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London - Chelseas Torhüter Kepa Arrizabalaga verweigert die Auswechslung. Ein verheerendes Zeichen für Trainer Maurizio Sarri? Die englische Presse ist sich einig.

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Solch eine Szene hat der englische Fußball lange nicht gesehen: Chelseas Torhüter Kepa Arrizabalaga soll im Ligapokalfinale gegen Manchester City kurz vor dem Elfmeterschießen ausgetauscht werden, Trainer Maurizio Sarri hatte bereits seinem Ersatztorhüter Willy Caballero das Zeichen zur Einwechslung gegeben - doch Kepa weigerte sich gestenreich, den Platz zu verlassen.

Der ohnehin angeschlagene Sarri tobte am Spielfeldrand, ließ seinen Ärger auch an Caballero aus, als der sich wieder auf die Bank setzte, und musste von Verteidiger Antonio Rüdiger zurückgehalten werden. Es nutzte nichts. Kepa spielte durch und stand so auch im Elfmeterschießen zwischen den Pfosten der Londoner. Auch wenn er den Versuch von Leroy Sane parierte, blieb am Ende eine 3:4-Niederlage. 

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"Zu keiner Zeit wollte ich die Anweisung des Trainers missachten", wurde Kepa am Morgen nach der Partie von Chelseas Vereinswebsite zitiert. Doch da war das Kind schon in den Brunnen gefallen, die Autorität von Sarri weiter beschädigt. Entsprechend deutlich war das Medienecho auf den Vorfall.

Sutton: "Kepa sollte nie wieder für Chelsea spielen!"

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"Nach diesem Vorfall sollte Kepa nie wieder für Chelsea spielen", forderte der ehemalige Torjäger Chris Sutton in seiner Kolumne in der Daily Mail: "Sich so unumwunden zu weigern, sich unterzuordnen, ist eine Schande. Es ist widerlich. Ich habe so etwas noch nie gesehen auf einem Fußballfeld." Das sei ein "totaler Mangel an Respekt eines Spielers an seinen Trainer: Was ist er für ein Vorbild für junge Spieler im ganzen Land?"

Auch Alan Shearer fordert in der Sun von Trainer Sarri nun einen klaren Standpunkt. "Maurizio Sarri hat jedes Recht, in Chelseas Kabine zu gehen und Kepa zu zerreißen", schreibt der ehemalige Nationalmannschaftskapitän. "Es geht um Respekt. Und Kepa machte aus seinem Trainer einen Idioten vor Millionen von Menschen."

Kepa bekommt heftigen Gegenwind

Harte Worte für den Torhüter findet auch der ehemalige BBC-Journalist John Simpson. Er twitterte: "Großes Lob für Chelseas Sarri. Sein Team spielte wirklich gut gegen einen exzellenten Gegner, aber er wurde im Stich gelassen von einem dummen, heranwachsenden Torhüter, der seinem Trainer mehr Respekt zeigen sollte. Ich möchte Kepa für eine lange Zeit nicht mehr spielen sehen."

Reporter Angelo Mangiante von Sky Italia ist derselben Meinung: "Kein Spieler ist größer als der Klub. Chelsea hat 80 Millionen Euro für diesen Kerl ausgegeben. Der teuerste Torhüter in der Fußballeschichte. Kein Respekt gegenüber dem FC Chelsea, dem Torhüter, den Teamkollegen, inklusive Caballero. Zum Schämen."

So respektlos die Aktion des Torhüters auch war: Der Leidtragende könnte Sarri werden. Da ist sich auch die englische Presse einig.

Sarri untergraben? "Sinnbildlich für Sarris sinkendes Schiff"

Vor allem Shearer schlägt in dieselbe Kerbe wie viele englische Medien seit Wochen. Sarri fehle die Autorität beim Londoner Klub. Ein Torhüter wie Kepa, der sich nicht an die Anweisungen halte, schade dem ohnehin wackelnden Chelsea-Trainer zusätzlich.

Die englische Zeitung The Guardian titelt gar: "Kepas Meuterei beim Elfmeterschießen ist sinnbildlich für Sarris sinkendes Schiff bei Chelsea. Die Weigerung des Torhüters, zum Ende der Verlängerung ausgewechselt zu werden, untergräbt die gute Arbeit des Trainers im Ligapokalfinale."

Das Sportportal ESPN fragt: "Wie kann Maurizio Sarri nach Kepa Arrizabalagas Auflehnung die Kontrolle bei Chelsea wiederbekommen?"

Der Italiener befindet sich in einer immer schwierigeren Situation. Fakt ist: Der FC Chelsea spielt in der Saison 2018/19 unter den Erwartungen. Mit Platz sechs in der Premier League ist der Einzug in die Champions League aktuell akut gefährdet. Da können Kleinigkeiten letztlich über Sarris Zukunft entscheiden.

Sarris Kontrollverlust beim FC Chelsea

Wohl nicht zuletzt deswegen war der Klub bemüht, die Wogen so schnell wie möglich wieder zu glätten. "Ich habe das Problem missverstanden und die Situation erst realisiert, als der Arzt an der Bank ankam", erklärte der auf einmal gar nicht mehr aufgebrachte Sarri auf der Pressekonferenz nach der Partie.

"Der Trainer dachte, ich sei nicht in der Lage weiterspielen zu können", erklärte Kepa, der während der Partie mehrfach medizinisch behandelt wurde. "Meine Absicht war es nur, ihm zu zeigen, dass ich in guter Verfassung war um weiterzumachen." So billig werden beide Protagonisten wohl nicht davonkommen. Spätestens beim nächsten Stadtderby gegen Tottenham am Mittwoch (Premier League: FC Chelsea - Tottenham Hotspur ab 21 Uhr im LIVETICKER) wird sich zeigen, ob Sarri sich die Blöße gibt, Kepa wieder aufzustellen, als sei nichts gewesen.