Michael Johnson (l.) wurde eine große Karriere prophezeit - es kam anders
Michael Johnson (l.) wurde eine große Karriere prophezeit - es kam anders © Getty Images
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Michael Johnson wurde eine große Karriere prophezeit. Statt Großtaten auf dem Platz erlebt der Youngster vom ManCity aber nur Depressionen und Alkoholprobleme.

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Geld, Rampenlicht, die Leidenschaft als Beruf: Für viele ist "Fußballprofi" ein absoluter Traumjob. 

Doch das Leben als hochbezahlter Kicker bringt auch viele Schattenseiten mit sich - und nicht alle Talente, die auf höchster Ebene anklopfen, sind auch tatsächlich für das Millionengeschäft prädestiniert. 

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Einer, der mit dem Trubel um seine Person nie klar kam, ist Michael Johnson. Der heute 32 Jahre alte Brite war einst ein vielversprechender Youngster in den Diensten von Manchester City. Im Alter von 19 Jahren sahen nicht wenige Trainer und Experten sogar einen kommenden Weltstar in dem offensiven Mittelfeldspieler. 

So zum Beispiel der ehemalige englische Nationaltrainer Sven Göran Eriksson. Er bezeichnete Johnson damals als den "komplettesten jungen Spieler, den ich je gesehen habe." Laut Ex-Teamkollege Didi Hamann war Johnson in jungen Jahren sogar besser als Steven Gerrard und Michael Ballack zu Beginn ihrer großen Karrieren. 

"Habe versucht, meinen Gefühlen zu entkommen"

Doch Johnson legte nach seinem Premier-League Debüt 2006 nicht die erwartete Laufbahn hin, das Schicksal hielt einen völlig anderen Weg für ihn parat. Mehrere schwere Verletzungen, Depressionen und Alkohol-Probleme pflasterten seinen Weg, ehe er dem Fußball Ende 2012 mit 24 Jahren den Rücken zuwandte. Wenig später sagte er: "Ich wäre dankbar, wenn man mich jetzt für den Rest meines Lebens in Ruhe lassen würde." Seitdem ist es ruhig geworden um den Ex-Kicker, der immerhin 37 Spiele in der Premier League absolvierte. 

Nun, mit vielen Jahren Abstand, gab er ein Interview und blickte auf seinen Absturz zurück. 

"Ich bin mit den Dingen falsch umgegangen. Ich hatte zu viel Freizeit", sagte Johnson bei The Athletic. Er ging aus und trank - dies sei seine Art gewesen, mit den Emotionen umzugehen. "Ich habe versucht, mir selbst ein kurzzeitiges Hoch zu verschaffen, mich für kurze Zeit gut zu fühlen. ich habe mit dem Trinken versucht, meinen Gefühlen zu entkommen." 

Ihm sei bewusst, dass er damit in der Öffentlichkeit ein schlechtes Bild abgegeben habe. Nicht selten wurde er in diversen Nachtklubs gesehen und fotografiert. "Vielleicht haben die Leute gedacht: 'Er schert sich einen Dreck', er hat diese Art von Einstellung. Aber es war umgekehrt. So ist das mit Depressionen. Wenn du in dieser Denkweise feststeckst, versuchst du alles, damit du dich besser fühlst." 

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Unter Eriksen schaffte er 2007 den Durchbruch in der Premier League - debütiert hatte der ehemalige Jugendspieler des FC Everton schon mit 18 - und machte 23 Spiele. Er durfte gegen die großen Klubs wie Arsenal und Manchester United ran. Spätestens nach seinem ersten Tor gegen Derby County wurde er öffentlich gefeiert. 

Und für seine guten Leistungen wurde er auch prompt belohnt. Johnson unterschrieb einen Fünf-Jahresvertrag bei City, kurz nachdem die Abu Dhabi Group bei dem Klub das Ruder übernahm.

Nach gefährlichen Alkoholfahrten ist Schluss

Dann der große Rückschlag, eine Verletzung im Unterleib, von der er sich nie wirklich erholte. Weitere sollten zudem folgen, er machte nur noch vier Pflichtspiele in fünf Spielzeiten für Manchester. "Das Fußball spielen hat mich nicht glücklich gemacht. Ich dachte, dass es das tun würde, deshalb habe ich meine ganze Energie da reingesteckt." 

Die Hoffnung auf regelmäßige Einsätze im ersten Team ließen ihn weiter arbeiten. Ein Ziel, an das er sich vergeblich klammerte. "Es ist eine so fehlerhafte Art zu denken, nicht wahr? Es ist dann alles über mich hereingebrochen, als ich realisiert habe, dass alles, wofür ich gearbeitet habe, falsch war." 

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Die Tortur ging weiter, bis die Laufbahn des verhinderten Fußball-Stars 2012 einen neuerlichen Tiefpunkt erfuhr. Zweimal wurde er betrunken am Steuer erwischt und musste 5.500 Pfund zahlen. Seinen Führerschein war er für drei Jahre los, rückblickend nennt er die Alkoholfahrten "gefährlich und falsch." Die Trainer sprachen ihm die nötige Einstellung ab, ehe er die Reißleine zog und sich in einer Klinik professionelle Hilfe suchte. Im Januar 2013 war seine Karriere als Profi endgültig vorbei, sein Vertrag wurde aufgelöst. 

Mittlerweile geht es dem einstigen Fußballer übrigens deutlich besser. Er ist verheiratet und hat ein Kind. Zusammen mit seinem Vater verkauft er amerikanische Autos, zwischenzeitlich eröffnete er sogar ein Restaurant. 

Für viele Menschen mag der Job als Fußballprofi ein Traum sein - für Michael Johnson war er es mit Sicherheit nicht.  

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Anmerkung der Redaktion: Wenn Sie sich selbst von Depressionen und Suizidgedanken betroffen fühlen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge (http://www.telefonseelsorge.de). Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die schon in zahlreichen Fällen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen konnten. 

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