Loris Karius vergräbt sein Gesicht im Boden
Loris Karius steht am Scheideweg seiner Karriere © Getty Images

München - Dass Alisson Becker Loris Karius vor die Nase gesetzt wird, ist der Tiefpunkt einer langen Abwärtsspirale. Die Chronologie einer sportlichen Talfahrt seit dem Champions-League-Finale.

von Nadine Münch

Patzer im Champions-League-Finale

Der Leidensweg des Loris Karius begann vor ziemlich genau acht Wochen, beim Spiel der Spiele. Ausgerechnet im Finale der Champions League unterliefen dem Keeper des FC Liverpool gegen Real Madrid zwei schwere Patzer, mit denen er die bittere Niederlage der Reds verschuldete, die erstmals nach elf Jahren wieder im Endspiel gestanden hatten.

Karius, den Trainer Jürgen Klopp erst in der Rückrunde zur Nummer eins gemacht hatte, wurde zum Sündenbock der Fans, musste einen heftigen Shitstorm über sich ergehen lassen, erhielt sogar Morddrohungen.

Die Bilder des weinenden Karius gingen um die Welt. Alles deutete zu diesem Zeitpunkt darauf hin, dass der Torwart seinen Kredit bei Fans und Verein verspielt hatte und ein Verkauf folgen würde – trotz der Ankündigung von Klopp, man wolle mit Karius in die neue Saison gehen.

Gehirnerschütterung als Erklärung für die Patzer

Knapp anderthalb Wochen nach dem verlorenen Finale schien Karius ein wenig aus der Schusslinie zu kommen: Wie eine Untersuchung des Massachusetts General Hospitals in Boston ergab, hatte er bei einem Zusammenprall mit Reals Sergio Ramos in der ersten Hälfte eine Gehirnerschütterung erlitten.

Eine mögliche Erklärung für die beiden Blackouts. Sagte zumindest Klopp. Die Fans allerdings blieben skeptisch.

Die Sache mit dem Video

Trotzdem war es eine Weile ruhig. Bis sich Karius Ende Juni mit einem Promo-Video zurück meldete. Eine ungeschickte Selbstinszenierung, die zum Eigentor wurde: In einer luxuriösen Villa in den Hügeln von Hollywood zeigt Karius - oberkörperfrei und braungebrannt - wie er sich in der Sommerpause fit hält. Dazu dicker Wagen, goldene Uhr und Hip-Hop-Beats. Die Message: Selbstverliebtheit statt Demut.

Die absehbare Reaktion: Die Fans liefen in den Kommentaren Sturm. Nicht ganz so absehbar: Stefan Effenberg landete einen Social-Media-Hit mit einer bösen Persiflage auf Karius' Video.

Das Original wurde nach kurzer Zeit wieder von Karius' Accounts gelöscht. Da war der Shitstorm aber schon entbrannt.

Statistik von Loris Karius beim FC Liverpool
Statistik von Loris Karius beim FC Liverpool © iMFootball/VeithNurtsch

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Standing Ovations beim ersten Testspiel

Mit Spannung wurde Karius' erster Auftritt zurück auf dem Platz erwartet. Und der verlief überraschend gut.

Beim ersten Testspiel der Reds gegen Sechstligist Chester FC wurde der Keeper von den eigenen Fans gefeiert und warmherzig empfangen.

Mit Standing Ovations beim 7:0-Sieg vermittelten die Liverpool-Fans ihrem Keeper, dass die legendäre Vereinshymne "You'll never walk alone" dort nicht nur gesungen, sondern auch gelebt wird.

Auch Klopp zeigte sich gerührt von der moralischen Unterstützung: "Ich weiß nicht, ob ich etwas anderes erwartet hätte. Aber das war nett. Sehr nett."

Nächster Karius-Patzer im zweiten Testspiel

Insgesamt wurde die gesamte Vorbereitung des FC Liverpool zum Schaulaufen für Karius. Bei jedem Training und Testspiel richtete sich der Fokus voll auf den Keeper.

Beim Test gegen den Viertligisten Tranmere Rovers unterlief Karius der nächste Fehler.  Zwar gewannen die Reds knapp mit 3:2, doch der 25-Jährige ließ einen Freistoß aus 25 Metern nach vorne abprallen, was prompt zum Gegentor führte.

Normalerweise wäre das nur eine Randnotiz, aber eben nicht bei Karius, und nicht bei dieser Vorgeschichte. Zwar beklagte Klopp hinterher, dass man "doch nicht nach jedem Fehler wieder mit dieser Geschichte anfangen" könne und "Fehler passieren" – doch Karius machte trotzdem erneut Negativschlagzeilen.

Alisson per Rekordtransfer vor die Nase gesetzt

Karius' Talfahrt erreicht nun mit dem Rekord-Transfer der Reds von Alisson Becker ihren Tiefpunkt. Der brasilianische Keeper kommt für 75 Millionen Euro von der Roma – noch nie wurde eine so hohe Ablöse für einen Torhüter bezahlt. Ein klares Signal an Karius.

Wiedergutmachung betreiben kann er bei den Reds wohl so schnell nicht mehr. Jetzt liegt es an ihm, wie er in der vielleicht wichtigsten Phase seiner Karriere handelt: Den Platz auf der Bank als Nummer zwei hinter Alisson einnehmen – oder sich einer neuen Herausforderung stellen, um es sich und den Kritikern zu beweisen und die Schmach hinter sich zu lassen.

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