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München - Teemu Pukki ist bei Norwich City der ersehnte Durchbruch gelungen. Der Torjäger steht sinnbildlich für das Märchen seines Klubs.

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"Ich hätte nicht einmal von einem solchen Tag träumen können", sagte Teemu Pukki nach dem Spiel gegen Newcastle United in die Mikrofone der Journalisten und strahlte in die Kameras.

Der Stürmer von Norwich City hatte beim 3:1-Sieg gerade einen Hattrick erzielt und damit am 2. Spieltag für den ersten Erfolg des Aufsteigers in dieser Premier-League-Saison gesorgt. Pukki steht mit seiner eigenen Geschichte sinnbildlich für das Märchen seines Teams.

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Denn die Mannschaft des deutschen Trainers Daniel Farke ist einer der größten Underdogs, die Englands höchste Spielklasse je hatte. Schlanke vier Millionen Euro haben die "Kanarienvögel" investiert, um das Team auf die wohl stärkste Liga der Welt vorzubereiten. Zum Vergleich: Mitaufsteiger Aston Villa gab rund 150 Millionen Euro für neue Spieler aus.

Auch Pukki kam vor der letzten Saison als Underdog in die Kleinstadt im Osten Englands. Er kostete null Euro. Ein Transfer ohne Risiko für den Klub, der einem Spieler eine Chance gab, der noch nie richtig bewiesen hatte, dass er diesem Niveau gewachsen war.

Ein ablösefreier Spieler, der einige Monate später mit 29 Treffern Torschützenkönig der Championship und außerdem Spieler des Jahres in der zweiten englischen Liga wurde. Eine ebenso spektakuläre wie überraschende Entwicklung, denn zuvor war Pukki bei allen vielversprechenden Stationen durchgefallen.

Enttäuschung beim FC Schalke

Schon mit 18 Jahren hatte der Finne sein Heimatland verlassen, um sich dem FC Sevilla anzuschließen, bei dem er in zweieinhalb Jahren aber nur ein einziges Spiel für die erste Mannschaft machte.

Es folgte die Rückkehr in die Heimat, bis 2011 Schalke 04 auf den Mittelstürmer aufmerksam wurde und HJK Helsinki 1,5 Millionen Euro überwies, um ihn in die Bundesliga zu holen. Damals noch mit jugendlichem Aussehen und blonden Locken auf dem Kopf, eroberte der Finne auf Schalke schnell die Herzen der Fans.

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Zum Fanliebling wurde Pukki eher durch sein Aussehen und den lustigen Namen, als durch konstant gute Leistungen - denn die konnten mit seiner Beliebtheit nie mithalten. Nach zwei Saisons und acht Toren in 47 Spielen folgte der Wechsel zu Celtic Glasgow.

"Körperlich war ich nicht stark genug, um mich bei Celtic durchsetzen zu können", sagte Pukki im letzten Jahr dem Guardian. Das hat sich geändert. Nach vier weiteren Jahren in Dänemark bei Bröndby IF machte Pukki eine echte Metamorphose durch.

Pukki gelingt bei Norwich City der Durchbruch

Mit kurzen Haaren, einem stattlichen Bart, robustem Körperbau und vor allem ungeahnten Fähigkeiten, lehrte er den Verteidigern auf der Insel seitdem das Fürchten. Der Torjäger nahm seine starke  Form aus der letzten Saison auch in die Premier League mit.

Im Auftaktspiel beim FC Liverpool (1:4) erzielte er den Ehrentreffer seiner Mannschaft und führte gleichzeitig eine beeindruckende Serie weiter. Der Ex-Schalker traf in jeder seiner letzten acht Spielzeiten mit seinem ersten Schuss aufs Tor - egal ob auf Schalke, bei Celtic oder jetzt bei Norwich.

Es folgte das Ausrufezeichen am Samstag, bei dem ihm als erstem Norwich-Spieler seit 1993 ein Hattrick in der Premier League gelang. Der einst schüchterne Pukki fiel mit selbstbewusstem Auftreten und einer unglaubliche Abschlussstärke auf. Seinen ersten Treffer erzielte er per sehenswertem Volley, vor den anderen beiden legte er sich den Ball nur kurz vor. Ein Tor mit rechts, eines mit links.

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Bemerkenswert ist auch, dass sich Pukki eleganter bewegt, als man es von einem Spieler mit seinem stämmigen Körperbau erwarten könnte. Er überrascht mit schnellen Richtungsänderungen und nutzt jeden noch so kleinen Raum. Gegen Newcastle mussten die Verteidiger das Gefühl haben, Pukki würde regelrecht durch die Räume gleiten.

Farke schwärmt von Pukki

"Es war eine brillante Leistung von Teemu", schwärmte Trainer Farke nach dem Spiel und brachte noch einen weiteren Faktor ins Spiel: "Nicht nur wegen seiner Tore war er großartig, sondern auch wegen der Arbeit, die er für das Team erledigt hat."

Pukki arbeitet für seine Mannschaft, auch wenn er nicht der Spieler ist, der jeden Ball festmacht und seine Teamkollegen dann mit genialen Pässen in Szene setzt. Das braucht der 29-Jährige auch nicht, denn vor dem Tor ist er mittlerweile so eiskalt, wie die Winter in seiner Heimatstadt Kotka, einer Hafenstadt im Süden Finnlands.

Dort hoffen sie, dass das Märchen von Norwich weitergeht. Und das von Pukki, den sie Superpommittaja nennen. Den Super-Bomber.