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Nach dem Aus von Thomas Tuchel stehen bei Paris Saint-Germain viele Fragezeichen. Der neue Coach wird viele Baustellen vorfinden, das Großprojekt ist am Scheideweg.

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Mit Thomas Tuchel ist nun also der nächste Trainer am Großprojekt Paris Saint-Germain gescheitert - seit Dienstagmorgen auch offiziell.

Carlo Ancelotti, Laurent Blanc, Unai Emery, Tuchel - ein Italiener, ein Franzose, ein Spanier und ein Deutscher, sie alle konnten den PSG-Investoren aus Katar in den letzten acht Jahren nicht das schenken, was sie am meisten begehren: den Henkelpott. 

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Kurzzeitig hatte es im vergangenen August danach ausgesehen, dass Tuchel das langjährige Projekt endlich mit dem großen Erfolg krönen könnte. Beim Finalturnier der Champions League war der deutsche Coach mit PSG ins Finale eingezogen, der FC Bayern war allerdings zu stark gewesen. Trotzdem stellte die vergangene Saison die erfolgreichste in der Geschichte des Klubs aus der französischen Hauptstadt dar. 

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Vier Monate später hat Tuchel keine Chance mehr, es noch einmal zu versuchen. Mauricio Pochettino wird wohl an seine Stelle treten, um das Großprojekt endlich zu vollenden.

Doch den Argentinier erwarten einige Groß-Baustellen. Und diese gefährden das Projekt wohl mehr denn je - PSG steht am Scheideweg. 

Baustelle Trainerposition

Die naheliegendste Baustelle in Paris stellt die Trainerposition - also womöglich Pochettino selbst - dar. Vier Top-Trainer sind nun an dem Konstrukt PSG gescheitert. Die Mannschaft hat sich längst den Ruf erarbeitet, untrainierbar zu sein. 

Das hatte in der jungen Vergangenheit auch immer wieder mit den Superstars zu tun, die den Coaches für ein erfolgreiches Gelingen zur Seite gestellt wurden. Momentan sind das vor allem Neymar und Kylian Mbappé. Tuchel schien zu beiden eine gute Beziehung zu pflegen – zum großen Wurf hat es letztlich aber trotzdem nicht gereicht. 

Kritiker warfen Tuchel immer wieder vor, dass das Spiel zu sehr auf die Superstars zugeschnitten war. Waren Neymar und/oder Mbappé verletzt - oder spielten sie nicht gut - dann war ein Plan B oftmals nicht zu erkennen. Das soll auch einer der Gründe dafür gewesen sein, dass die Superstars selbst ihrem Trainer nicht mehr vollends vertrauten. 

Doch kann sich dies unter Pochettino ändern?

Der Argentinier hat früher selbst bei PSG gespielt und trainierte zuletzt fünf Jahre (bis 2019) Tottenham Hotspur. Bei den Spurs hat sich der 48-Jährige einen großen Namen in der Fußball-Welt gemacht. 

Mit seinen Spielern - zu denen auch Stars wie Harry Kane zählten - unterhielt er ein gutes Verhältnis. Probleme auf zwischenmenschlicher Ebene drangen zumindest nicht in die Öffentlichkeit. Pochettino dürfte erfahren genug sein, um ein Team um die Superstars aufzubauen. Er muss aber erst beweisen, ob er auch einen Plan B kreieren kann - und ob er es besser kann als Tuchel, Emery, Blanc und Ancelotti. 

Baustelle Superstars

Die wohl größte Baustelle stellen Neymar und Mbappé dar. Das brisante dabei: Die Verträge beider Superstars laufen im Sommer 2022 aus. Bis zum kommenden Sommer müssen die Arbeitspapiere also unbedingt verlängert werden - ansonsten droht sogar ein kurzfristiger Abgang einer der beiden, oder sogar beider Stars. 

Ohne den Brasilianer und den Franzosen kann das Ziel Champions-League-Sieger wohl kaum realisiert werden. 

