencia trainiert. Beide Stellen hatte ihm ein alter Bekannter beschafft: Jorge Mendes. 

Santo stellt die Weichen für den Erfolg

"Ich mag Herausforderungen", waren die ersten drei Worte, die Santo bei seiner Vorstellung sagte. "Ich lehnte Angebote von Champions-League-Klubs ab. Ich glaube an das Projekt und will hier etwas aufbauen", führte er aus. Um dann genau das zu tun.

Der frühere - als Spieler recht erfolglose - Torwart schaffte in der englischen Provinz professionelle Strukturen und brachte sofort Erfolg. In seiner ersten Saison holten die Wolves die Zweitliga-Meisterschaft und machten damit den souveränen Aufstieg in die Premier League klar. 

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Santos gilt als herausragender Motivator und Defensivspezialist. Niemals weicht er von seinem System mit drei Innenverteidigern ab. Nach Ballgewinnen folgen blitzschnelle Konter.

"Jeder Ball, den man verliert, ist zu 100 Prozent eine Kontermöglichkeit für sie", beschrieb Liverpool-Coach Jürgen Klopp jüngst die Stärken der Wolves.

Als Aufsteiger stellte Wolverhampton die viertbeste Abwehr der Premier League und belegte einen sensationellen siebten Platz, der für die Teilnahme an der Europa League berechtigte. Zudem kegelten die Wanderers den FC Liverpool aus dem FA Cup und erreichten das Halbfinale. 

Neun Portugiesen bei den Wolves unter Vertrag

Möglich machten diesen beeindruckenden Aufschwung vor allem - na klar - die portugiesischen Spieler.

Mendes schleuste fast eine ganze Startelf in Wolverhampton ein. Derzeit stehen ganze neun Portugiesen bei den Wolves unter Vertrag. Fast alle Akteure sind Klienten seiner Beraterfirme Gesti­Fute. 

Der Klub verpflichtete unter anderem den portugiesischen Nationaltorwart Rui Patrício und den 121-maligen Nationalspieler Joao Moutinho. Auch Shootingstar Rúben Neves ist ein großer Teil der Erfolgsstory. Er kam im Sommer 2017 für 18 Millionen Euro in die englische zweite Liga.

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Der 23-Jährige hat bereits 16 Länderspiele für Portugal bestritten. Schon vor seinem Wechsel nach England galt er als großes Talent, diese Erwartungen übertrifft er aber seitdem Woche für Woche.

Rúben Neves bei seiner Lieblingsbeschäftigung: Er trifft aus der Distanz
Rúben Neves bei seiner Lieblingsbeschäftigung: Er trifft aus der Distanz © Getty Images

Neves' Spezialität: Distanzschüsse. "Es war Poesie", sagte Santo einmal nach einem seiner vielen Treffern aus der Distanz. Ein wenig Poesie gehört eben zu jedem Märchen dazu.

"Nichts scheint ihnen im Weg zu stehen"

In dieser Saison steht das Team von Santo sogar noch etwas besser da. Nach 32 Spielen belegen die Wolves Rang sechs. Nur zwei Punkte trennen sie von einem Startplatz für die Champions League. 

Seit dem Restart gewannen sie alle drei Spiele (alle zu null). In den Partien ließen sie insgesamt nur drei Schüsse der Gegner zu. In den letzten acht Spielen kassierte Wolverhampton nur zwei Gegentore. Keine andere Mannschaft in Europas Top-5-Ligen kann eine derartige Statistik vorweisen.

Die Spieler sollen sogar noch fitter sein, als sie es vor der Corona-Pause waren. Die Werte der Akteure sollen während des Trainings zu Hause mit modernster Technologie verfolgt worden sein.

"Es ist, als hätten sie keine Pause gemacht", verriet Ex-Mittelfeldspieler Dave Edwards in einem wöchentlichen Wolves-Podcast von The Athletic. "Sie haben dort weitergemacht, wo sie in den letzen drei Jahren aufgehört haben, seitdem Nuno verantwortlich ist. Sie scheinen viel mehr gemacht zu haben, als jeder andere Klub."

Edwards verbrachte neun Jahre bei den Wolves. Als Santo kam, endete seine Laufbahn in Wolverhampton allerdings. Seitdem hat er einen Eindruck erlangt, der sich in den vergangenen drei Jahren förmlich aufdrängt hat: "Nichts scheint ihnen im Weg zu stehen." Nicht einmal der Regen in Mittelengland.