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München - Die europäischen Fußball-Ligen sollen laut UEFA nicht annulliert werden. Für den FC Liverpool ist das ein gutes Zeichen, wenngleich eine Frage offen bleibt.

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Jürgen Klopp kann aufatmen - und muss doch weiterhin um den Premier-League-Titel zittern.

Das geht aus einer Mitteilung der UEFA vom Donnerstag hervor.

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Nach dem Wunsch des europäischen Fußballverbandes sollen die nationalen Ligen nach sportlichen Gesichtspunkten "transparent und objektiv" entschieden werden, falls die Coronakrise eine Fortsetzung der Saison verhindert.

Eine besonders in Liverpool befürchtete Annullierung der Spielzeit scheint damit vom Tisch.

Punkte-Rechnung: Liverpool Erster - Tottenham nicht in Europa

Ob bei einem Abbruch der Saison die aktuelle Tabelle gewertet wird oder eine Quotienten-Regel, wie beispielsweise in der Handball-Bundesliga der Männer, entscheidet, soll den Ligen überlassen bleiben.

Auch ein Playoff-System gilt als - in England nicht als realistisch angesehene - Möglichkeit.

Nach dem Punkteschnitt-System, das laut englischer Medienberichte von den Klubs bevorzugt wird, wäre Liverpool (2,83 Punkte pro Partie) mit deutlichem Abstand Erster.

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Der FC Chelsea, Leicester City und Manchester United würden wegen des Champions-League-Banns für Manchester City ebenfalls die Königsklasse erreichen.

Sheffield United, die Wolverhampton Wanderers und der FC Arsenal kämen wiederum in die Europa League, während Tottenham Hotspur um José Mourinho in die Röhre schauen würde.

Wird kein Titel vergeben?

Allerdings bleibt eine Frage offen: Wird Liverpool auch tatsächlich zum Meister gekrönt - oder erhält der Klub nur das erste Ticket zur Champions League, ohne dass ein Titel vergeben wird?

Diese Entscheidung will die UEFA ebenfalls nicht fällen und gibt sie an die jeweiligen Ligen weiter.

Laut Mirror müssten normalerweise 14 von 20 Premier-League-Teams dafür stimmen, um die aktuellen Regeln (38 Spiele müssen absolviert werden) zu verändern. Zumindest haben die Klub-Verantwortlichen von Liverpools Konkurrenten ein Wörtchen mitzureden.

Sollten sich die Premier-League-Bosse gegen einen offiziellen Meister entscheiden, würde Liverpools Titel-Fluch weitergehen. Ähnlich wurde zum Beispiel in der Handball-Bundesliga der Frauen vorgegangen, was massive Diskussionen auslöste.

Dort fühlte sich Tabellenführer Borussia Dortmund benachteiligt. Die Liga entschied sich dagegen, einen Meister auszusprechen, da noch ein Drittel der Saison ausstand, darunter das Rückspiel zwischen dem BVB und dem ersten Verfolger Bietigheim.

Allerdings wäre dieses Argument in Englands Spitzenklasse mit Blick auf Liverpools Vorsprung von 25 Punkten hanebüchen, den Reds fehlten vor der Unterbrechung durch die Corona-Pandemie noch zwei Siege, um die Meisterschaft unter Dach und Fach zu bringen.

Die Qualifikation für die Champions League hatte Klopps Team ohnehin bereits gesichert.

UEFA-Boss: Liverpool sollte Meister werden

In den vergangenen Wochen gingen die Meinungen bei der Frage nach der Titelvergabe auseinander.

Besonders die Liverpool-Fans forderten wenig überraschend, dass den Reds die erste Liga-Trophäe seit 1990 zugesprochen werden sollte, auch einige Experten und Konkurrenten sprachen sich dafür aus.

UEFA-Boss Aleksander Ceferin sah zuletzt ebenfalls kein Szenario, in dem Liverpool nicht Meister werde. "Falls die Spiele nicht gespielt werden können, müssen wir einen Weg finden", sagte Ceferin der slowenischen Sportzeitung Ekipa.

Allerdings gab es auch Gegenstimmen.

Legenden fordern: Kein Titel für Liverpool

"Viele Leute sehen das ziemlich binär und sagen: 'Liverpool sollte einfach den Liga-Titel bekommen', weil sie 25 Punkte Vorsprung haben. Aber für die Integrität des Fußballs ist es wichtig, dass die Saison zu Ende gespielt wird", sagte beispielsweise der frühere Liverpool-Spieler John Barnes bei BonusCodeBets.

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Auch Rio Ferdinand sprach sich gegen eine Liverpool-Meisterschaft aus. Dabei wünschte sich die Verteidiger-Legende von Manchester United aber eine Annullierung der Saison, auch, um eine mögliche Meisterfeier zu verhindern.

"Glaubt irgendwer, dass die Fans nach 30 Jahren voller Schmerz (seit Liverpools letztem Meister-Titel, Anm. d. Red) daheim bei einer Tasse Tee sitzen werden und sagen: 'Gut gemacht, Männer'?", meinte Ferdinand im Mirror: "Sie würden rausgehen. Ich würde rausgehen wollen. Und nicht jeder ist vernünftig in Situationen wie dieser. Die Menschen würden versuchen, draußen zu feiern und durchzudrehen. So ist Fußball."

Selbst Liverpools Außenstürmer Sadio Mané würde es akzeptieren, sollte sein Team um den verdienten Lohn gebracht werden.

"Ich will die Spiele gewinnen und die Trophäe holen, das wäre toll", sagte Mané dem Radiosender talkSport. "Aber in dieser Situation - was immer auch passiert, ich hätte Verständnis dafür."