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Inmitten der Chaos-Wochen von Paris Saint-Germain wird Julian Draxler plötzlich als Held gefeiert. Aber wird sich an seinem generellen Status wirklich etwas ändern?

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Die Männer mit den blauen Trikots lagen auf dem Rasen und konnten ihr Glück kaum fassen.

In der dritten Minute der Nachspielzeit, als nur noch neun Spieler auf dem Feld standen, war ihnen noch der Siegtreffer gelungen. Ihr Trainer klatschte an der Seitenlinie anerkennend, während sich der Gegner die Haare raufte.

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Dieser Mittwochabend im Pariser Prinzenpark sagte einiges aus über den Zustand der Männer in den blauen Trikots - der Startruppe von Paris Saint-Germain.

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Diese hatte gerade ein 1:0 gegen den FC Metz übers Ziel gebracht - einem Team, das bislang ohne Punkt in der Liga geblieben war. Derjenige, der stellvertretend für seinen Klub den Kopf aus der Schlinge zog, war Julian Draxler.

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Der deutsche Nationalspieler stand nach einem Schuss von Angel Di Maria, den Metz-Keeper Alexandre Oukidja abprallen ließ, goldrichtig und köpfte den Ball zum umjubelten 1:0 ein.  

Julian Draxler muss alleine jubeln

"Die Situation war kompliziert, es war ein wichtiger Sieg heute Abend", sagte Draxler nach dem äußerst mühsamen Sieg: "Am Ende war jeder erschöpft. Nachdem ich getroffen habe, habe ich alleine gejubelt, weil meine Mitspieler zu müde waren."

Für Draxler stellt sich die Situation inmitten der Pariser Krise auf einmal positiv dar. Der 26-Jährige, der seit seinem PSG-Start vor gut drei Jahren nie die Wertschätzung erhielt, die er sich erhofft hatte, ist mit einem Schlag der gefeierte Held. 

"Der wiederbelebte Draxler schießt Metz ab und rettet den Sieg", schreibt etwa die Gazzetta dello Sport. "Aber die Probleme hören nicht auf." Die Probleme - das sind die kumulierten Widrigkeiten, mit denen die Truppe von Thomas Tuchel zu kämpfen hat, nachdem man das Champions-League-Finale gegen den FC Bayern verlor. 

Die kurze Pause, in der das verlorene Endspiel verarbeitet werden musste, die Coronafälle, die Kylian Mbappé noch immer zur Untätigkeit zwingen und nicht zuletzt die Platzverweise, durch die sich das Team selber schwächte: In dieser Situation wird sogar ein Last-Minute-Sieg gegen einen Aufsteiger gefeiert. 

"Diese Mannschaft hat einmal mehr gezeigt, dass sie einen außergewöhnlichen Geist hat. Darauf bin ich sehr stolz", sagte Tuchel. Und an Draxler gerichtet: "Er hat das Tor geschossen, er ist viel gelaufen, er hatte eine gute Mentalität", lobte Tuchel. "Wenn er weiterhin mit dieser Mentalität spielt, kann er ein sehr wichtiger Spieler für uns sein. Ich verlasse mich immer auf ihn."

Draxler vor dem Absprung?

An Draxler dürfte der PSG-Coach in den kommenden Spielen nicht vorbeikommen, was fürs Gemüt des früheren Schalker sicher gut sein wird. An seinem generellen Standing im Starensemble dürfte auch die derzeitige Phase als Stammspieler allerdings wenig ändern. 

Spätestens mit der Rückkehr des gesperrten Neymars und von Mbappé aus dessen Quarantäne wird sich Draxler wieder hinten einreihen müssen. Über die Jahre hat sich daran - wer immer auch PSG-Trainer war - nichts geändert. 

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In den wichtigen Spielen saß Draxler auf der Bank und kam bestenfalls als Joker zu einem Kurzeinsatz. Beim 0:1 gegen die Bayern betrat er in der 72. Minute den Rasen, ähnlich verhielt es sich in den anderen Spielen der Königsklasse.

Ein Jahr lang läuft noch sein Vertrag in der französischen Hauptstadt - und nach wie vor ist seine Zukunft offen. "Während des Transferfensters können wir nichts garantieren", sagte Tuchel am Mittwochabend auf die Frage, ob sein Schützling in der aktuellen Transferperiode PSG verlassen wird. 

Auch wenn seit Mittwoch ein bisschen mehr dafür spricht, dass der Ex-Schalker noch eine Zukunft an der Seine hat, sondiert Draxlers Management nach SPORT1-Informationen den Markt. Ein vorzeitiger Abgang ist nicht unwahrscheinlich.

Der Kopfball ins späte Glück gegen Metz. Vielleicht schon Draxlers letztes großes Hurra im PSG-Trikot.