Moritz Leitner spielt seit Januar 2018 für Norwich City, sein Vertrag läuft bis 2022
Moritz Leitner spielt seit Januar 2018 für Norwich City, sein Vertrag läuft bis 2022 © Getty Images

München - Bei Norwich City jubelt fast ein Dutzend Spieler auf Deutsch. Mittendrin: Moritz Leitner. Bei SPORT1 spricht er über die kuriose Erfolgsgeschichte des englischen Klubs.

von Filip Knopp , Johannes Fischer

Eigentlich können Deutsche und Engländer nicht miteinander - auf fußballerischer Ebene jedenfalls.

Treffen die beiden Nationen aufeinander, ist oftmals von der "Mutter aller Rivalitäten" die Rede. Dafür haben in den zurückliegenden Jahrzehnten denkwürdige Begegnungen gesorgt.

Mittlerweile gewinnen Deutsche auf der Insel aber immer mehr an Beliebtheit. Das beste Beispiel: Jürgen Klopp. Vergangene Saison führte er den FC Liverpool bis ins Champions-League-Finale.

Norwichs Trainer Farke ähnelt Klopp

Die steile Entwicklung der "Reds" unter dem ehemaligen Trainer von Borussia Dortmund hat offenbar besonders bei Norwich City Eindruck hinterlassen. 

Mit dem der großen Fußballwelt unbekannten Daniel Farke engagierte der Klub aus dem Westen Großbritanniens zur Saison 2017/18 ebenfalls einen Coach aus Deutschland.

Und der 42-Jährige kam - wie sollte es anders sein - ebenfalls vom BVB, bei dem er die zweite Mannschaft trainiert hatte.

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Doch nicht bloß der Werdegang weist Parallelen zu Klopp auf. Optisch bestehen aufgrund seines Sieben-Tage-Barts und dem etwas längeren Haar Ähnlichkeiten, sportlich verbindet sie der Erfolg. 

Farke ist auf einem guten Weg, Norwich nach drei Jahren von der zweiten englischen Liga wieder in die Premier League zu führen. Deshalb hat man ihm dort mittlerweile sogar einen Rap-Song gewidmet.

In der Football League Championship befinden sich die "Canaries" nach 17 von insgesamt 46 Spielen an der Spitze.

Neun Norwich-Spieler sprechen Deutsch - Leitner mittendrin

Die Geschichte dahinter ist kurios.

In Norwichs Mannschaft befinden sich neben drei deutschen Farke-Assistenten gleich neun Akteure, die Deutsch sprechen.

Acht auf einen Schlag brachte der Trainer zu seinem Amtsantritt aus der Bundesrepublik mit, sechs von ihnen spielten bereits in der Bundesliga. 

Neben Timm Klose, Christoph Zimmermann, Felix Passlack, Tom Trybull, Mario Vrancic, Marco Stiepermann, Onel Hernandez und Dennis Srbeny gehört den deutschsprachigen Norwich-Legionären auch Moritz Leitner an.

Der gebürtige Münchner, der 2012 noch den Double-Gewinn mit BVB und Klopp gefeiert hatte, glänzt seit Januar auf der Insel, zunächst als Leihgabe des FC Augsburg unterschrieb er im Sommer einen festen Vertrag bis 2022.

Die besonderen Umstände in der englischen 200.000-Einwohner-Stadt erleichterten ihm die Entscheidung.

Schlampiges Talent? Leitner kümmert Ruf nicht

"Daniel Farke war natürlich ein mit entscheidender Grund, nach Norwich zu wechseln. Und speziell am Anfang war es hilfreich, dass hier noch ein paar andere Jungs sind, die auch Deutsch sprechen", sagt der 25-Jährige zu SPORT1.

"Aber ich ticke sehr international und kann mich auch mit allen anderen sehr gut verständigen. Am Ende muss das Gesamtpaket stimmen - und das stimmt hier. Es passt derzeit einfach alles, wie bei einem Puzzle", so Leitner, der in dieser Saison bislang mit einer Ausnahme in jeder Partie mitwirkte.

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Daniel Farke trainiert den Norwich City seit 2017 © Getty Images

Anders als in Augsburg und bei Lazio Rom hat der Mittelfeldspieler, der auch für den VfB Stuttgart aufgelaufen war, in Norwich sein sportliches Glück gefunden.

Dass in seiner Heimat der Ruf des schlampigen Talents an ihm lastet, kümmert Leitner nicht. "Das ist so eine Schublade, in die man mich gesteckt hat. Sicherlich habe ich in der Vergangenheit auch mal Fehler gemacht, aber ich habe daraus gelernt", macht er deutlich.

Ihm hilft es, dass sich in England "niemand für irgendwelche Geschichten aus einer anderen Zeit und Liga interessiert hat, sondern nur die Performance im Hier und Jetzt im Fokus steht. Wenn die stimmt, respektieren das die Fans und Medien."

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Leitner: "Premier-League-Aufstieg wäre der Hit"

Deshalb kann sich Leitner durchaus vorstellen, länger zu bleiben. "Aktuell fühle ich mich hier extrem wohl. Und wenn man happy ist, gibt es überhaupt keinen Grund, sich mit anderen Dingen zu beschäftigen", stellt er klar.

Fest steht aber auch: "Der Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft, das habe ich in den letzten Jahren gelernt. Daher sollte man mit Aussagen, die zu weit in die Zukunft gehen, sehr vorsichtig sein."

Diesen Standpunkt vertritt der Ex-BVB-Profi auch, wenn er dieser Tage mit einem möglichen Aufstieg in das englische Oberhaus konfrontiert wird. 

"Natürlich wäre es der Hit, in die Premier League aufzusteigen, das ist klar. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Die Liga ist extrem ausgeglichen", mahnt Leitner.

Bei dem Vorhaben, das Kapitel Championship zu beenden, ist Norwich mit bislang zehn Toren in 16 Pflichtspielen übrigens auch ein gewisser Teemu Pukki behilflich - wie zuletzt beim spektakulären 4:3 gegen den FC Millwall, als er in der siebten Minute der Nachspielzeit den Siegtreffer markierte.

Der Finne, inzwischen 28, verdiente sein Geld zwischen 2011 und 2013 beim FC Schalke 04. Ein paar Brocken Deutsch kann er übrigens auch.

Fragt sich nur noch: Welche Bundesliga-Spieler sind die nächsten, die Richtung Norwich abwandern?

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