Pep Guardiola (l.) setzt bei Manchester City künftig auf Nathan Aké
Pep Guardiola (l.) setzt bei Manchester City künftig auf Nathan Aké © SPORT1-Grafik: Marc Tirl/Getty Images/iStock
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München - Pep Guardiola macht die Innenverteidigung als Schwachstelle von Manchester City aus. Deshalb soll ein Niederländer zum Königstransfer des Vizemeisters werden.

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Eigentlich kann man Jürgen Klopp nicht genug dafür loben, in diesem Jahr die Meisterschaft mit dem FC Liverpool gewonnen zu haben.

Denn damit war klar, dass Pep Guardiola erst zum vierten Mal seit 2009 am Ende einer Saison nicht Meister wird. Einmal musste der Katalane Real Madrid den Vortritt lassen (2012), einmal weilte er vor seiner Bayern-Zeit im Sabbatical (2013), einmal war der FC Chelsea besser (2017) - und jetzt Liverpool.

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Damit die Vizemeisterschaft nur ein Ausrutscher bleibt, investiert Guardiolas Manchester City. Nach der vermiedenen Sperre für die Champions League und den Einnahmen für den zum FC Bayern gewechselten Leroy Sané (ca. 45 Millionen Euro) ist die Schatzkammer der Citizens prall gefüllt - trotz Corona.

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Sané wird aller Voraussicht nach mit dem spanischen Youngster Ferran Torres (FC Valencia) ersetzt, der teuerste und zugleich wichtigste Neuzugang heißt aber Nathan Aké.

Ähnlichkeit mit Virgil van Dijk

Der 25-Jährige kommt laut übereinstimmender Medienberichte aus England für 40 Millionen Pfund (44 Millionen Euro) von Absteiger AFC Bournemouth, eine Einigung wird kurzfristig erwartet.

Aké fliegt außerhalb Englands eher unter dem Radar, trotz bereits 146 Spielen in der Premier League kommt er erst auf elf Länderspiele für die Niederlande.

Auf der Insel wird der Innenverteidiger jedoch hoch geschätzt - und erinnert dabei frappierend an Virgil van Dijk.

Auch der Superstar vom FC Liverpool kam mit Mitte 20 von einem Klub der Mittelklasse (FC Southampton), auch er spielt für Oranje, hatte zum Zeitpunkt seines Wechsels erst 16 Länderspiele auf dem Konto und spielt in der Innenverteidigung. Beide stammen nicht aus der berühmten Ajax-Jugend, sondern wurden bei Feyenoord Rotterdam (Aké) sowie Willem II (van Dijk) ausgebildet und haben ihre Wurzeln in Afrika.

Und für beide wurden - so die Meinung vieler Experten und Fans zum Zeitpunkt der Wechsel - zu hohe Ablösen bezahlt.

Van Dijk (84,6 Millionen Euro Ablöse) hat diese Zweifel längst zerstreut, der 29-Jährige gilt als bester Verteidiger der Welt und wurde 2019 zu Europas Fußballer des Jahres gewählt.

Topwerte in der Premier League

Für Guardiola soll nun Aké zu Manchester Citys van Dijk werden.

Der Trainer hat die Innenverteidigung der Citizens als Schwachstelle seines Teams ausgemacht, tatsächlich kassierte City bis zu Liverpools Meisterschaft am 31. Spieltag zwölf Tore mehr als die Reds. Im Gegensatz zu den gewonnenen Titeln 2018 (0,7) und 2019 (0,6) lag der Schnitt bei 0,9 Gegentoren pro Spiel.

City gelang es nicht, Klublegende Vincent Kompany nach seinem Abgang nach Anderlecht adäquat zu ersetzen. Guardiola experimentierte in der Innenverteidigung mit John Stones, Nicolas Otamendi, Eric Garcia und Fernandinho, nur Aymeric Laporte war - wenn er gesund war - gesetzt.

Aké fiel beim Absteiger aus Bournemouth regelmäßig positiv auf und trug zuletzt auch die Kapitänsbinde. Wegen einer Muskelverletzung verpasste er die letzten drei Spiele und musste tatenlos dabei zuschauen, wie seine Kollegen den Klassenerhalt verspielten.

Nathan Aké (r.) und Virgil van Dijk treffen sich regelmäßig im niederländischen Nationalteam
Nathan Aké (r.) und Virgil van Dijk treffen sich regelmäßig im niederländischen Nationalteam © Imago

"Zunächst muss ich sagen, dass er ein toller Mensch ist. Ich spreche mit ihm immer wieder beim Nationalteam. Und ich denke, er ist auch ein fantastischer Spieler", sagte van Dijk im Bournemouth Echo über Aké. "Er hat das mit gewonnenen Zweikämpfen bewiesen und hat nochmal einen Schritt gemacht, als er die Kapitänsbinde bekommen hat. Es ist gut zu sehen, dass er besser wird."

Akés 29 geblockte Schüsse sind mehr als doppelt so viele wie der beste City-Profi aufzuweisen hat (Fernandinho, 14). Sechsmal verhinderte er mit einem beherzten Tackling im Strafraum einen gegnerischen Torabschluss, seine Passgenauigkeit von 87,6 Prozent gehört zu den Topwerten aller Premier-League-Verteidiger. Zudem ist Aké trotz nur 1,80 Meter Körpergröße sehr kopfballstark, erzielte bereits sechs Tore per Kopf und gehört auch zu den Top-Spielern in der Statistik gewonnener Kopfballduelle.

Durchbruch lässt auf sich warten

Auch wegen seiner für einen zentralen Abwehrspieler geringen Größe dauerte es mehrere Jahre bis zu seinem Durchbruch in der Premier League. Bereits 2011 war Aké in die Chelsea-Jugend gewechselt und wurde von den Blues mehrfach verliehen, bevor ihn Bournemouth 2017 für 22 Millionen Euro fest verpflichtete.

Zuvor hatte er für den FC Watford meist im defensiven Mittelfeld gespielt, Bournemouth setzte ihn zunächst als Linksverteidiger ein. Erst unter dem aktuellen Cherries-Trainer Eddie Howe fand der Niederländer seine Heimat in der Innenverteidigung, dort gelang ihm auch der Durchbruch.

Laut Sky Sports wollte Chelsea nun eine Rückkaufklausel in Höhe von 40 Millionen Pfund aktivieren, Aké entschied sich jedoch für einen Wechsel zu City.

Trotzdem begleiten den 25-Jährigen Zweifel - wie einst auch van Dijk.

Carragher zweifelt an Aké

"Ich mag Nathan Aké und ich denke, er wird ManCity gut tun. Aber Laporte ist Stammspieler, und ich bin nicht überzeugt davon, dass zwei Linksfüßer in der Innenverteidigung funktionieren", meinte TV-Experte Jamie Carragher bei Twitter. "Ich weiß, dass zwei Rechtsfüßer zusammen spielen können, aber andersrum fühlt es sich für mich nicht richtig an."

Auch der ehemalige City-Verteidiger Micah Richards zweifelt: "Nur einen Innenverteidiger zu kaufen, wird nicht alle Probleme lösen. Die Leute sagen, van Dijk hat Liverpools Probleme gelöst und er hat ihnen wirklich geholfen, aber seine Ankunft hing mit der Steigerung von Trent (Alexander-Arnold, Anm. d. Red.) und (Andy) Robertson zusammen, und auch Alisson kam hinzu."

Pep Guardiola hat diese Zweifel offenbar nicht. Er setzt auf Aké - und will sich ob des Überangebots an Innenverteidigern Medienberichten zufolge von Stones und Otamendi trennen.