München - Mesut Özil steht nach Arsenals Fehlstart trotz ungeahnter Qualitäten mal wieder in der Kritik. Sein Übereifer könnte ihm zum Verhängnis werden.

von Carsten Arndt

Gesenkter Blick, hängende Schultern. Mesut Özil verließ den Platz so, wie er sich gemäß seiner Kritiker zumeist auch auf dem Rasen bewegt.

Nach 67 Minuten nahm Arsenals Trainer Unai Emery seine Nummer zehn vom Feld. Im Derby. Beim Stand von 2:2. Am Ende verloren die Gunners gegen Chelsea mit 2:3. Erstmals seit 1992 gingen die ersten beiden Saisonspiele verloren - und Özil sieht sich mal wieder harter Kritik ausgesetzt.

Presse zählt Özil an

Passiv wie ein "Passagier", sei der 29-Jährige gewesen, schrieb die Daily Mail. "Enttäuschend. Der bestbezahlte Fußballer in Arsenals Geschichte trieb als Nummer 10 mit sehr geringer Wirkung umher", war in der Times zu lesen.

Tatsächlich blieb Özil über weite Strecken der Partie blass. Nur 29 Ballkontakte und 18 Pässe standen in seiner Statistik.

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Özil reibt sich in der Defensive auf

Was aber auch daran lag, dass er ungewohnt viele Wege in der Defensive ging. Er machte den Anschein, als wolle er seinen Kritikern, die ihm nicht erst in der Debatte um seinen Rücktritt aus dem DFB-Team Phlegma vorwarfen, das Gegenteil beweisen.

"Ich bin zufrieden mit ihm, denn er hat hart gearbeitet", sagte Emery nach der Partie, schob seinen warmen Worten aber auch eine Forderung nach: "Wir werden mit ihm weiterarbeiten und ihm helfen, aber auch verlangen, dass er jeden Tag Einsatz zeigt."

Özil steckt in der Zwickmühle

Doch in Özils (Über-)Eifer liegt auch ein Problem. Er steckt in der Zwickmühle.

Er ist ein Mann für die genialen Momente. Für Pässe, die plötzlich ungeahnte Räume für die Teamkollegen reißen. Für Bälle in die Schnittstellen der Abwehrketten. Für Torvorlagen.

So wie er es in der 59. Minute gegen Chelsea zeigte, als er mit einem feinen Lupfer einen Treffer von Pierre-Emerick Aubameyang vorbereitete, der allerdings wegen Abseits nicht gegeben wurde.

Emery erklärte, dass seine Mannschaft zu tief gestanden habe und er Özil deshalb vom Platz nahm, um dem Zentrum einen offensiven Push zu verleihen. Dort, wo sonst der deutsche Ex-Nationalspieler zu finden ist.

Verzettelt sich der Spielmacher außer Dienst zu sehr in Defensiv-Arbeit, läuft er Gefahr seine größten Stärken zu verlieren - und Arsenal damit einen Bärendienst zu erweisen.

Özil bekommt Rückendeckung bei Arsenal

Dabei hat der Klub alles dafür getan, Özil nach der enttäuschenden WM wieder in die Spur zu bringen.

Die Erdogan-Thematik wurde totgeschwiegen, die Gunners-Familie wurde propagiert, die Fans feierten ihren Mesut. Im Testspiel gegen Thomas Tuchels PSG lief er sogar als Kapitän auf.

"Wir brauchen ihn. Er hilft uns mit seiner Qualität und ich möchte ihn antreiben, dass er in jedem Spiel wettbewerbsfähig ist", sagte Emery nach der Pleite gegen Chelsea, was allerdings impliziert, dass Özil diese Vorgabe derzeit nicht erfüllen kann.

Sein Trainer ist jedoch überzeugt, dass sich das ändern wird: "Er wird einer der Spieler sein, der eine gute Saison spielt, da bin ich mir sicher."