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Wenn Pochettino bei PSG nicht einschlägt und das Team nicht schnell zu einem ernstzunehmenden Favoriten auf den Henkelpott macht, dann dürfte sich vor allem Mbappé genau überlegen, was ihn noch in seiner Geburtsstadt hält. 

Real Madrid hat bereits mehr als einmal signalisiert, dass der 22-Jährige ganz oben auf der königlichen Wunschliste steht. Und der Offensiv-Star selbst ist bekennender Fan der Galaktischen und könnte in Madrid das Gesicht der nächsten Generation werden.

Dass Mbappé seine gesamte Karriere bei PSG verbringen wird, ist nahezu ausgeschlossen. Der Franzose würde sich sicherlich gerne mit dem Triumph in der Champions League verabschieden wollen, sieht er dieses Ziel in weite Ferne rücken, dann könnte er aber schon im kommenden Sommer in die spanische Hauptstadt wechseln. Real will nach dieser Saison offenbar ernst machen. 

Und Neymar? Der 28-Jährige genießt auf dem Markt keinen so hohen Stellenwert wie Mbappé - allerdings würde vor allem der FC Barcelona gerne zuschlagen. Problem waren zuletzt die hohen Kosten, die mit einem Transfer des Brasilianers verbunden sind. Doch mit immer näherkommenden Vertragsende würden auch diese sinken. Auch ein Verbleib von Neymar über den Sommer 2021 ist daher alles andere als gesichert. 

Was ist mit Messi?

Ein starkes Indiz für einen Verbleib von Neymar wäre ohne Zweifel ein Transfer-Coup von Lionel Messi. Die beiden Superstars sind eng befreundet und stellten oftmals klar, dass sie unbedingt wieder zusammenspielen wollen - wie sie dies bei Barca taten. 

Messi könnte im kommenden Sommer ablösefrei wechseln, ganz günstig würde eine Verpflichtung des bestbezahltesten Fußballers der Welt aber trotzdem nicht werden. Daher stellt sich die Frage, ob ein Kampf um Messi überhaupt eine gute Idee ist. 

Immerhin ist der Argentinier mittlerweile 33 Jahre alt und es scheint derzeit so, als könnte er über seinem Zenit sein. Landsmann Pochettino würde Messi wohl trotzdem liebend gerne in seinem Team haben - und dieses Begehren dürfte auf Gegenseitigkeit beruhen. Messi soll sich nämlich auch schon bei Barca für Pochettino als Coach stark gemacht haben, damals ohne Erfolg. 

Zum Transferticker

Die Chancen dürften für PSG also nie so gut gestanden haben, Messi tatsächlich am Eiffelturm begrüßen zu können. Es ist ein offenes Geheimnis, dass dies ein großer Traum von PSG-Präsident Nasser Al-Khelaifi und seinen katarischen Partnern ist. 

Das Großprojekt PSG unterliegt vielen Gefahren

Selbst wenn eine spektakuläre Verpflichtung von Messi realisiert wird, ist es fraglich, ob das Großprojekt PSG in naher Zukunft tatsächlich erfolgreich sein wird. 

Rein sportlich ist Messi derzeit nicht mehr der beste Fußballer der Welt und es gäbe keine Garantie dafür, dass er das nötige Puzzleteil dafür ist, dass der Henkelpott nach Paris geholt werden kann. 

Das größte Problem ist aber, dass der Klub in den nächsten Monaten vielen Ungewissheiten und Gefahren unterliegt.

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Entscheidet sich Mbappé für einen baldigen Wechsel, dann wird das komplette Projekt über den Haufen geworfen. Kommt Pochettino bei PSG - wie zu großen Teilen seine Vorgänger - nicht wirklich zurecht, dann ist anhaltender sportlicher Erfolg ebenfalls unwahrscheinlich. 

Auch wenn Neymar Paris verlassen will, steht alles auf der Kippe. Die nächsten Monate werden entscheidend. Das Großprojekt Paris Saint-Germain steht am Scheideweg.