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München - Neymar liefert seit jeher Stoff für Diskussionen und spaltet die Fußballs-Fans weltweit. Doch der Exzentriker von einst hat einen Wandel vollzogen.

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Den Ruf des arroganten Schönspielers und der schwalbenden Heulsuse wird Neymar wohl zeit seiner Karriere nicht mehr loswerden.

Doch wer beim Champions-League-Finalturnier in Lissabon genau hingeschaut hat, der hat einen neuen, besseren Neymar gesehen.

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Und wer genau hinhört, der erlebt in diesen Tagen auch einen anderen Neymar, einen erwachseneren - einen Superstar, bei dem der Groschen anscheinend gefallen ist.

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Neymar erstaunt mit Bekenntnis zu PSG

"Ich bleibe in der kommenden Saison bei PSG! Und zwar mit dem Ziel, ins Finale der Champions League zurückzukehren, um sie diesmal zu gewinnen", stellte der 28-Jährige jetzt im Vereinsmagazin des französischen Meisters klar.

Ein erstaunlich deutliches Bekenntnis vom Brasilianer, der 2017 mit 222 Millionen Euro Ablöse zum teuersten Fußballer aller Zeiten wurde - in den letzten Jahren aber immer wieder seinen Unmut kundtat und offen mit einer Rückkehr zum FC Barcelona flirtete.

Transfergerüchte um Neymar geisterten in schöner Regelmäßigkeit durch die Medien, befeuert durch die Unzufriedenheit des Superstars, der bei Barca seinen Abgang forciert hatte, weil ihm der Schatten von Lionel Messi zu lang war.

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In Frankreich gewann "Ney" seitdem so gut wie alles, wurde mit PSG drei Mal französischer Meister und holte je zwei Mal die Coupe de France sowie die Coupe de la Ligue. In der Champions League ging es dagegen regelmäßig früh raus für die hochgerüstete Mannschaft, auch weil Neymar regelmäßig verletzt fehlte, wenn es in die heiße Phase der Saison ging.

Als die Ligue 1 im März vorzeitig abgebrochen wurde, hatte PSG somit satte 4,16 Millionen Euro pro Spiel für Neymar bezahlt (Gesamtpaket aus Ablöse und Gehalt). Der Brasilianer hatte Weltfußballer werden wollen, verkam stattdessen zum mosernden Millionengrab - doch dann kam Corona. Und der Wandel bei Neymar.

Neymar als Teamleader

Die lange Pause (PSG bestritt zwischen Ligue 1 und Champions League fast fünf Monate kein Spiel) nutzte Neymar nicht etwa, um die Füße hochzulegen, sondern um zu schuften.

"Ich habe sehr viel trainiert in den vergangenen Monaten, mit hoher Intensität und Hingabe", erklärte der Superstar, der auch seine Social-Media-Aktivitäten merklich herunterfuhr, vor Lissabon: "Ich kann es kaum erwarten, das Spielfeld zu betreten und Geschichte zu schreiben." Drei Monate lang arbeitete er in seinem Haus zwischen Rio de Janeiro und São Paulo, um bereit zu sein.

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In Lissabon zeigte sich dann ein deutlich gereifter Neymar - und PSG trat mit einem ganz neuen Teamspirit auf. Nicht ganz zufällig fehlte ausgerechnet ein großer Kontrahent des Brasilianers beim Turnier: Edinson Cavani. Mit dem Stürmer aus Uruguay hatte sich Neymar einst einen peinlichen Elfer-Zoff geliefert, samt Wortgefecht in der Kabine.

Es fiel schon auf, wie sehr die Stars und auch Trainer Thomas Tuchel den Teamgeist beschworen bei einer Mannschaft, die von außen oft den Eindruck einer Ansammlung von riesigen Egos erweckte - nicht zuletzt nach dem Bericht von "Insider" Thomas Meunier, der nach seinem Wechsel zum BVB die Oberflächlichkeit und Partykultur beim Scheich-Klub kritisiert hatte.

Neymar (M.) urlaubt vorbildlich mit Maske auf der Insel Formentera
Neymar (M.) urlaubt vorbildlich mit Maske auf der Insel Formentera © Imago

Aber schon vor Corona zeigte gerade Neymar einen Wandel als Teamleader. Als PSG vor dem Rückspiel gegen Borussia Dortmund (Hinspiel 1:2 verloren) mit dem Rücken zur Wand stand, lud der Superstar alle Teamkollegen zum Abendessen in sein Haus ein.

"Er hat uns alle vereint", berichtete Ander Herrera und verriet außerdem: "Er sagte mir, dass er noch nie so glücklich in Paris war wie jetzt."

Tuchel spielt entscheidende Rolle bei Neymar-Wandlung

Das dem so war, daran hatte auch sein deutscher Trainer großen Anteil.

Im Sommer 2019 war Neymars öffentliches Ansehen nahezu am Tiefpunkt. Von den eigenen Fans wurde er gnadenlos ausgepfiffen, zu intensiv hatte er mit einer Rückkehr zu Barca geliebäugelt.

Auf der Kandidatenliste zum Weltfußballer tauchte er gar nicht mehr auf, Teamkollege Kylian Mbappé hatte ihm nicht nur durch den Weltmeister-Titel den Rang abgelaufen, während der Brasilianer mehr Popstar als Fußballer zu sein schien, vornehmlich mit Frisurenwechseln, Schauspieleinlagen und Transfergerüchten auf sich aufmerksam machte.

In dieser schwierigen Phase hielt Tuchel zu seinem Star, zu dem er schon seit seinem Amtsantritt 2018 ein gutes Verhältnis hat. "Für mich ist es ganz normal zwischen uns", hatte der Deutsche schon mitten im Transfertheater erklärt und nahm Neymar auch nach den Pfiffen der Fans in Schutz: "Es war nicht einfach für ihn, denn er ist ein sehr sensibler Junge."

Neymar will bei PSG Geschichte schreiben

Und dieser sensible Junge scheint nun bei PSG ein echtes Zuhause gefunden zu haben, in dem er sich wohlfühlt und auch auf dem Platz mit Topleistungen überzeugt.

Zwar war Neymar beim Champions-League-Turnier in Lissabon kein Tor vergönnt, doch der Brasilianer war im Viertelfinale gegen Bergamo (2:1) und im Halbfinale gegen RB Leipzig (3:0) einer der Besten. Im Finale verhinderte dann ein fast unmenschlicher Manuel Neuer, dass der PSG-Superstar zum großen Helden wurde.

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Aber das soll jetzt noch kommen. Klubpräsident Nasser al-Khelaifi verkündete bereits, dass Neymar und Mbappé den Klub nie verlassen würden, der Vertrag des Brasilianers läuft noch bis 2022 - und "Ney" hat noch viel vor.

"Ich mag die Vorstellung, alles zu geben, um meinen Namen in den Geschichtsbüchern meines Vereins zu verewigen", betonte der Superstar in seinem Treueschwur auf PSG.

Und beim neuen Neymar ist man geneigt, dieses Bekenntnis auch zu glauben.