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Der FC Liverpool lässt zum zweiten Mal in Folge Punkte liegen. Während die Presse das große Zittern heraufbeschwört, lächelt Jürgen Klopp die Probleme weg. Noch.

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Nach dem zweiten Punktverlust in Folge war für die englische Presse die Sache klar: Der FC Liverpool bekommt auf dem Weg zu seinem ersehnten ersten Meistertitel seit 29 Jahren plötzlich weiche Knie.

Die Times schrieb von einem "nervösen Liverpool", das mit dem 1:1 bei West Ham United im Titelrennen der Premier League erneut Punkte liegen ließ. Für den Guardian war es ein "Hammerschlag".

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Erst in der vergangenen Woche kam Jürgen Klopp mit seinem Team nicht über ein 1:1 gegen Leicester City hinaus. Der Vorsprung des Tabellenführers auf Verfolger Manchester City schrumpfte auf drei Punkte. Zu allem Überfluss kann Pep Guardiola am Mittwoch (20.45 Uhr im LIVETICKER) in der vorverlegten Partie beim FC Everton mit einem Sieg sogar an Liverpool vorbeiziehen.

"Klopp wird von einem großen Nervenflattern erschüttert", behauptete der Mirror und die Daily Mail fragte: "Ist die Blase geplatzt?"

Klopp lächelt Liverpools Probleme weg

Für derlei Panikmache hatte Klopp am späten Montagabend im Londoner Olympiastadion nur ein müdes Lächeln übrig. "Ich sehe es in euren Gesichtern, wie ihr uns bemitleidet, aber uns geht es gut, alles ist gut", sagte Klopp auf der Pressekonferenz: "Wir sind in einer schwierigen Situation, es ist eine lange Saison. Aber insgesamt gesehen, haben wir nur ein Spiel verloren."

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Doch die aktuellen Probleme der Reds im Jahr 2019, das mit der ersten Saisonniederlage bei ManCity Anfang Januar eingeläutet wurde, sind unverkennbar. Und sie lassen sich auch von Klopp nicht einfach so weglächeln.

Zwei Wochen vor dem Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League gegen den FC Bayern (Dienstag, 19. Februar, ab 21 Uhr im LIVETICKER) wachsen rund um die Anfield Road plötzlich die Sorgen.

Liverpool-Idol kritisiert Offensiv-Trio

"Es sieht nicht nach dem gefestigten Liverpool aus, das wir in den vergangenen vier, fünf Monaten gesehen haben. Es fühlt sich gerade nicht richtig an", sagte Liverpool-Idol Jamie Carragher.

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In seiner Rolle als TV-Experte ging Carragher mit seinen Reds hart ins Gericht, am Druck im Titelrennen wollte er den jüngsten Auftritt gar nicht mal festmachen. "Es gab einfach so viele Spieler, die so schlecht gespielt haben", sagte Carragher bei Sky.

Vor allem der Ex-Leipziger Naby Keita kam in Carraghers Analyse nicht gut weg. "Keita, für den sie viel Geld ausgegeben haben, verliert im Mittelfeld ständig den Ball", sagte der 41-Jährige - und nahm aber auch die übrigen Offensivstars in die Pflicht: "Firmino scheint nicht er selbst zu sein. Von Salah haben wir heute Abend nichts gesehen." Einzig Sadio Mane, der im dritten Ligaspiel in Folge traf, liefert momentan zuverlässig.

Carragher: "Klopp hat großen Fehler gemacht"

Den größten Vorwurf machte Carragher aber dem Teammanager. "Klopp hat einen großen Fehler gemacht, indem er Nathaniel Clyne gehen ließ. Ich verstehe nicht, warum er das getan hat", sagte der frühere Innenverteidiger über der Winterabgang des Rechtsverteidigers zum AFC Bournemouth - dem nächsten Gegner der Reds, bevor es nach einer komfortablen neuntägigen Pause ins erste Duell mit den Bayern geht.

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Da soll zumindest Trent Alexander-Arnold rechts hinten wieder eine Option sein. Aufgrund des Ausfalls des Youngsters musste Klopp zuletzt improvisieren. "James Milner hat jetzt zweimal dort gespielt. Wenn man ihn als Rechtsverteidiger spielen sieht, kann man kaum glauben, dass er als Linksverteidiger so gut ist", sagte Carragher.

Insbesondere in der Abwehr riss aufgrund diverser Verletzungen eine große Baustelle auf, die zuletzt immer nur provisorisch geschlossen werden konnte. Den langfristigen Ausfall von Joe Gomez im Abwehrzentrum versuchte zuletzt Joel Matip zu kompensieren, da auch Dejan Lovren mit muskulären Problemen zu kämpfen hatte. Kurzfristig standen gegen West Ham auch Jordan Henderson und Georginio Wijnaldum nicht zur Verfügung.

"Alle Spieler, die hereingekommen sind, haben genug Qualität, ihren Job zu machen - aber wenn du eine unveränderte Viererkette hast, ist es vielleicht ein bisschen einfacher", sagte Abwehrchef Virgil van Dijk, der zuletzt selbst nicht voll trainieren konnte.

Keeper Alisson auf Formsuche

Darüber hinaus schwächeln plötzlich auch die Stammkräfte. Torhüter Alisson Becker wurde beim platzierten Ausgleichstreffer von Michail Antonio von seiner Abwehr letztlich allein gelassen und auf dem falschen Fuß erwischt.

Insgesamt ist die Bilanz des Brasilianers im laufenden Kalenderjahr aber beunruhigend: Sieben der elf Schüsse auf seinen Kasten waren drin - kein Torhüter der Top Sechs in England kassierte 2019 mehr Gegentore. Seine Fangquote in diesem Zeitraum von nur 36,4 Prozent ist die schlechteste im Vergleich zu allen übrigen Premier-League-Stammkeepern.

"Wir müssen kämpfen", betonte Klopp zum Abschluss noch. "Es geht nicht um den Druck. Wir müssen die Situation genießen. Wir haben 62 Punkte."

Liverpool ist erst das fünfte Team, das nach 25 Ligaspielen so viele Punkte auf dem Konto hat - alle vier vorherigen Teams wurden am Ende Meister.

Nur ungern würden die Reds in dieser Hinsicht für eine Premiere sorgen. Dass der Saisonendspurt kein Selbstläufer wird, weiß aber auch Klopp: "Wenn du große Dinge gewinnen willst, musst du für die harten Rennen bereit sein."

Nun liegt es an seinem Team, in den nächsten Partien den Beweis dafür zu liefern.