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Sindelfingen und München - Mit Jadon Sancho ist Manchester City ein Toptalent verloren gegangen. Liverpools U18-Coach Barry Lewtas erklärt, warum so etwas das bei den Reds kaum möglich ist.

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Jadon Sancho verließ Manchester City, um bei Borussia Dortmund durchzustarten. Reiss Nelson ließ sich vom FC Arsenal ausleihen, um in Hoffenheim für Furore zu sorgen. Und um Callum Hudson-Odoi vom FC Chelsea buhlt der FC Bayern derzeit sehr offensiv.

Die Früchte der hervorragenden englischen Nachwuchsarbeit ernten zunehmend Bundesliga-Klubs. Und zwar, weil sich Premier-League-Klubs nur schwer dazu durchringen können, eigenen Nachwuchsakteuren anstelle teuer eingekaufter Stars Spielzeit einzuräumen.

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"First-Team-Football" heißt die Perspektive, die die Bundesliga englischen Youngsters bieten kann. Dieses deutsche Plus soll es aber zeitnah nicht mehr geben, sagt Barry Lewtas, U18-Trainer des FC Liverpool.

Lewtas setzt auf Liverpools Trumpf Klopp

"In England wird es zunehmend besser. Wir haben einen Trainer, der sich für die Jugend einsetzt", sagt Lewtas im Gespräch mit SPORT1. "Wir haben eine Menge Jungs, die am Training der ersten Mannschaft teilnehmen. Außerdem spielen auch Jungs für die erste Mannschaft, die in der Nachwuchsakademie ausgebildet wurden.“ 

Besagter Trainer ist Jürgen Klopp. Jüngstes Beispiel für dessen jugendfreundlichen Kurs war die frühe Einwechslung des erst 16 Jahre alten Innenverteidigers Ki-Jana Hoever bei der 1:2-Niederlage im FA Cup am Montagabend in Wolverhampton.

Nie zuvor war ein Spieler der Reds in einem Pokalspiel jünger. An Hoever, der laut Klopp einen ordentlichen Job gemacht hatte, war das Ausscheiden am wenigsten festzumachen. Sein Einsatz war aber auch der akuten Personalnot der Profis geschuldet.

Klopp: "Wollen nicht den Weltrekord brechen"

"Wir sind ja nicht hier, um den Weltrekord für das jüngste Team zu brechen", erklärte Klopp. "Es macht keinen Sinn, einen 16 Jahre alten Jungen von Beginn an aufzustellen. Wir warten jetzt, bis er komplett bereit ist."

Nichtsdestotrotz sei der Austausch mit Klopp "sehr intensiv. Er ist ein großer Unterstützer der Nachwuchsakademie", erklärt Lewtas. "Unser Fokus liegt darauf, im Hinblick auf unsere Spieler und unseren Staff einen sauberen Job zu machen, so dass es einen größeren Pool an Spielern gibt, aus dem man auswählen kann."

Aus diesem Pool dauerhaft in die erste Elf hat es zuletzt Rechtsverteidiger Trent Alexander-Arnold geschafft. Mit gerade einmal 20 Jahren ist der gebürtige Liverpooler mittlerweile absoluter Stammspieler bei Klopp und bringt es auch im englischen Nationalteam schon auf fünf Einsätze, unter anderem bei der WM gegen Belgien.

Leuchtendes Beispiel Alexander-Arnold

"Trent stammt aus der Akademie, er hat seine Sache gut gemacht“, urteilt der Nachwuchstrainer. "Er hat seine Chance genutzt und gibt damit unseren Jungs hier einen Ansporn. Sie sehen den Weg dieses jungen Kerls, das ist eine Inspiration für sie."

Alexander-Arnold ist der lebende Beweis, dass das Versprechen von der Durchlässigkeit zu den Profis in Liverpool keine leere Phrase ist. Deshalb wollen es die Talente aus den Jugendteams auch unbedingt an der Merseyside in die erste Mannschaft schaffen.

"Unsere Jungs sind sehr fokussiert auf Liverpool und wollen hier ihre Sache gut machen“, sagt Lewtas. "Viele von ihnen sind in jungen Jahren zu uns gekommen. Ihre Träume und Ambitionen sind sehr stark auf Liverpool ausgerichtet."

Bundesliga weiter mit Chancen auf Leihgeschäfte

Dass es nicht für alle gleich zum großen Sprung reicht, ist dennoch eine logische Konsequenz. Und hier kommt wieder die Bundesliga ins Spiel.

"Die englischen U-Mannschaften sind sehr erfolgreich, wodurch nicht nur hierzulande, sondern auch bei anderen Klubs in Europa Interesse geweckt wird“, weiß Lewtas. "Wir haben viele Talente in unserem Land, manche spielen auf Leihbasis in anderen Ländern. Das ist einfach ihr nächster Schritt in ihrer Entwicklung."

Bei allem Bemühen der Premier-League-Klubs scheint also auch künftig das eine oder andere Transferschnäppchen von der Insel möglich. Den Rahm a la Sancho wollen die englischen Klubs künftig aber bitteschön selbst abschöpfen.