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München - Mit dem Abgang von Mikel Arteta zum FC Arsenal verliert Pep Guardiola bei Manchester City einen seiner wichtigsten Männer. Ein Indiz für Guardiolas eigene Zukunft?

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Ist es der Anfang vom Ende?

Mit dem Abgang seines Co-Trainers Mikel Arteta verliert Pep Guardiola einen der wichtigsten Akteure seines Kosmos. Der 37-jährige Baske heuert bei seinem Ex-Klub FC Arsenal an und wird dort Nachfolger des glücklosen Unai Emery als Cheftrainer.

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Schon als die Verhandlungen Artetas mit den Gunners bekannt wurden, hatte Guardiola durchblicken lassen, seinem Zögling keine Steine in den Weg legen zu wollen. "Ich weiß nicht, was passieren wird", erklärte der frühere Bayern-Übungsleiter - und schob hinterher. "Wir waren so clever, ihn zu uns zu holen - und jetzt klopfen eben andere an. Er ist eine unglaubliche Persönlichkeit und ein toller Trainer."

Doch warum lässt Guardiola seine Nummer Zwei derart kampflos gehen? Ist der Arteta-Abgang ein Indiz dafür, dass Guardiola im Sommer Manchester ebenfalls verlässt? Die Gerüchte über einen Abgang bei den Citizens halten sich jedenfalls hartnäckig. Zuletzt gab es Berichte über eine Ausstiegsklausel für 2020, dies wurde von Guardiola allerdings dementiert.

Guardiola setzt auf Loyalität

Guardiola gilt als Mensch, dem Loyalität extrem wichtig ist. Das sieht man auch bei der Auswahl seines Stabs. Fast alle wichtigen Mitarbeiter sind zum einen Landsmänner des ehemaligen Bayern-Trainers, zum anderen haben fast alle eine gemeinsame Vergangenheit mit ihm.

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Zur Erinnerung: Rodolfo Borrell, einen der anderen beiden Co-Trainer, holte Guardiola zu seinem Amtsantritt 2016 vom FC Liverpool. Beide kannten sich aus der Nachwuchsabteilung des FC Barcelona. Auch Fitnesstrainer Lorenzo Buenaventura und Videoanalyst Carles Planchart sind Wegbegleiter des 48-Jährigen, waren auch schon beim deutschen Rekordmeister im Trainerstab.

Auch im Management setzt Guardiola auf vertraute Gesichter. Txiki Begiristain ist sogar schon seit 2012 Sportlicher Leiter des englischen Meisters, bis 2010 übte er diese Funktion in Barcelona aus, unter anderem mit Guardiola als Cheftrainer.

Und auch Artetas und Guardiolas Wege hatten sich in der Vergangenheit bereits gekreuzt, wenn auch nicht sonderlich lange. Arteta stammt aus Barcelonas Nachwuchsschmiede La Masia und rückte im Jahr 2000 zu den Profis auf. Guardiola verließ ein Jahr später die Katalanen und wechselte nach Italien.

Einst bezeichnete Guardiola Arteta sogar als möglichen Nachfolger bei City - doch daraus wird vorerst nichts, stattdessen wechselt Arteta, der als "kleiner Guardiola" gilt, nun zu dem Konkurrenten und Klub, bei dem er von 2011 bis 2016 als Spieler aktiv war.

Arteta-Abgang reißt Lücke ins Trainerteam

So oder so: Der Abgang des Basken reißt ein riesiges Loch ins Trainerteam der Citizens. Arteta, der sich schon zu Arsenal-Zeiten immer wieder mit dem damaligen Trainer Arséne Wenger über taktische Pläne austauschte, war nach dem Abgang von Domènec Torrent in die Rolle des ersten Co-Trainers geschlüpft.

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Als solcher war er unter anderem für die Gegner-Analyse zuständig. Die Dokumentation All or Nothing zeigte, wie Guardiola Arteta Anfang 2018 im Vorfeld des Ligapokalfinales gegen Artetas Ex-Klub Arsenal mit der Erstellung eines Matchplans beauftragte.

"Von nun an wirst du Arsenal studieren", sagte Guardiola zu Arteta, mit dem er am Tisch zusammensaß und das Halbfinale der Gunners verfolgte. "Ich möchte, dass du mir einen Bericht über ihren Angriff und über ihre Abwehr schreibst", erklärte Guardiola.

Das tat Arteta. Er entwickelte einen Matchplan, den Guardiola dann seinen Spielern vorstellte. Mit Artetas taktischen Kniffen zog City schließlich Arsenal den Zahn und sicherte sich den Titel. Gleiches gelang ein halbes Jahr später beim Liga-Auftakt. City schlug Arsenal mit 2:0, Guardiola herzte Arteta im Anschluss überschwänglich. Er wusste, bei wem er sich zu bedanken hatte.

Zudem arbeitete Arteta auch individuell mit einzelnen Spielern. Leroy Sané half er nach Startschwierigkeiten, mit Raheem Sterling arbeitete er an seinem Abschluss – mit durchschlagendem Erfolg.

Auch Artetas Vorgänger gingen eigene Wege

Arteta ist nicht Guardiolas erste Nummer zwei, die ihren eigenen Weg geht. Auch Torrent arbeitete jahrelang hinter Guardiola, unter anderem bei den Bayern. 2018 wurde er Chef-Trainer bei New York City FC, das wie der englische Meister ebenfalls zur City-Group gehört.

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Im November 2019 trennten sich Torrent und NYCFC allerdings wieder voneinander. Berichten zufolge könnte Torrent zu Guardiola zurückkehren und den Platz als Nummer zwei wieder einnehmen.

Auch Tito Vilanova emanzipierte sich 2012: Als Guardiola Barcelona verließ, wurde sein damaliger Co-Trainer sein Nachfolger, ehe Vilanova 2014 tragisch früh an einer Krebserkrankung verstarb.

Für Arteta ist Arsenal nun die große Chance, aus den Fußstapfen seines Förderers herauszutreten, für Guardiola dessen Abgang ein Riesenverlust. Er bringt das aktuelle Konstrukt Manchester City gehörig ins Wanken. Guardiola ist nun gefragt, dieses wieder geradezurücken. Sofern er das noch will.