München - Der FC Watford startet sensationell mit vier Siegen aus den ersten vier Partien in die neue Saison der Premier League. Der Erfolg hat verschiedene Gründe.

von Florian Schimak

Es gibt da diese Geschichte von einem gallischen Dorf. Eines, das nicht aufhört, dem eigentlich übermächtigen Gegner aus Rom Widerstand zu leisten. Nun liegt Watford nicht gerade im ehemaligen Gallien, doch der Fußball-Klub der Stadt im Nordwesten Londons mischt gerade ordentlich die Elite der Premier League auf.

Auf den ersten vier Plätzen tummeln sich der FC Liverpool, der FC Chelsea sowie Manchester City - und der FC Watford. Auf Platz drei. Mit vier Siegen aus den ersten vier Spielen. 

Watford-Erfolg aus heiterem Himmel

Im vergangenen Jahr wurden die "Hornets" lediglich 14., also grauestes Mittelmaß. Aufgrund der Neuzugänge in der Sommerpause konnte man auch nicht zwingend erwarten, dass in Watford in der Saison 2018/19 auf einmal mitreißender und vor allem erfolgreicher Fußball praktiziert wird. 

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Mit Richarlison verlor man zudem den besten Mann für knapp 40 Millionen Euro an den FC Everton. Als vermeintlicher Ersatz wurde der bereits ausgeliehene Gerard Deulofeu vom FC Barcelona fest verpflichtet, doch der Spanier spielt beim aktuellen Super-Start gar keine Rolle und ist noch ohne Einsatz.

Keeper Ben Foster, der von Absteiger West Bromwich Albion kam, ist der einzige Neuzugang, der tatsächlich zum Zug kommt.

FC Watford: Glück und taktische Disziplin

Wie kommt dann dieser überaus vielversprechende Saisonstart zustande? Die Antwort: Mit etwas Glück, einfachem Fußball und zwei, drei Akteuren, die sich aktuell in Topform befinden. Mit Brighton Hove & Albion, Burnley und Crystal Palace hatte die Elf des Spaniers Javi Gracia zum Auftakt nicht wirklich die dicksten Brocken aus der Premier League vor der Brust.

Der 2:1-Erfolg gegen die Tottenham Hotspur am Samstag, die in der Vorwoche noch Manchester United mit 3:0 im Old Trafford besiegt hatten, ließ nun aber aufhorchen. Gracia ließ Watford gegen die Spurs fast in Manndeckung verteidigen, sodass diese nicht wie gewohnt ihr Spiel aufziehen konnten. 

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Zwei Standards (Deeney/69. und Cathcart/76.) und die Partie war nach dem Rückstand durch das Eigentor von Abdoulaye Doucoure gedreht. Am Ende retteten ein wenig Glück und ein souveräner Foster den knappen Vorsprung über die Zeit.    

Holebas und Pereyra mit starker Quote

Mit Jose Holebas, der einst beim TSV 1860 München seine erste Erfahrungen im Profifußball machte und Roberto Pereyra hat Watford zudem zwei Spieler in ihrem Reihen, die aktuell groß auftrumpfen. Beide haben schon jeweils drei Scorerpunkte erzielt. 

Zudem harmoniert das Stürmerpaar Gray/Deeney derzeit herausragend. Mit Doucoure und Etienne Capoue hat man auf der Doppelsechs außerdem körperliche Robustheit und spielerische Qualität gepaart. Auch ein Schlüssel für den Erfolg.

Trainer Gracia, der im Januar das Amt vom Portugiesen Marcos Silva übernommen hatte, schafft es, aus der Truppe das aktuell Bestmögliche rauszuholen. Könnte dem FC Watford gar eine ähnliche Sensation wie Leicester City 2016 gelingen, als diese völlig überraschend die Meisterschaft holten?

Die Gemeinsamkeiten sind verblüffend. Die "Foxes" wurde 2015 ebenfalls 14., mit 41 Punkten aus elf Siegen, acht Remis und 19 Niederlagen. Die Statistik von Watford in der vergangenen Saison? Identisch! 

"They will be shit again soon"

Dennoch: In England gehen die Experten nicht davon aus, dass sich Geschichte wiederholt. So schön und vielversprechend der Saisonstart in Watford auch ist, die "Hornets" werden sich in der Spitzengruppe der Premier League vermutlich nicht etablieren können, denn ein guter Start ist dort nicht ungewöhnlich. 

Auch in der vergangenen Saison lag man nach 15 Spieltagen mit 22 Zählern auf dem 8. Platz und in Schlagdistanz zu den Europa-League-Plätzen - am Ende aber brach das Team ein und holte anschließend bis Saisonende nur noch 19 Punkte. 

So sagt der englische Journalist Andrew Headspeath von 90min.com auf SPORT1-Nachfrage: "Football is weird, Watford will be shit again soon". Frei übersetzt bedeute das: "Fußball ist verrückt, Watford wird bald wieder schlecht sein". 

Nach der Länderspielpause geht es für das Überraschungsteam aus Watford gegen Manchester United (Samstag, 15. September, 18.30 Uhr). Dann wird man sehen, ob der englische Kollege Recht behalten wird.

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