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München - Ole Gunnar Solskjaer kam vor 24 Jahren zu Manchester United, als Cheftrainer tritt er nach einer Wahnsinnsaufholjagd in Sir Alex Fergusons Fußstapfen.

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Jener 29. Juli 1996 hat das Leben eines damals 23-jährigen Norwegers mit Milchgesicht für immer verändert.

Damals wechselte ein gewisser Ole Gunnar Solskjaer zum großen Manchester United. Ole wer? Das fragten sich viele Fans und Experten, schließlich wurde damals Englands EM-Star Alan Shearer im Old Trafford gehandelt.

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Der Nobody, der für Molde FK in Norwegen bereits seinen unglaublichen Torriecher bewiesen hatte, brauchte aber nicht lange, um sich in die Herzen der Fans der Fans zu spielen. Ganze sechs Minuten vergingen beim seinem Debüt - natürlich als Joker - bis zum ersten Tor gegen Blackburn.

24 Jahre später ist Solskjaer zwar ergraut, hat aber immer noch das spitzbübische Grinsen von einst und scheint als Cheftrainer der Red Devils nun sein Schicksal zu erfüllen.

Im Januar stand Solskjaer vor Rauswurf

Dabei sah es im Januar noch ganz anders aus. Nach einer Heimpleite gegen Burnley, drei Niederlagen aus vier Spielen, gewaltiger Rückstand auf Tabellenführer Liverpool, aber auch 14 Punkte hinter dem drittplatzierten Leicester City.

Solskjaer stand nach 15 Siegen aus 19 Spielen als Interimstrainer und dem furiosen 4:0-Saisonauftakt gegen Chelsea plötzlich vor dem Aus. Das Vertrauen der Verantwortlichen zahlte sich jedoch aus.

Mit Solskjaers Wunschspieler Bruno Fernandes kam der Umschwung und plötzlich drehte die bis dahin selten überzeugende Offensive gewaltig auf.

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Alte ManUnited-Philosophie wieder in Mode

Mit einer furiosen Serie von 18 Pflichtspielen in Serie ohne Niederlage trotzte United auch dem Corona-Stopp und schaffte am Ende mit dem Sieg in Leicester sogar noch das zweite Top-Drei-Finish seit dem Rücktritt des legendären Sir Alex Ferguson im Jahr 2013.

Die Legende ist ohnehin ein Mentor für Solskjaer. Er schätzte ihn ungemein als Spieler, beide tauschen sich nun regelmäßig aus, Ferguson wird sogar hin und wieder eingeladen, um zum Team zu sprechen. "Er hat mich in allem beeinflusst", sagt Solskjaer.

Nach teils chaotischen Jahren besinnt man sich beim englischen Rekordmeister wieder auf die Ferguson-Philosophie: Offensivfußball, Entwicklung eigener Talente an der Seite von Topstars - und natürlich späte Tore.

Solskjaer hat das United-Gen

Solskjaer trägt diese DNA wie kaum ein anderer in sich. Sein Siegtreffer im Champions-League-Finale 1999 gegen den FC Bayern München machte ihn zur Legende.

Ole Gunnar Solskjaer schockte den FC Bayern im Champions-League-Finale 1999
Ole Gunnar Solskjaer schockte den FC Bayern im Champions-League-Finale 1999 © Imago

Der "Super Sub" oder "Babyfaced Assasin" war immer bereit und voll da. In der Triple-Saison wurde er beispielsweise in Nottingham beim Stand von 4:1 in der 72. Minute eingewechselt und schoss noch unglaubliche vier Tore.

Dieses United-Gen setzt er auch als Trainer konsequent um. Speziell nach dem Restart erinnerte sein eiskaltes Team an Fergusons goldene Jahre.

Als erstes Team der Premier-League-Historie gewannen sie vier Spiele in Folge mit mindestens drei Toren Unterschied. Jungstar Mason Greenwood wurde bei ihm zum Stammspieler. Andere Youngster wie Brandon Williams warf er direkt ins kalte Wasser und selbst der manchmal rätselhafte Paul Pogba blühte neben Bruno Fernandes plötzlich auf.

Nach innen knallhart

Bei Solskjaer dürfen die Spieler wieder Fehler machen, wie Fernandes und Pogba mit risikoreichen Pässen oder Greenwood mit seinen Highspeed-Dribblings oder Aaron Wan-Bissaka mit seinen Tacklings.

"Als Ole kam, war es als wäre Sir Alex wieder durch die Tür gekommen", sagte schon der frühere Kapitän Ashley Young.

Nach außen verteidigt Solskjaer seine Spieler, aber nach innen kann er knallhart wie der Schotte sein. "Wenn er sauer wird, dann wird er richtig sauer und lässt es die Leute wissen. Damit verschafft er sich Respekt, wie Sir Alex", sagte Young.

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Solskjaer beobachtet Ferguson akribisch

Spätestens ab einer Knieverletzung 2003 beobachtete Solskjaer seinen Boss mit Blick auf eine Trainerkarriere akribisch. "Da hab ich angefangen, mir Notizen zu machen, wie er bestimmte Situationen meisterte, wie er 25 Nationalspieler glücklich und hungrig hielt, aber auch wie er mit den Mitarbeitern und dem Umfeld umging", sagt der Norweger, der zwischen 2008 und 2011 bereits die United-Reserve trainierte.

Entsprechend klar ist sein Motto: "Wenn du für United spielst, dann spielst du ohne Angst, mit Mut, gehe Risiken ein!" Ferguson hätte es wohl nicht besser sagen können.

Vielleicht war es einfach Solskjaers Schicksal, dem erfolgreichsten Vereinstrainer aller Zeiten nachzufolgen.