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München - Manchester City greift bei Ballverlusten in der gegnerischen Hälfte oft zu taktischen Fouls. Auch wenn Guardiola die Absicht bestreitet, dahinter steckt Kalkül.

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Cleveres Mittel zum Zweck oder schlichtweg unfair?

Die Meinung über taktische Fouls im Fußball ist gespalten. 

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Pep Guardiola behauptete erst vor einigen Wochen, dass sein Team nicht auf derartige Methoden angewiesen sei. "Wir haben durchschnittlich 62 Prozent Ballbesitz und du kannst nicht foulen, wenn du den Ball hast", sagte der Star-Trainer: "Normalerweise ist der, der foult, derjenige, der nicht den Ball hat."

Klingt erstmal plausibel. Doch die taktische Ausrichtung des Fußballs, den Guardiola spielen lässt, ist mit hohem Risiko verbunden. Oftmals befinden sich alle zehn Feldspieler in der Hälfte des Gegners und gehen nach einem Ballverlust direkt ins Gegenpressing.

Guardiola-Assistent gibt Foul-Anweisung

Ist das von Erfolg gekrönt, ist der Weg zum Tor nicht mehr weit. Kann sich der Gegner aber befreien, bietet City unzählige Räume für Konter.

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Ein probates Mittel um diese zu verhindern? Taktische Fouls. In der City-Dokumentation "All or Nothing", die viele Einblicke in die Kabine bietet, war zu sehen und zu hören, wie Guardiolas Assistent Mikel Arteta genau das den Spielern mit auf den Weg gibt.

"David (Silva), Kevin (De Bruyne), Gundo (Ilkay Gündogan), macht Fouls", sagt Arteta: "Wenn es eine Umschaltsituation gibt, macht ein Foul. Besser ihr foult als Gundo oder die Verteidiger." Deutliche Botschaft. Lieber bekommt ein Offensivspieler (Silva oder De Bruyne) Gelb als Gündogan oder ein Spieler aus der Viererkette.

"Taktische Fouls gab es in der Vergangenheit insbesondere bei südamerikanischen oder lateinamerikanischen Teams", erklärte der ehemalige Liverpool-Trainer Rafael Benitez bei The Athletic die Thematik. "Sie hatten Spieler mit einem Verständnis für das Spiel. Sie wussten, wann ein Konter so gefährlich ist, dass sie ein Foul begehen müssen."

Nur Arsenal begeht mehr taktische Fouls

Laut The Athletic haben diverse Trainer in England nun eben bei City das Gefühl, dass den Spielern unter bestimmten Umständen taktische Fouls ans Herz gelegt werden.

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Zahlen des Daten-Anbieters Opta untermauern diese These. Seit der Spielzeit 2017/18 wertet das Unternehmen Spiele der Premier League danach aus, wie viele Ballverluste in der laufenden Saison in der gegnerischen Hälfte in einem Foul enden.

Manchester City weist dabei den zweit- und dritthöchsten Wert seit der Datenerfassung auf. In der aktuellen Spielzeit 2019/20 verlor City vor der Nachholpartie am Mittwoch 1540 Mal den Ball in des Gegners Hälfte, 117 dieser Situationen stoppte Guardiolas Team mit einem Foul, was einer Quote von 7,6 Prozent entspricht.

In der Saison zuvor waren es 180 Fouls bei 2587 Ballverlusten (6,96 %). Zum Vergleich: Liverpool kommt derzeit auf 74 Fouls bei 1911 Ballverlusten, was lediglich einer Quote von 3,87 Prozent entspricht.

Das einzige Team mit einer höheren Quote als die Citizens ist im Übrigen der FC Arsenal, das in der laufenden Saison in 8,2 Prozent der Fälle zum taktischen Foul greift.

Ob es Zufall ist, dass bei den Gunners seit Dezember Guardiolas ehemaliger Co-Trainer Arteta als Cheftrainer fungiert?