Richarlison bejubelt ein Tor gegen Southampton
Richarlison bejubelt ein Tor gegen Southampton © Imago

München - 53 Spiele in Folge ohne Tor - trotz dieser Bilanz nimmt Everton für Richarlison 56 Millionen Euro in die Hand. Und der Brasilianer zahlt prompt zurück.

von Felix Fischer

Die wichtigste Aufgabe eines Stürmers? Logisch: Tore schießen. Richarlison gelang es unglaubliche 53 Premier-League-Partien lang, genau das nicht zu tun. Beim FC Watford wollte es einfach nicht klappen.

Umso verwunderlicher, dass Everton im Sommer 56 Millionen Euro für den Brasilianer auf den Tisch legte. Für einen Stürmer, der zuvor von vielen Vereinen abgelehnt wurde - und deshalb sogar schon einmal daran dachte, seine Karriere zu beenden.

Aber heute zahlt Richarlison zurück. Mit Leistung. Zwei Tore beim Debüt, eins im zweiten Spiel. Er trifft also wieder, der torlose Stürmer.

Richarlison auch für Brasilien erfolgreich

Ob seiner starken Leistungen in der Liga, wo er die nächste Partie wegen einer Roten Karten gegen Bournemouth allerdings zuschauen muss, durfte er am Wochenende gegen El Salvador auch in der brasilianischen Nationalmannschaft von Beginn an ran.

Er bekam sogar die legendäre Nummer 9, die unter anderem Phänomen Ronaldo trug. Und ja, auch im Nationaltrikot war der 21-Jährige erfolgreich. In seinem erst zweiten Länderspiel erschien sein Name gleich zwei Mal auf der Anzeigentafel. Damit stellte er sogar den eigentlichen Top-Star Neymar ("nur" ein Treffer) in den Schatten.

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"Ich hatte nicht genug Finger, um zu zählen, wie viele Klubs mich abgelehnt haben", sagte Richarlison nach seinem ersten Tor-Comeback für Everton - und erzählte von der Zeit vor seinem Wechsel zu Watford: "Ich wollte aufgeben, aber ich habe nach vorne geschaut und ging nach Belo Horizonte. Ich hatte nur Geld für dieses letzte Probetraining mit America Mineiro (Klub aus der ersten brasilianischen Liga, d. Red). Wenn ich es nicht geschafft hätte, hätte ich kein Geld für die Heimreise nach Espiritu Santo gehabt, das war 600 Kilometer weg."

Aber er schaffte es. Richarlison erhielt einen Vertrag und wechselte nur ein halbes Jahr später für 2,5 Millionen Euro zu Fluminense. Anschließend ging er für über 12 Millionen Euro zu Watford.

Harte Kindheit in Brasilien

Auch wenn es dort mit dem Toreschießen nicht klappte, einschüchtern ließ sich der Offensivspieler nie.

"Ich erinnere mich daran, dass mir als Jugendlicher in Brasilien plötzlich ein Mann eine Waffe auf mein Gesicht richtete, weil er dachte ich sei ein Drogendealer, der ihm seinen Verkaufsplatz streitig machen will. Das war mein Leben. Im Vergleich dazu, ist ein Spiel gegen Chelsea deutlich leichter", sagte er 2017 in einem Interview.

"Diese Dinge waren normal in meinem Leben, also hatte ich auch keine Angst. Es war ein sehr hartes Pflaster. Drogen und Schüsse gehörten zur Tagesordnung."

Sonderlob vom Trainer

Diese Zeiten sind nun vorbei. Nach seinem Traum-Debüt für Everton schwärmte Trainer Marco Silva bei der BBC von seinem Stürmer: "Auch wenn er nicht trifft, arbeitet er wirklich hart, um dem Team zu helfen. Ich bin mir sicher, dass die Fans stolz auf ihn sein werden. Er hat es sehr gut gemacht. Er hat hart gearbeitet, genau so, wie ich es von ihm erwarte."

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Das Wichtigste aus Sicht von Richarlison selbst: Er erfüllt seine wichtigste Aufgabe wieder. Und wenn er das weiter so zuverlässig tut wie im Moment, werden ihm bald wohl wieder die Finger ausgehen. Diesmal aber, um die Vereine abzuzählen, die an einer Verpflichtung interessiert sind.

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