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München - Callum Hudson-Odoi verletzt sich am Montagabend schwer. Was bedeutet das für den FC Bayern, der den Engländer zum Wunschspieler auserkoren hatte?

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Hasan Salihamidzic dürfte nicht gefallen haben, was sich am Montagabend in London ereignete.

In der 41. Minute der Partie zwischen dem FC Chelsea und dem FC Burnley verletzte sich Callum Hudson-Odoi schwer.

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Der englische Youngster zog sich einen Achillessehnenriss zu und sollte noch am Dienstagabend operiert werden. Die niederschmetternde Diagnose wird auch den FC Bayern beschäftigen – denn Hudson-Odoi ist einer der öffentlich erklärten Wunschspieler des Rekordmeisters.

Doch was bedeutet Hudson-Odois Verletzung nun für die Bayern und einen möglichen Transfer? SPORT1 blickt auf mögliche Szenarien.

Risiko Hudson-Odoi zu groß?

Die Frage, die sich unmittelbar stellt: Warum sollten die Bayern einen Schwerverletzten kaufen und dann auch noch für eine kolportierte Summe von 30 bis 40 Millionen Euro? Ein Achillessehnenriss setzt einen Spieler für längere Zeit, mindestens ein halbes Jahr, außer Gefecht.

Die durchschnittliche Ausfalldauer bei dieser Verletzung beträgt laut dem britischen Verletzungs-Experten Ben Dinnery sogar 219 Tage.

Damit wäre Hudson-Odoi erst Ende November 2019 wieder fit. Der Engländer würde also sowohl die Vorbereitung als auch die ersten Saisonmonate verpassen und wäre wohl erst zur Rückrunde eine wirkliche Option.

Bayern holte auch Hernandez verletzt

Allerdings haben die Bayern mit Rekordtransfer Lucas Hernandez bereits gezeigt, dass sie es in Kauf nehmen, viel Geld für einen Spieler auszugeben, der nicht fit ist, wenn sie von dessen Qualitäten überzeugt sind.

Beim Franzosen hatte der FCB beim Medizin-Check eine Schädigung des Innenbandes im rechten Knie festgestellt. Deswegen wurde Hernandez operiert, er wird laut Bayern-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt erst zum Saisonstart fit – "wenn alles gut läuft", wie Niko Kovac betonte.

Man könnte also davon auszugehen, dass auch Hudson-Odois Verletzung die Bayern nicht sonderlich abschreckt.

Zumal der 18-Jährige noch mehr eine Investition in die Zukunft wäre als Hernández und den Bayern auch noch dann viel Freude bereiten könnte, wenn er erst 2020 angreifen kann.

"Ich werde stärker zurückkommen", twitterte der frustrierte Spieler am späten Montagabend.

Kovac pocht auf Flügelspieler

Einige Stunden zuvor hatte Niko Kovac in der Pressekonferenz der Bayern vor dem DFB-Pokal-Halbfinale bei Werder Bremen einmal mehr betont, wie wichtig starke Flügelspieler für einen Top-Verein sind. "Wir müssen solche Spielertypen haben", forderte der Trainer.

Zwar hatte er dabei vor allem die "Vollgranaten" (O-Ton Kovac) der Spitzenteams im Sinn, allerdings brauchen die Bayern nach den bevorstehenden Abgängen von Arjen Robben und Franck Ribéry dringend Backups für Kingsley Coman und Serge Gnabry, zumal besonders Coman verletzungsanfällig ist.

Hudson-Odoi wäre eine gute Lösung – und könnte sich vielleicht langfristig, wie auch Coman und Gnabry, zu einer "Vollgranate" entwickeln.

"Er hat Qualitäten, die zu unserem Spiel passen. Er ist dribbelstark, trickreich, hat guten Zug zum Tor", meinte Salihamidzic.

Was bedeutet Chelseas Transfersperre?

Wie verändert die Verletzung die Planungen des FC Chelsea? Hudson-Odoi stand bei vielen Klubs besonders deswegen bereits im Winter so hoch im Kurs, da gegen die Londoner ab Sommer eine Transfersperre verhängt wurde.

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Wegen 29 Verstößen gegen die Regularien zur Verpflichtung Minderjähriger ist es dem englischen Top-Klub nicht gestattet, in den kommenden zwei Transferperioden einen Spieler zu verpflichten.

Es ist also zu vermuten, dass Chelsea es sich bei jedem Profi doppelt überlegt, ob sie ihn abgeben. Zumal bei einem Talent wie Hudson-Odoi im Prinzip überhaupt keine Not besteht.

Allerdings wehrt sich Chelsea gegen die ausgesprochene Sperre, denn man habe rechtmäßig gehandelt. Vor dem Berufungskomitee der FIFA hatte der Einspruch aber bereits keinen Erfolg. Nun bleibt noch die Option, vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS zu ziehen.

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Womöglich ließe sich das Inkrafttreten des Urteils zumindest noch aufschieben, wie es bei Real und Atletico der Fall war. Den Klubs aus Madrid war im Januar 2016 eine vergleichbare Sperre auferlegt worden, diese wurde aber schließlich erst ein Jahr später angewendet.

Leih-Armee als Bayerns Chance?

In diesem Fall hätte Chelsea weniger Druck, alle Spieler behalten zu müssen. Eine weitere Hoffnung für die Bayern ist Chelseas große Leih-Armee. Satte 41 Spieler hat der Klub weltweit verliehen, eine Rückholaktion dieser Akteure bzw. ein Ende der Leihe wäre trotz Transfersperre möglich.

Darunter sind durchaus brauchbare Spieler wie Verteidiger Kurt Zouma, Ex-BVB-Stürmer Michy Batshuayi oder Talente wie Kenedy oder Ola Aina.

Mit dem Transfer für Christian Pulisic, den die Londoner im Winter aus Dortmund kauften, um ihn nochmal für ein halbes Jahr dorthin zu verleihen, hat Chelsea die Sperre bereits klug umgegangen.

Was zudem für einen Abgang Hudson-Odois sprechen könnte: Der Spieler wirkte bereits wechselwillig, war mit seiner Rolle als Ergänzungsspieler unzufrieden und soll laut Medien-Berichten einen Transfer nach München angestrebt haben.

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Auch wenn er zuletzt immer größere Spielanteile bekam, könnte Chelsea trotzdem zuschlagen, falls ein Verein 40 Millionen für einen verletzten Spieler bieten würde.