München - Der frühe Saisonstart und ein vorgezogenes Ende des Transferfensters sorgen für Missstimmung in der Premier League. Huddersfield-Coach David Wagner erklärt die Hintergründe.

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Dass sich der englische Fußball im Aufwind befindet, wurde bei der WM in Russland deutlich. Mit einer blutjungen Mannschaft erreichten die Three Lions das Halbfinale und scheiterten dort unglücklich an Kroatien.

Trotz des verlorenen Spiels um Platz 3 gegen Belgien fuhr England erhobenen Hauptes nach Hause und erntete in der Presse überwiegend Lobeshymnen.

Von ungetrübter Vorfreude auf die anstehende Premier-League-Saison kann aber trotz der beachtlichen Performance des Nationalteams keine Rede sein. Dabei ist der Grund für die schlechte Stimmung hausgemacht und hat mit zwei Terminierungen zu tun: Dem Premier-League-Start und dem Ende des Transferfensters.

Wagner versteht Mourinhos Ärger

Die Ansetzung des 1. Spieltages auf den 9. August sorgt schon jetzt für Sorgenfalten bei den Trainern. Durch den späten Urlaubsbeginn vieler WM-Teilnehmer ist die Gefahr groß, dass Harry Kane, Romelu Lukaku und Co. zum Saisonstart nicht fit werden.

ManUnited-Coach Jose Mourinho kanzelte den frühen Termin bereits öffentlich ab und kündigte an, die Russland-Rückkehrer erst nach zwei oder drei Spieltagen einzusetzen.

Dass bei Huddersfield Town mit vier WM-Teilnehmern vergleichsweise wenige Profis spät ins Mannschaftstraining einsteigen, macht es für den deutschen Coach David Wagner einfacher - er sieht jedoch das Problem bei Manchester United und Co.   

"Ich kann Mourinho absolut verstehen, allerdings haben dieses Problem im Prinzip alle Top-Klubs in der Premier League", erklärt Wagner bei SPORT1. "Diese Vereine hatten alle fünf bis zehn Abstellungen bis kurz vor Schluss des Turniers gehabt. Dementsprechend ist das schon ein Kritikpunkt, über den sich Mourinho aufregt und den ich nachvollziehen kann."

Der zweite Punkt setzt dagegen die Klubmanager in Zugzwang. Bislang war es so: Die Top-Ligen in England, Spanien, Italien und Frankreich schlossen das Transferfenster nahezu gleichzeitig und garantierten damit zumindest in diesem Punkt eine Chancengleichheit.

Frühes Transferende - Fluch und Segen 

Damit ist es nun vorbei - zum Nachteil der Premier League. Denn die englische Eliteliga hat sich eine Art Selbstbeschränkung auferlegt und das Ende des aktuellen Transferfensters um drei Wochen vorverlegt.

Hintergrund: Um die Planungen vor Beginn der neuen Premier-League-Saison abgeschlossen zu haben, hatten die Liga-Manager dem Fanwunsch entsprochen, den Schluss-Gong auf den 9. August zu legen.

Für Wagner prinzipiell eine gute Sache. "Der gute Ansatz bei der frühen Schließung ist, dass es keinerlei Wettbewerbsverzerrung geben kann. Das heißt, alle gehen mit dem Kader in die Saison, mit dem sie auch bis zum Winter-Transferfenster spielen werden." 

Klar ist aber auch: Die Klubs sind schon vor dem Ligastart zwischen Manchester United und Leicester City mit den Planungen durch und können nicht mehr reagieren.

Dass sich die Premier League damit selbst in Bedrängnis bringt, liegt auf der Hand. Denn die Zeit zwischen dem WM-Ende und dem Transferschluss, wenn der Transfermarkt also so richtig brummt, beträgt auf der Insel nur noch dreieinhalb Wochen.

Mondpreise für wechselwillige Stars?

Wagner ist sicher: "Der Markt in England wird, wie in der Vergangenheit recht häufig, erst spät ins Rollen kommt. Das fängt für mich gefühlt gerade erst an. Das wird sich dann noch mehr zuziehen, weil man drei Wochen weniger hat."

Die Folge: Durch die kürzere Zeit dürften die Preise der ausländischen Stars weiter ansteigen.

Erschwerend kommt hinzu, dass die anderen europäischen Ligen (noch) nicht mitmachen. Lediglich die italienische Serie A verkürzte das Sommer-Fenster um zwei Wochen, hier ist die Deadline für den 18. August terminiert.

In Spanien, Deutschland und Frankreich haben die Vereine wie bisher Zeit bis zum 31. August, ihre Transfers abzuwickeln. Damit können sie in aller Ruhe das Ende des Transfensters in England abwarten, um dann die Premier League nach wechselwilligen Spielern abzugrasen.

"Ich kann verstehen, dass die Bundesliga spekuliert, dass beim geschlossenen Transferfenster der deutsche Markt für die Spieler, die noch nirgendwo untergekommen sind, attraktiv werden kann", sagt Wagner. 

Und Mourinho? Der bleibt in diesem Punkt gelassen. Es sei zwar ein Wettbewerbsnachteil, sagt der United-Trainer. "Doch die Premier League ist stark genug, diesen wegzustecken."

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